Hoyerswerda von oben, Quelle: rbb

- Hoyerswerda hilft mit Herz

Ein Asylbewerberheim in Hoyerswerda. - 1991 war das gründlich schief gegangen. Die Stadt seitdem Synonym für Ausländerfeindlichkeit, rohe Gewalt und blinden Hass. Nun also ein neuer Anlauf. Und diesmal soll alles anders werden. Dafür sorgen wollen mehrere Initiativen, so auch das Bürgerbündnis "Hoyerswerda hilft mit Herz".

Hoyerswerda – in den 60er bis 90er Jahren Musterbeispiel sozialistischen Städtebaus: neue Wohnungen, Fernwärme, Bäder, Schulen, Arztpraxen, Grünflächen. Das Braunkohlekombinat Schwarze Pumpe, vor den Toren der Stadt gelegen, sorgte für Arbeit für die rund 70.000 vorwiegend jungen Einwohner. Nahezu die Hälfte der Bewohner hat seit 1990 aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit der Stadt den Rücken gekehrt. Traurige Berühmtheit erlangte Hoyerswerda 1991 durch die rassistisch motivierten Ausschreitungen. Dabei wurden mehrere Wohnheime für Asylbewerber und Vertragsarbeiter angegriffen, die in der Folgezeit die Stadt verlassen mussten.

Wie werden heute Flüchtlinge in Hoyerswerda willkommen geheißen? - Stadtspaziergang durchs frühlingshafte Hoyerswerda. Pfarrer Jörg Michel und seine Mitstreiter vom Bürgerbündnis "Hoyerswerda hilft mit Herz" zeigen den neuen Gästen ihre Stadt. Die Flüchtlinge kommen aus Syrien, dem Libanon, Libyen, Pakistan und Indien. Untergebracht werden sie hier im neuen Asylbewerberheim, einer ehemaligen Schule.

Zwei Wochen vor Ankunft der Flüchtlinge ist Tag der Offenen Tür. Über 1000 Bürger aus Hoyerswerda nutzen den Nachmittag, um sich ein Urteil zu bilden – über den Zustand des Gebäudes und über die Situation in der Stadt. "Das ist einfach notwendig, dass Hoyerswerda jetzt Gesicht zeigt, wie die Stadt auch sein kann und eigentlich auch ist", sagt eine Besucherin. Und eine ältere Dame ergänzt: "Unser Image, das wir hatten, so negativ, muss ich sagen, muss abgelegt werden, vor allem auch durch diese Einrichtung."

Wenige Tage später hat das Bündnis Heimbewohner und Bürger zum ersten Begegnungscafé eingeladen. Spielzeugspenden werden ausgegeben, Kontakte geknüpft. Ehrenamtliche Helfer können sich als Alltagslotsen, Übersetzer oder Nachhilfelehrer einbringen. Die Vereine der Stadt stellen ihr Angebot vor. Hoyerswerda will helfen. Mit Herz!

Beitrag von Cosima Jagow-Duda

weitere Themen der Sendung

Hörfilm, Quelle: rbb

Filme für die Ohren

Immer mehr Filme werden mit akustischen Bildbeschreibungen, so genannten Audiodeskriptionen, versehen. Viele Blinde und Sehbehinderte gehen gern ins Kino. Anders als allein vorm Fernseher fühlen sie sich hier als Teil der Gesellschaft. Wie funktioniert so ein Text zum Film und was bedeutet die Audiodeskription für blinde Kinofans?

Pfarrer Jörg Michel, Quelle: rbb

Zweiter Anlauf für Moral und Toleranz

Es sind wenige, aber sie sind nach wie vor aktiv - die Neonazis in Hoyerswerda. Im Unterschied zu 1991 gibt es heute jedoch eine starke Gegenbewegung: Vom einfachen Bürger über Parteien und Vereine bis zu Bürgermeister und Kirchen. Wird es der Zivilgesellschaft gelingen, die Stadt zu einem Zuhause für Flüchtlinge und Asylsuchende werden zu lassen?

Flüchtlinge Allende-Haus, Quelle: rbb

Alltag im Allende-Haus

Das Köpenicker Allende-Haus ist ein ehemaliges Seniorenheim. Der neue Träger, das Evangelische Jugend- und Fürsorgewerk, versucht, den Asylsuchenden eine menschwürdige Unterkunft zu ermöglichen und sie in Zusammenarbeit mit Bürgerinitiativen zu integrieren. Die 28-jährige Lisa Friedmann ist eine der drei Sozialarbeiterinnen im Haus.

Uganda Schule, Quelle: rbb

Spenden für Uganda

Jedes Jahr zur Fastenzeit ruft das katholische Hilfswerk Misereor zu Spenden für Projekte in aller Welt auf. Diesmal ist das Partnerland Uganda. – Was ist geschehen seit dem Sturz des Diktators Idi Amin im Jahre 1979? - HIMMEL UND ERDE berichtet aus Uganda.

Schwestern der Nacht, Quelle: rbb

Schwestern der Nacht

Ihr oberstes Ziel ist das Verbreiten universeller Freude, das zweite Ziel das Tilgen von Schuld. Und das dritte schließlich das Verteilen von Safersex-Materialien und Sammeln von Spendengeldern für Menschen, die von HIV und Aids betroffen sind. Sie fühlen sich als Nonnen. Irgendwie. Mit den Schwestern der Nacht unterwegs in der Berliner Szene.