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Jahrelang ist die Zahl der Asylsuchenden in Deutschland gesunken, jetzt steigt sie wieder. Und reflexartig entbrennt die Debatte, ob die Flüchtlinge rechtmäßig hierher kommen oder Deutschland "betrügen" wollen…
Seyithan, Türkhan, Süleyman und Ceylan – anscheinend ganz normale Berliner Geschwister. Doch ihr Zusammensein ist gefährdet. Ceylan ist volljährig geworden und damit akut von Abschiebung bedroht. Obwohl sie tolle Noten in der Schule hat und fleißig deutsch lernt, soll sie als einzige der Familie in die Türkei zurück.
Ceylan Deniz:
"Ich will mit meiner Familie zusammen leben. Ich gehe hier zur Schule. Ich möchte Krankenschwester werden. Und eine Ausbildung machen."
Die Geschichte der Familie Deniz ist von Trennung geprägt. Der kurdische Vater musste vor sechzehn Jahren aus der Türkei fliehen. Erst vor zweieinhalb Jahren holte er Frau und Kinder endlich nach Berlin – allerdings ohne gültige Papiere. Alle wurden zunächst geduldet, Doch mit Ceylans Volljährigkeit wurde ihre Duldung aufgehoben.
Turkhan Deniz:
"Tochter soll getrennt werden, will aber bleiben."
Ceylan:
"Meine Mutter weint immer. Immer."
Turkhan:
"Das ist total blöd."
Ceylans Angst vor der Abschiebung ist groß. Täglich kann der Bescheid kommen. Doch Ceylan will nicht aufgeben und sucht Hilfe beim Beratungs- und Betreuungzentrum für junge Flüchtlinge. Hier werden die Geschwister über die rechtliche Situation aufgeklärt und es wird ihnen Mut gemacht
"Ceylan, Du bist nicht alleine."
Ceylan:
"Ich weiß, hier sind wir zusammen. Aber in der Türkei bin ich alleine. Walid Charour: Das ist wahr."
Eine Unterschriften-Aktion soll dabei helfen, dass Ceylan nicht aus ihrer Familie gerissen wird.
Walid Chahrour (Beratung- und Betreuungszentrum für junge Flüchtlinge, BBZ):
"Die Familie hat genug gelitten. Sechzehn Jahre ohne den Vater aufzuwachsen, die Kinder sind jetzt fast erwachsen und jetzt wieder eine Trennung zu machen und jemanden aus der Familie raus zu nehmen und zu sagen, wir pflanzen Dich wieder woanders hin, ist eine harte Entscheidung für die Familie."
Sogar die Berliner Härtefallkommission hat sich für Ceylans Wunsch ausgesprochen. Denn die Alternative, es mit einer erneuten, legalen Einreise zu versuchen, dauert Monate und führt auch nicht zwingend zu einem Aufenthaltsrecht.
Walid Charour:
"Wenn ich die Debatte über den demographischen Wandel beobachte, man redet darüber den demographischen Wandel und darüber, dass man Leute aus der EU hier ausbildet und die Flüchtlingsjugendlichen sind hier und sie wollen."
Ceylans größter Wunsch ist es, in Deutschland eine Ausbildung zur Krankenschwester zu machen und dauerhaft Mitglied der Gesellschaft zu sein. Mit ihrer unsicheren Lebenssituation ist sie nicht alleine. Derzeit leben in Berlin rund 9200 Flüchtlinge. Einige von ihnen protestieren seit Monaten am Oranienplatz gegen die derzeitige Asylpolitik. Zum Beispiel die Sudanesin Napuli Langa.
(Übersetzung)
"Ich weiß, wie Du Dich fühlst. Es geht uns allen hier so. Gott ist groß. Er vergisst niemanden. Je mehr Du es versuchst, desto mehr wird man Dir helfen."
Felix:
"Sag Dir immer wieder, ich bin stark und werde hier bleiben, ich werde das schaffen. Ceylan: Ja das sage ich immer, ich will hier bleiben."
Um Ceylan zu helfen, unterschreibt auch Napuli Langa den Aufruf des Flüchtlingsberatungszentrums. Fastenbrechen bei Familie Deniz im märkischen Viertel. Die Vorstellung, dass Ceylan abgeschoben wird und alleine leben soll, ist sehr hart für ihre Familie.
Moheddin Deniz:
"Das wäre ganz schwierig für mich. Süleyman: Weil Ceylan dort nicht alleine leben kann. Sie ist ein Mädchen und in der Türkei ist das schwer, weil sie Kurdin ist- mit Türken kann man nicht leben."
Bleibt nur die Hoffnung, dass sich die Berliner Behörden doch noch anders entscheiden – damit sie hier eine Zukunft hat.








