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In Berlin, der Stadt mit den meisten Wohnungslosen in Deutschland, werden Stadtführungen von (ehemals) Obdachlosen angeboten, die quer durch die Kieze menschliche Kontakte und ungewohnte Sichten auf Altbekanntes bieten.
Karsten Voss ist der erste Stadtführer in Berlin, der weiß, was Obdachlosigkeit wirklich bedeutet. Als der Manager in der Modebranche unter Burnout litt, ging es schnell bergab. Zwei Jahre hat er auf der Straße gelebt.
Keine Wohnung, das heißt: kein Schutzraum, in den man sich zurückziehen kann. Das hat Karsten Voss am meisten zugesetzt : “Man ist 24 Stunden in der Öffentlichkeit, ...ob man irgendwo in der Cafeteria sitzt, in der Bibliothek, egal, auf jeder Bank, man ist immer in der Öffentlichkeit… Irgendwann war es dann November und ich hab gesagt, so Carsten, wenn du jetzt nicht die Kurve kriegst, gehst du vor die Hunde.“
Carsten Voss bekam Hilfe von Sozialarbeitern, lebt wieder in einer Wohnung und macht eine Weiterbildung zum EU-Fundraiser. Er will seine Managerfähigkeiten für soziale Projekte einsetzen. Voss engagiert sich für Obdachlose und führt die Tour, die von der Organisation "querstadtein" ins Leben gerufen wurde.
"Die Idee von "querstadtein" ist die, dass man versucht, einen sensiblen Blick auf obdachlose Menschen zu geben, und einfach die Gesellschaft aufmerksam zu machen, dass obdachlose Menschen eben genauso dazu gehören wie alle anderen auch."
Berlin bietet Glanz und Glamour, Armut und Obdachlosigkeit. Zwei Welten, dicht an dicht und doch ohne Berührung. Wie ist Begegnung möglich mit denen, die auf der Straße leben?
"Ich finde, der erste Schritt ist überhaupt, mit ihnen umzugehen, das macht man meistens nicht, man geht nicht mit ihnen um", meint Carsten Voss.
"Man sieht sie zwar, sie gehören zur Stadt wie eine Bank, wie eine Laterne, wie ein Papierkorb… Ich fand’s nicht schlimm, wenn jemand mich doof angeguckt hat. Wenn mich jemand gar nicht anguckt, das finde ich schlimm."
Beitrag von Cosima Jagow-Duda und Tina Tripp







