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Die weibliche Beschneidung ist Tradition, Tabu und Ritual - vor allem in afrikanischen Ländern. Die schätzungsweise 6000 beschnittenen Frauen, die in Berlin leben, können nun Hoffnung schöpfen, Hoffnung auf eine medizinische "Rekonstruktion".
Die Zahl der Frauen und Mädchen, die weltweit Opfer der Genitalverstümmelung sind, wird auf rund 140 Millionen geschätzt. Jedes Jahr kommen weitere drei Millionen hinzu. Die weibliche Genitalbeschneidung ist in vielen afrikanischen und einigen arabischen Ländern kulturell tief verwurzelt. Die Mädchen werden unter zum Teil primitivsten und unhygienischen Bedingungen, häufig ohne Betäubung, beschnitten.
Neben den psychischen Folgen eines solchen Eingriffs kann es zu körperlichen Beschwerden kommen, unter denen die Frauen mitunter ihr Leben lang leiden.
Warum unterziehen Mütter ihre Töchter einer solchen Tortur? Warum wollen Mädchen freiwillig beschnitten werden? Die Beschneidung gilt als Initiationsritus, die Mädchen werden dadurch in die Gemeinschaft der Frauen aufgenommen. Wenn die Wundheilung eingesetzt hat, wird für die Kinder ein großes Fest veranstaltet. Sie und ihre Mütter erhalten Geschenke. Die Wunden und Schmerzen der Frauen sind der Preis dieser Tradition.
Für diese Frauen gibt es nun Hoffnung. Als erstes in Europa wird das Waldfriede-Krankenhaus in Berlin-Zehlendorf im September ein eigenes Rekonstruktionszentrum eröffnen. Dr. Roland Scherer hat dieses Projekt initiiert. Er will mit seinem Wissen betroffenen Frauen helfen.
In Deutschland leben Schätzungen zufolge 18.000 beschnittene Frauen, 6.000 davon allein in Berlin. Viele von ihnen hören zum ersten Mal von der Möglichkeit solcher Rekonstruktions-Operationen.
Beitrag von Tabea Hosche
Der Verein Mama Afrika e.V. baut gerade einen Kindergarten in Guinea zur Prävention von Genitalverstümmelung. Der Kindergarten soll im Oktober eröffnet werden. Hadja Kaba, die Gründerin von Mama Afrika e.V., sucht noch dringend Spendengelder dafür. (Kontonummer für Spenden sowie Hinweise auf andere Hilfsmöglichkeiten auf der Homepage von MAMA AFRIKA e.V.)
Informationen zum Kindergarten:
Die Erzieherinnen werden geschult, um die Kinder professionell über das Tabu-Thema weibliche Genitalbeschneidung aufzuklären und zu informieren. Das Selbstbewusstsein der Mädchen soll gezielt gestärkt werden, damit sie sich frei entscheiden und im Zweifel auch gegen die Tradition und damit gegen eine Beschneidung stellen können.
Der Kindergarten soll zudem ein Ort der Kommunikation werden. Ein Treffpunkt zum Austausch und zur Beratung: Informationsabende beispielsweise sollen Eltern und Großeltern über die Folgen der weiblichen Genitalverstümmelung aufklären. Landsmänner und -frauen werden diese Abende in der eigenen Landessprache durchführen.






