Gedenken an das Hachschara-Lager in Berlin-Pankow mit Fotos aus den 1930er Jahren des Fotografen Herbert Sonnenfeld [Quelle: rbb]
Bild: rbb

- Hachschara – Ausbildungsstätten für junge Juden

Berlin-Niederschönhausen. Vorbereitungen für die feierliche Benennung eines bisher namenlosen Platzes an der Buchholzer Straße. Hier direkt gegenüber standen in den 30er Jahren Lehrwerkstätten für junge Juden, ein sogenanntes Hachschara-Lager. Der Fotograf Herbert Sonnenfeld hat die Geschichte des Lagers in zahlreichen Bildern dokumentiert. (Archiv Jüdisches Museum Berlin) Der jüdische Flaschenfabrikant Paul Latte hatte sein Grundstück dafür zur Verfügung gestellt und rettete damit Hunderten das Leben. Nun wird der Platz nach Ehepaar Latte benannt. Und das ist Gudrun Schottmann und Christof Kurz zu verdanken.
 
 

Vor 13 Jahren sind Gudrun Schottmann und Christof Kurz mit ihren Kindern in eine schöne Altbauwohnung in Niederschönhausen gezogen. Der Verkäufer hatte damals eher beiläufig erwähnt, dass dieses Haus früher mal in jüdischem Besitz gewesen sei: Paul Latte, ein wohlhabender jüdischer Berliner Fabrikant. Das Ehepaar will mehr über ihn erfahren. In verschiedenen Archiven finden sie Spuren der Verfolgung.

Paul und Selma Latte wurden von den Nazis enteignet, aus ihrem Haus vertrieben und 1943 nach Theresienstadt deportiert, wo sie kurz darauf starben. Die ganze Plünderung ist in Dokumenten festgehalten. Sämtliches Inventar des Paares wurde beschlagnahmt, akribisch aufgelistet und bewertet. Mehr noch: Lattes mussten ihre eigene Deportation und die Unterbringung im KZ Theresienstadt vorab bezahlen. Mit 60.000 Reichsmark.


Paul Lattes Name ist eng mit dem Haschara-Lager in Berlin-Niederschönhausen verbunden. Die Geschichte der Hachschara-Bewegung ist beinahe vergessen. Hachschara ist hebräisch und bedeutet "Tauglichmachung“. Gegründet wurde die Bewegung in den 20er Jahren, um junge Juden auf die Besiedlung Palästinas vorzubereiten. Hier sollten die künftigen Siedler alles erlernen, was sie für die Urbarmachung der Wüste wissen mussten.


In der Nazi-Zeit bekam die Bewegung eine besondere, zusätzliche Bedeutung. Die Hachschara- Werkstätten boten eine der letzten Möglichkeiten für Juden, überhaupt eine Berufsausbildung zu erlangen. Mindestens 32 dieser Lager gab es zu dieser Zeit im Deutschen Reich. Eines davon an der Buchholzer Straße in Berlin. Zahlreiche Bilder des Fotografen Herbert Sonnenfeld dokumentieren das Leben und die Arbeit in den Berliner Haschara-Werkstätten Mitte der 1930er Jahre. Überreste der Gebäude und der Anlage mit Garten und Sportplatz gibt es heute nicht mehr.  


Bei ihren Recherchen haben Gudrun Schottmann und Christof Kurz auch Zeitzeugen gefunden: Bernhard Grünberg, der als Einziger seiner Familie überlebt hat, weil er hier in Berlin in der Ausbildung war. Der 93jährige konnte mit einem der letzten Kindertransporte nach England fliehen. Und die Großnichte von Paul Latte, Eva Seker, die heute in Tel Aviv lebt. Eva Seker entkam mit dem letzten Schiff, das nach Palästina fuhr. Die beiden sind zur Feierstunde und Benennung des Selma und Paul-Latte-Platzes nach Berlin gekommen.


Beitrag von Susanne Heim und Maico Riegelmann
 

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