- Praxis für Obdachlose

Die Zahl der Wohnungslosen ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Ihr Gesundheitszustand hat sich verschlechtert: Hauterkrankungen, Tuberkulose, HIV… - Ohne Krankenversicherung aber können sie nicht einfach zum Arzt gehen, sondern sind auf ehrenamtliche Hilfe angewiesen.

Die Praxis für Obdachlose liegt am Stralauer Platz in Friedrichshain. Direkt gegenüber dem Ostbahnhof, einem der zentralen Treffpunkte für wohnungslose Menschen in Berlin.
Ein Patient aus Litauen ist , wie die meisten Wohnungslosen, nicht krankenversichert. Hier spielt das keine Rolle.

Die Arztpraxis wurde 1994 gegründet, damals ein europaweit einmaliges Angebot. Ein paar Jahre danach kam die Zahnarztpraxis dazu. Die Finanzierung war von Anfang an schwierig. Auch Medikamente mussten durch Spenden finanziert werden.

Täglich sind in der Praxis ein Arzt, zwei Schwestern, ein Zahnarzt und eine Helferin vor Ort.
Weil die Zahl der Obdachlosen schneller wächst als die der Hilfsangebote, verschlechtert sich der gesundheitliche Zustand der Menschen von Jahr zu Jahr.
Die Menschen kommen aber auch her, weil sie hier duschen können, warme Kleidung erhalten und ein warmes Essen bekommen.

Das Leben mit einseitiger Ernährung, Alkohol- und Drogen, aber auch mit Prügeleien hinterlässt seine Spuren: Karies, Zahnfleischprobleme, Pilzerkrankungen, Entzündungen.

 

"Was es auf jeden Fall braucht, ist Geduld und ein gerüttelt Maß an Empathie“, sagt Zahnarzt Werner Kiss. „Die Teilnahme an den besonderen Lebensumständen dieser Patienten erleichtert den Zugang zu ihnen und macht dann auch eine Behandlung leichter möglich. Die Dankbarkeit, die sie nach erfolgreicher Behandlung zum Ausdruck bringen, das ist schon bemerkenswert."

Beitrag von Susanne Heim

weitere Themen der Sendung

Farben kann man nicht hören

Für behinderte Menschen, die keine Ausbildung finden, ist eine "Betreute Ausbildungswerkstatt" oft die einzige Chance. Belal, ein gehörloser Malerlehrling, hat eine andere Möglichkeit gesucht – und im Berliner Malerbetrieb Ates auch gefunden.

Organspende schenkt Leben

Gerade mal 25 Jahre war Markus als die Kupferspeicherkrankheit „Morbus Wilson“ seine Leber zerstörte. Die Diagnose war erschütternd: Nur eine Organtransplantation konnte sein Leben retten. Fünf Jahre ist die Transplantation jetzt her und in Markus’ Leben hat sich einiges verändert.

Wenn der Tod dem Leben hilft

Mehr als 12.000 Patienten stehen in Deutschland auf Wartelisten für Organtransplantationen – doch nur einem Viertel von ihnen kann geholfen werden. Friederike Sittler im Gespräch mit Prof. Dr. Gero Puhl, Transplantationschirurg am Virchow-Klinikum der Berliner Charité.

Mein fremdes Herz

27 Jahre ist die Transplantation jetzt her. Damals hatte der Postbeamte Peter Markgraf nach einer scheinbar harmlosen Grippe immer wieder Kammerflimmern bekommen. Die Nachricht, dass der 44-Jährige nur noch mit einem Spenderherz überleben wird, war ein Schock für das Ehepaar.