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Ihr oberstes Ziel ist das Verbreiten universeller Freude, das zweite Ziel das Tilgen von Schuld. Und das dritte schließlich das Verteilen von Safersex-Materialien und Sammeln von Spendengeldern für Menschen, die von HIV und Aids betroffen sind. Sie fühlen sich als Nonnen. Irgendwie. Mit den Schwestern der Nacht unterwegs in der Berliner Szene.
Ihr Ordensname ist doppeldeutig: Schwestern der perpetuellen Indulgenz, was einserseits heißt: immerwährender Sündenablass, aber auch immerwährender Genuss. 1979 wurde der Orden von amerikanischen Schwulenaktivisten gegründet, längst ist er auch offen für heterosexuelle und weibliche Mitglieder.
Christliche Orden von Nonnen und Schwestern, die seit Jahrhunderten da sind für Arme, Kranke und Bedürftige, sind ganz bewusst als Vorbilder gewählt. Auch wenn Daphne und Suzette anders aussehen und sich nicht ganz so fromm verhalten, verfolgen sie ihre Ziele mit durchaus vergleichbarer Konsequenz: "Also wir machen regelmäßig Kneipentouren in Berlin, um eben die Gemeinde, unsere Gemeinde zu betreuen – und ganz wichtig für uns eben, um in Kontakt zu unserer Gemeinde zu sein und zu bleiben."
Über zwei Stunden braucht Daphne für das charakteristische Schwestern-MakeUp. Endlich kommt auch Suzette, Stress im Gepäck. Die Verwandlung zur Ordensfrau ist auch für sie eine Form der Meditation: "Ich bin jetzt in keiner guten Stimmung, aber das Komische ist, wenn man sich schminkt, ändert sich das. Interessanterweise. Es passiert was, die persönlichen Probleme gehen weg." Dran sind dann die Probleme der anderen. Egal, wo und wie spektakulär, mitunter auch provokant sie auftreten – die 15 aktiven Berliner Schwestern haben immer auch ein offenes Ohr für Kummer, Ängste oder Scham.
"Wenn die Leute keine Freude haben und einfach keinen Spaß haben oder sich selber irgendwie Schuld einreden, dann sind sie eben nicht offen für Botschaften. Und es ist uns natürlich schon wichtig, dass wir mit unserer Botschaft eben auch rüber kommen… Der Archetypus Nonne als helfender Mensch, das funktioniert. Das hat eine eigene Intensität, eine eigene Energie."
Beitrag von Christiane Hög







