- Ulli Zelle ist in Berlin unterwegs: Zwischennutzung urbaner Räume

Kulisse für Neues - Die ehemaligen Opernwerkstätten +++ Schutz vor Vandalismus - Leben als Hauswächter +++ Verknappung als Prinzip - Pop-Up-Stores +++ Netzwerk gegen Leerstand - Konzepte für den Wedding +++

Zwischennutzung ist erstmal nichts anderes als die vorübergehende Zweckentfremdung eines Gebäudes oder eines Geländes. Und Zwischennutzung ist so flüchtig, dass einiges, was gerade erst aufkam, schon wieder verschwunden ist. Berlin hat darin sogar eine lange Tradition. Beispiele dafür sind u.a. der Tiergarten, der nach dem Zweiten Weltkrieg als Kartoffelanbaugebiet herhalten musste, die Protestbewegung der Hausbesetzer in den 70er und 80er Jahren oder die berühmte Berliner Clubszene, die ohne leer stehende Fabrikgebäude wohl nie so legendär geworden wäre. Auch im heutigen Berlin ist Leerstand ein Thema und Zwischennutzung ein Ansatz, der viele Vorteile birgt. Gebäude verfallen nicht, Eigentümer erhalten trotz Leerstands ein paar Euro und jene, die sich teure Immobilien nicht leisten können, können sich ausprobieren und ihre Ideen verwirklichen.

Raum für Ideen gibt es in den ehemaligen Opernwerkstätten genug. Auf einer nutzbaren Fläche von ca. 9.000 Quadratmetern lassen sich von der Modenschau bis zur Kunstausstellung viele Projekte verwirklichen. Einst wurden hier Kulissen und Bühnenbilder für Berlins Opernhäuser hergestellt und genau dieses patinabehaftete Flair verleiht dem Ort einen besonderen Charakter. Auch der japanische Kamerahersteller Olympus sah das so und bat zwölf junge internationale Künstler ihre Sicht auf die sich verändernden urbanen Räume darzustellen im "Photography Playground".

Christian Günzel stellt seit 2004 in seiner Eismanufaktur leckerstes Eis her - ganz ohne Zusatzstoffe und in den verrücktesten Geschmacksrichtungen - und verkauft es in den In-Bezirken der Stadt. Im Winter, wenn es den Leuten zu kalt für Eis ist, vermietet er seine Läden an Pop-Up-Stores. In seinem Laden in Neukölln haben es die Mieter der letzten Kälteperiode richtig gemacht, findet er. Zwei Schwestern haben sich mit ihrer Papeterie "Wednesday Paper Works" einen Namen gemacht und darum geht es schließlich bei den kurzlebigen Pop-Up-Stores.

Wenn man so will, hat auch Anke Rommel einen Pop-Up-Store. Nur weiß  sie noch nicht wie lange. 14 Tage ist die Kündigungsfrist für ihren Laden im Wedding, der einmal ein Friseurgeschäft war. Doch die Architektin hat quasi aus der Not eine Tugend gemacht und neben ihrem Klamottenlabel aroshi, das sie hier im Laden präsentiert, auch ein Netzwerk gegründet, um leer stehende Immobilien im Kiez zu vermitteln. Sie sieht das als win-win-Situation für alle.

Die Laster- und Hängerburg an der Modersohnstraße gibt es seit 1996, seit 2001 an diesem Standort. Gerade haben sie mit der Stadt einen Mietvertrag abgeschlossen und sehen sich selbst daher eigentlich nicht als Zwischennutzer. Für die knapp 30 Bewohner ist dieser Ort zu einem alternativen Zuhause geworden, ein Zuhause, für das sie sich bewusst entschieden haben. Max Weidling ist einer von ihnen und der Veranstaltungstechniker ist von Anfang an dabei. Er mag es, mobil zu sein und findet es spannend, mit wenig auskommen zu müssen.

Mit Beiträgen über:

Der Zwischennutzer

Leerstehenden Gebäuden droht entweder Verfall oder Vandalismus. Die Firma Camelot aus den Niederlanden hat dagegen ein Konzept: Bewohner schützen das Eigentum anderer und können selbst günstig in ungewöhnlichen Immobilien wohnen.

Pop-Up-Stores

Ein paar Monate, eine Woche oder auch nur wenige Tage: Pop-Up-Stores, also Läden auf Zeit, sind der letzte Schrei in Sachen Marketing, egal ob für kleine, aufstrebende Unternehmen oder große etablierte Marken. 

Prinzessinnengarten

Der Prinzessinnengarten am Moritzplatz ist eines der bekanntesten und populärsten Zwischennutzungsprojekte der Stadt. Seit 2005 gibt es die urbane Gärtnerkultur, die an die 1200 Nutzer hat. 

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