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Jedes sechste Kind in Berlin ist arm. Betroffen sind vor allem die Kinder Alleinerziehender. In Hellersdorf-Marzahn lebt fast jedes zweite Kind unter acht Jahren in einem Haushalt, der Arbeitslosengeld II bezieht. Wie lebt man, wenn man als arm gilt, und was bedeutet das für die Kinder?
"Arbeitslosigkeit oder ein niedriges Einkommen sind die Hauptgründe für fehlendes Geld in den Familien und damit auch die wichtigsten Auslöser für Kinderarmut in Deutschland. Durch die Abhängigkeit von ihren Eltern steht und fällt das Wohlbefinden der Kinder immer mit dem finanziellen und gesellschaftlichen Zustand der Erziehungsberechtigten.
Die Studie "Kinderarmut in Deutschland" belegt, dass Familien mit Migrationshintergrund, Alleinerziehende und Familien mit drei oder mehr Kindern besonders armutsgefährdet sind."
(zitiert nach "Planet Wissen", WDR, SWR, BR 2014)
Janet Salja ist alleinerziehende Mutter. Jahrelang hatte die 35-Jährige Arbeit in einem Supermarkt. Nach einer Umschulung wurde sie zum dritten Mal schwanger. Zu einer neuen Anstellung kam es nicht mehr. Seither bezieht sie Arbeitslosengeld II und wohnt mit ihren Kindern in einer 70-Quadratmeter Wohnung.
Die Kleidung für alle Familienmitglieder stammt größtenteils aus der Kleiderkammer.
Die Familie finanziert ihr Leben ausschließlich durch die Zahlung vom Amt. Nach Abzug der Miete bleiben inklusive Kindergeld 1318,00 EUR zum Leben.
Wenn Frau Salja den 1 ½ jährigen Sohn von der Kita abgeholt hat, fährt sie mit ihm zum Mittagessen – aber nicht immer nach Hause. Dann trifft sie ihre Tochter Pia bei der "Arche", einer Einrichtung für Kinder und Jugendliche. Pia kommt nach der Schule täglich hier her.
Heute also ein gemeinsames Mittagsessen. Warum kocht die Mutter nicht selbst? "Weil es mit drei Kindern nicht immer einfach ist. Ich geh halt gerne in die Arche zum Mittagessen, weil man bekommt das Essen hier umsonst…", sagt Janet Salja.
Sie unternimmt einiges, um eine gute Mutter zu sein. Doch sie tut sich schwer mit ihrer augenblicklichen Situation: "Für mich ist es ganz wichtig, wieder arbeiten zu gehen, weil ich möchte nicht Ewigkeiten zu Hause sitzen, da bin ich nicht der Typ für. Und ich möchte unheimlich gerne meinen Kindern zeigen, dass es auch anders geht."
Beitrag von Manuela Tischler





