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Vor zehn Jahren musste das Bundesverfassungsgericht entscheiden, ob eine Lehrerin im Unterricht ein Kopftuch tragen darf. Das Urteil: Sie darf. Aber das Ringen auf Länderebene ist seitdem weitergegangen – Was erleben Musliminnen heute - mit Kopftuch und Karriere?
"Ich trage, seitdem ich zwölf Jahre alt bin, das Kopftuch. Es ist Teil meiner Identität, es gehört zu meiner Religion. Und ich mache es für Gott" – sagt Sarah Kachache. Sie ist 23 Jahre alt. Seit vier Jahren arbeitet sie im Berliner Krankenhausunternehmen Vivantes. Kopftuch und Karriere – für die junge Frau kein Gegensatz. Sarah betreut Patienten aus dem Ausland. Ihr Pluspunkt: Sie spricht arabisch. Und bei muslimischen Patienten ist Sarahs Kopftuch sogar vorteilhaft. Moritz Naujack (Personalmanagement Vivantes). Vivantes ist ein Teil Berlins. Wir alle wissen sozusagen, wie bunt und wie vielfältig Berlin ist und genauso ist unsere Mitarbeiterschaft und auch unsere Patienten…"
In Branchen, in denen arabische oder türkische Sprachkenntnisse nicht gebraucht werden, ist die Kopftuch-Toleranz deutlich niedriger. In kreativen Berufen ist die Alternative oft knallhart: Kopftuch oder Karriere.
Vor fünf Jahren hat die Fotografin Nilgün Akinci ihr Kopftuch abgelegt. Schweren Herzens. Den Verlust spürt sie noch heute, denn für sie ist das Kopftuch Teil ihrer Identität. Mit Kopftuch aber erlebte sie zahlreiche Ablehnungen: "Wenn ich eine Bewerbung irgendwo abgegeben habe, haben sie gelächelt und bevor ich draußen war, haben sie sie weggeworfen, vor meinen Augen."
Nilgün Akinci wünscht sich mehr Toleranz gegenüber Frauen mit Kopftuch. Sarah Kachache ist eine der Musliminnen, die nicht länger Kompromisse schließen wollen, wenn es um ihre Kleidung geht. Eine neue Generation junger gläubiger Frauen will Karriere mit Kopftuch.
Beitrag von Simone Brannahl







