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Über gerechte Strafen, Haftbedingungen oder Resozialisierung von Tätern wird viel gesprochen. Über die Opfer von Straftaten weniger. Für sie aber ist mit der Verurteilung und Bestrafung der Täter längst nicht alles ausgestanden. Oft leiden sie noch lange an den Folgen der Straftat, körperlich und seelisch.
Geromes rechtes Auge wurde schon mehrfach operiert, es hat nur noch eingeschränkte Sehkraft. Gerome war ein bunter Vogel. Nachts trat er in Travestieshows auf. Heute sucht er, sobald es dunkel wird, geschützte Plätze auf, traut sich kaum noch nach draußen: "Ich bin überfallen worden, von drei jungen Menschen die mich nicht mochten."
Hilfe fand er bei der Schwulen-Opferhilfeberatungsstelle "Maneo". Im Beratungsgespräch erzählt Gerome, wie gut es tut, hier zu sein, denn seine Freunde sind überfordert mit der Situation.
Ein zweites Beispiel: Maria Debel ist 92 Jahre alt. Eine zierliche Frau mit feinen Gesichtszügen. Nur mühsam bewegt sie sich mit dem Rollator durch die Wohnung. Auch Maria Debel ist überfallen worden. Der Räuber riss ihr die Handtasche weg und stieß die alte Frau zu Boden. Einige Zeit später wurde bei ihr eingebrochen und Geld gestohlen. Beide Male bekam sie Hilfe vom WEISSEN RING. Maria Debel sagt, dass die körperlichen Folgen des Überfalls relativ schnell verheilt waren, aber die psychischen noch lange anhielten. Der WEISSE RING half mit moralischer und finanzieller Unterstützung.
In Sachen Opferhilfe hat sich in den letzten Jahren einiges verbessert. Die Polizeidirektionen, meist die erste Anlaufstelle nach einer Gewalttat, haben spezielle Räume eingerichtet. Die Trauma-Ambulanz im St. Hedwigskrankenhaus bietet Opfern therapeutische Soforthilfe an.
Maria Debel aber bewegt sich nicht mehr allein vor die Tür. Und eine Augenärztin klärt
Gerome behutsam darüber auf, dass es nicht gut steht um sein zerschlagenes Auge, dass es eventuell gar nicht zu retten sein wird.
Beitrag von Angelika Brötzmann





