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HEIMATJOURNAL
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Sa 04.02.12 19:00

Industriegeschichte Lauchhammer

Glas, Eisen und Kohle haben das Leben und Arbeiten der Menschen in Lauchhammer geprägt.

Die Straße, die einst nach Finsterwalde führte, endet am ehemaligen Tagebau Klettwitz. Kostebrau, ein Ortsteil Lauchhammers, ist eine Tagebauinsel. Rundherum hatten sich hier die Braunkohlebagger durch die Erde gefressen, Dörfer verschwanden - doch Kostebrau wurde verschont. In der Heimatstube ist zusammen getragen, was an den Kohlebergbau und das Leben auf der Insel erinnert. Aber die hier leben kommen oft noch aus Glasmacherfamilien, denn die Industriegeschichte Kostebraus hat mit diesem Handwerk begonnen. Auch darüber erfährt der Besucher alles in der Heimatstube. 1709 begann hier die Produktion von Spiegelglas, später kam die Hohlglasproduktion hinzu. Bis Mitte der 1970er Jahre kamen von hier Glaswaren, die sicher vielen gut bekannt sind, wie Einweckgläser, Weinballons oder Bierflaschen.
Aber zurück zur Kohle. Am Butterberg, in Bockwitz, heute Lauchhammer - Mitte, wurde 1789 das erste Kohleflöz angebohrt.

Konrad Wilhelm, Vorsitzender Traditionsverein Braunkohle Lauchhammer e.V.
"Also man hat anfangs oben geschürft. Die Flöze fallen ja auch ab. Da musste man dann in die Erde hinein gehen. Das war dann schwieriger. Man hat dann kleinere Gruben gegraben. Dann ist man unter Tage gegangen. Das hat dann nicht ausgereicht. Dann hatte man aber auch den Maschinenpark schon so weit entwickelt gehabt, so dass man mit der Tagebautechnologie anfangen konnte. Erst klein und dann riesig groß."

Der Traditionsverein Braunkohle Lauchhammer e.V. ist dabei in der Stadt Bergbaurelikte der jüngeren Geschichte aufzustellen. Einige können bereits bewundert werden andere warten noch auf ihren Platz.

Eine Dieselgleisrückmaschine ist von dem Tagebau Klettwitz-Nord zur Besichtigung in die Stadt geschafft worden. Die 107-Tonner-Maschine hat die Gleise für die Kohlezüge und Abraumbrücken verrückt. Zu besonderen Anlässen wird sie Besuchern nun vorgeführt. Diese riesigen Gerätschaften weisen die Spur zu den Ursprüngen der Schwerindustrie Lauchhammers.

Eine edle Dame, die Freifrau von Löwendal, hat 1725 im heutigen Lauchhammer-Ost den ersten Hochofen eines Eisenhammers anblasen lassen. Dieses Werk am Hammer an den Lauchteichen gab dem Ort später seinen Namen – Lauchhammer.

Die Region hat einige Superlative zu bieten. Die erste Förderbrücke der Welt wurde 1924 hier produziert: Die F25, namens Agnes. Ihre moderne Schwester - die F60, auch liegender Eifelturm genannt, ist heute die größte Abraumförderbrücke der Welt. Als Besucherbergwerk in Lichterfeld lädt sie auch zu Veranstaltungen ein. In der Nähe von Lauchhammer in Domsdorf steht die älteste Brikettfabrik Europas – die Louise. Auch dieser stillgelegte Zeitzeuge kann besucht werden. Außerdem wurden in Lauchhammer genau vor 100 Jahren die Masten für die erste europäische Hochspannungsleitung mit einem 110 Kilovoltbetrieb hochgezogen. Ein Nachbau wird vom Traditionsverein noch installiert.

In der Stadt gibt es eine alte Werkssiedlung, die am ersten Tagebau Lauchhammers lag. Der unter Denkmalschutz stehende Grundhof. Gebaut wurden 1919 Meisterwohnungen, Vorarbeiterwohnungen und die kleinen Arbeiterunterkünfte. Zu DDR-Zeiten ist der Grundhof jämmerlich verfallen. 1998 ist eine Genossenschaft gegründet und mit der Sanierung begonnen worden. Heute sieht der Grundhof wie eine kleine Puppenstube aus und die Wohngegend ist sehr beliebt.

Die Kohleindustrie in Lauchhammer ist heute Geschichte. Aus der Bergbaufolgelandschaft Kleinleipisch entsteht das Naturparadies Grünhaus. In den nächsten Jahrzehnten sollen sich hier am Heidesee, dem Restloch 131, wieder Pflanzen und Tiere ansiedeln.

Lauchhammer ist eine grüne Stadt. Wo Gruben, Brikettfabriken und Kraftwerke waren sind heute Teiche, Wälder und Wiesen. Das Naherholungsgebiet Grünewalder Lauch gehört seit 1977 dazu.

Ein Beitrag von Sabine Horn

Dieser Text gibt den Sachstand vom 04.02.2012 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

Serviceinformationen

Traditionsverein Braunkohle Lauchhammer e.V.

Finsterwalder Straße 57
01979 Lauchhammer
Tel: 0 35 74 – 87 04 73
Fax: 0 35 74 – 87 04 73
www.tv-braunkohle.de

F60 - Besucherbergwerk

Bergheider Straße 4
03238 Lichterfeld
Öffnungszeiten
Wintersaison
Mi. – So. 11.00 bis 16.00 Uhr
Tel: 0 35 3 – 6 08 00
Fax: 0 35 3 - 60 80 12
www.f60.de

Heimatstube Kostebrau

Karl-Marx-Straße 24
01979 Lauchhammer / OT Kostebrau
Öffnungszeiten
So. 14 bis 17 Uhr
Gaststättenbetrieb
und Führungen nach Absprache
Tel: 0 35 74 - 46 45 30
www.lauchhammer.de/index.php?id=921

Technisches Denkmal Brikettfabrik Louise

Louise 11
04924 Domsdorf
Öffnungszeiten
April bis Oktober
Täglich 10.00 – letzte Führung 16 Uhr
November u. März
Mo. bis Fr., So. 10.00 – letzte Führung 15 Uhr
Dezember, Januar und Februar
nach Absprache
Tel: 03 53 41 – 9 40 05
Fax: 03 53 41 – 9 48 94
www.brikettfabrik-louise.de/home.html

Naturparadies Grünhaus

NABU-Stiftung Nationales Naturerbe
Projektbüro Grünhaus
Forststraße 1
03238 Lichterfeld
Tel: 0 35 31-60 96 11
Fax: 0 35 31-60 96 12
Email: Stefan.Roehrscheid@NABU.de www.naturerbe.nabu.de/projekte/gruenhaus

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