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Haben Sie auch schon einmal gedacht, was wäre eigentlich, wenn ich in einem anderen Jahrhundert gelebt hätte? Wäre ich Magd oder Prinzessin gewesen oder eine Fantasy-Gestalt wie in den Romanen von Tolkien? Eine katholische Akademie in Niedersachsen bietet dazu ein Rollenspiel an.
In der so phantastischen wie abenteuerlichen Welt des Live-Rollenspiels schlüpfen alle mitspielenden in fremde Rollen – Helden oder Schurken, Gaukler oder Magier – und stellen sich dabei doch den Herausforderungen, die uns im wirklichen Leben begegnen.
So ist das Live-Rollenspiel auch eine ungewöhnliche Gelegenheit, Rollendistanz einzuüben,
Phantasie, Mut, Zusammenwirken und Verständigung über Grenzen hinweg.
(aus einem Informationsmaterial der Katholischen Akademie Stapelfeld)
Manuskript des Beitrags
Ein Überfall im Eichenwald. Wer steckt dahinter?
Ich bin Krankenschwester, hab viel mit Menschen zu tun und ich bin eher in einer dienenden Rolle und ich bin hier nicht in einer dienenden Rolle.
Sonst bin ich eher ruhig, ein Mensch, der ganz sozial ist, harmoniesüchtig, sag ich jetzt schon mal, bedürftig süchtig. Und hier bin ich arrogant, ich nehme mir, was ich will, ich schubs schon mal jemanden von seinem Sitz.
Genau darauf kommt es an, an diesem Wochenende in der katholischen Akademie Stapelfeld. 60 Teilnehmer zwischen 8 und 80 reisen beim Liverollenspiel in eine andere Zeit. Gemeinsam. In Deutschland ist das ein Hobby, das immer mehr Anhänger findet.
Heinrich Dickerhoff
Das Liverollenspiel ist eine Möglichkeit in eine ganz schräge, abgedrehte Rolle zu gehen und mal zu üben, wie gelingt mir das?
Ich kann mich auch noch fragen, wenn ich will, warum wähle ich mir diese Rolle? Warum bin ich ein Krieger, ein Magier, warum bin ich vielleicht ein Dieb, warum möchte ich so gerne ein Mörder sein ? Was sagt das mir das über mich selbst?
Und wie man sieht: Auch der Akademiedirektor und Doktor der Theologie hat sich für eine Rolle entschieden.
Heinrich Dickerhoff
Mein Name ist Fingal Gillarien, das heißt Morgenstern, ich bin Friedensrichter in der Stadt Cal’annon.
Cal’annon, die Stadt der Elben, ersteht zum vierten Mal in Stapelfeld. Eine fantastische Anderswelt, in der die Mitspieler durch ihr Spiel entscheiden, in welche Richtung sich die Handlung entwickelt. Das Setting erinnert an mittelalterliche Zeiten, inspiriert von Tolkiens "Herr der Ringe"- Zyklus.
Junger Mann
Jeder, der diese Bücher mag oder diese Filme, der hat sich ja schon mal irgendwie da so selbst drin gesehen. Und hier gibt es einfach die Möglichkeit, mal selbst auszuprobieren und in so eine Welt einzutauchen und das selber nach zu spielen und natürlich mal was zu sein, was man normalerweise nicht ist.
Mädchen
Ich bin weitaus selbstbewusster geworden, seit ich das Hobby habe. Weil man auch viele kommunikative Sachen macht, man spricht viele Leute an, man muss ganz viel kooperieren, man muss Sachen absprechen und sich an Absprachen halten können.
Auch Schwertkampf und Bogenschießen sind fester Bestandteil in diesem großen Geländespiel. Heinrich Dickerhoff ist Meister darin und gibt sein Wissen über den Kampf mit der Gummiwaffe weiter.
Das Kämpfen mit Schwert und Bogen ist nicht alles, was gerade auch die jüngeren Teilnehmer hier fasziniert:
Junge
Alles was zum Beispiel jetzt zu Hause ist, liegen zu lassen und eben mal so in ein anderes Leben zu schlüpfen und einfach mal was auszuprobieren…
Für seine Oma eine ganz neue Erfahrung
Großmutter des Jungen
Ich fühl mich also zunehmend wohler, aber ich habe Einstiegsschwierigkeiten gehabt, das muss ich zugeben!“
Obwohl sie brav als Händlerin mitspielt – ganz geheuer sind ihre diese Fantasiewelten nicht.
Großmutter des Jungen
Bei Harry Potter ist so meine persönliche Grenze erreicht.
Und wie passt all diese Fantasie zu einer katholischen Bildungseinrichtung?
Heinrich Dickerhoff
Es geht eigentlich dabei um Abenteuer und Geheimnis, zwei Dinge die in unserer Welt fehlen vielen Menschen. Und zumindest nach meinem Verständnis von Christentum geht’s dabei auch um Abenteuer und Geheimnis.
In seinem abenteuerlichen, geheimnisvollen Hobby findet der Theologe Dickerhoff durchaus auch Anregungen für die Kirche:
Heinrich Dickerhoff
Mir gefällt, dass hier eine Grundidee vorgegeben wird, aber dass man dann sagt: Und alle spielen mit und verändern die Idee auch wieder.
Eigentlich kann auch nur so Kirche funktionieren. Dass zwar eine Grundidee vorgegeben ist, aber dass dann Menschen es spielend mit gestalten, mit verändern und dass es nicht nur von einer Spielleitung, einer Orga wie auch immer, vorgegeben wird. Das klappt nicht.
Frauen
Wir verräuchern das Lager mit Schall und Rauch gegen die Schatten!
(Beitrag von Cosima Jagow-Duda)
"Sonntags bin ich Ritter" - eine halbstündige Reportage über die Rollenspieler von Stapelbeck läuft am Sonnabend, 31. August, um 18:00 Uhr im rbb-Fernsehen








