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Auf Hebräisch heißt "buba" Puppe und auf Jiddisch heißt „bubale“ Liebling. Die „bubales“ sind in der Tat Puppen, die man schnell ins Herz schließen kann. Die Puppen aus weichem Vlies und Plüsch entführen nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene in eine bunte, jüdische Phantasiewelt.
Alle Puppen kommen hier zur Welt. In der Küche der Kunstpädagogin Shlomit Tulgan.
Vor ein einhalb Jahren gründete sie die erste jüdische Puppenbühne Berlins. Ihre Hauptfigur: ein achtjähriger Junge, Shlomo.
"Shlomit" und "Shlomo" sind auf hebräisch "Salomé" und "Salomon".
Shlomit Tulgan
Die Entwicklung des Stückes beginnt erstmal, dass das Skript geschrieben wird, dann werden die Puppen gebaut, dann werden die Hintergründe genäht und gebaut, dann werden die Requisiten gebaut, dann muss das Ganze geprobt werden – und alles das zusammen, haben wir festgestellt, dauert ein halbes Jahr.
Mit einer Handvoll Freunden aus aller Herren Länder - die alle ehrenamtlich arbeiten - tritt Shlomits "Bubales Puppenbühne" regelmässig sowohl in jüdischen als auch in nicht-jüdischen Einrichtungen auf. Es werden Feste wie Purim und Chanukka aus der Kinderperspektive präsentiert.
Der kleine Shlomo will alles genauer wissen.
Shlomo
Sag mal Mama...
Mama
Mmh?
Shlomo
Warum feiern wir eigentlich Chanukka?
Kinder aus jüdischen Familien sollen den Hintergrund ihrer Traditionen spielerisch erfahren. Aber auch nicht-jüdische Zuschauer lernen diese Kultur in ihrer Vielfalt kennen.
Bei den Stücken wird viel gelacht und viel gesungen. Auf Deutsch, aber auch in anderen Sprachen.
Shlomits Biographie ist auch vielseitig und mehrsprachig.
In Westberlin als Tochter jüdischer Türken geboren, zog sie seit der Kindheit mit den Eltern durch mehrere Länder und lernte immer neue Sprachen dazu: Tschechisch, Russisch, Hebräisch, Englisch… Und einige Worte "ladino", also Alt-Spanisch, durch die Oma.
Shlomits Vorfahren waren nämlich sephardische Juden, die aus Südspanien vor 600 Jahren vertrieben wurden.
"Ocho Kandelikas", "acht Kerzen" - sang Shlomits Oma zu Chanukka. Ein israelischer Musikerfreund arrangiert es für das Puppenspiel.
Shlomit fragt den Erdbeerenpreis auf Türkisch.
Ansonsten spricht sie im Berliner Alltag Türkisch und Deutsch.
Shlomit Tulgan
Ich glaube, ich bin mit sehr vielen Orten vertraut, aber die meiste Zeit meines Lebens habe ich ja mittlerweile in Kreuzberg verbracht. Also habe ich schon für Kreuzberg Heimatgefühle. Mir gefällt einfach die Mixtur.
Von dieser Mixtur ist auch viel im Stück zu sehen: Die beste Freundin von Shlomo ist ein türkisches Mädchen, Aishe. Sie ist eine Muslima.
Zitat aus dem Puppenstück
Shlomo
Auf welcher Sprache spricht deine Mama eigentlich mit dir?
Aishe:
Na, die redet mit mir Türkisch, aber ich antworte meistens auf Deutsch. Das fällt mir leichter, weißt du?
Shlomo
Das ist ja lustig, weil meine Mama, die spricht manchmal mit mir Russisch, und dann spreche ich mit ihr einfach Deutsch (Lacher)
Aishe
Ist ja lustig. Ich hätte nicht gedacht, dass es in anderen Familien auch so ist
Zuhause wird ständig was umgeschrieben und ausgebessert. Shlomits amerikanischer Ehemann Gershon ist eigentlich Psychologe, aber er hilft natürlich auch bei dem „Bubales“.
Shlomit
Wenn wir das hier haben, und mit Rosanna das hier so runter und hoch ziehen... da hackt hier unten immer irgendwas.
Gershon Tripp, Psychologe, baut das Bühnenbild
Gershon Tripp
Weil sie sehr künstlerisch begabt ist und ich mehr um die technischen Sachen irgendwie... Bescheid weiß, aber... ja, machen wir das zusammen.
Shlomit
Er ist der Kopf und ich bin das Herz.
Die Zuschauer sind unterschiedlich. Mitfiebern sollten sie aber alle, sonst sind die Macher besorgt.
Shlomit Tulgan
Die schönsten Erfahrungen, die wir wirklich gemacht haben, ist, wenn das Publikum völlig durchmischt ist. Also wenn jüdische Kinder, jüdische Erwachsene, Eltern, nicht- jüdische Kinder, muslimisch, alles durcheinander gemeinsam über die Witze lachen, dann denke ich immer: So, jetzt haben wir unser Ziel erreicht.
Song aus demTheaterstück
Und am fünften Tag... alle zusammen... eine Kandelika, zwei Kandelikas...
Acht Kandelikas – die acht kleinen Kerzen des Chanukka Festes leuchten hier mitten im Berliner Sommer- wenn das kein "Wunder" ist?
Beitrag von Milena Hadatty








