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rbbonline | Archiv

Diana Schütze hat sich als Landärztin in einem winzigen Brandenburger Dorf niedergelassen.
Man sollte meinen, eine neue Hausärztin in Brandenburg würde angesichts des Ärzte-Mangels mit Kusshand aufgenommen und finanziell sei die Bereitschaft zum Dienst auf dem Land ohnehin eine Goldgrube…
Mitten im Nuthe-Urstromtal liegt das kleine Örtchen Ruhlsdorf., 405 Einwohner.
Ruhlsdorf hat eine Kirche, den Friedhof, eine Gemeindeverwaltung, einen Gasthof, einen Sportplatz und seit neuestem - gleich daneben - eine Arztpraxis.
Diana Schütze hat sich hier gerade als Landärztin niedergelassen. 15 Kilometer von der nächst größeren Stadt entfernt.
Diana Schütze, Ärztin
Es war schon immer so meine Idee, mich als Landarzt niederzulassen. Und als ich hierher gezogen bin, da hatte ich schon so mit dem Objekt geliebäugelt, aber es war ja ein alter Kindergarten und da hätte ich mir nie träumen lassen, dass das frei wird. Hab aber so gedacht, hach vom Objekt her wäre das schon schön so als Praxis.
Die 34-Jährige hat sehr viel Zeit investiert und einen Kredit von 130.000 Euro aufgenommen, um aus dem alten Haus eine moderne Arztpraxis für ihre Patienten machen zu können.
Trotzdem bleibt noch einiges zu tun. Das Gebäude ist immer noch nicht ganz fertig.
Diana Schütze, Ärztin
Die Fassade fehlt noch. Wo einen die Baufirma einfach stehen lässt… Es wäre alles schön gewesen, und ja da sind auch meine Vorstellungen ganz anders gewesen, ich hätte gern zur Eröffnung eine fertige Praxis vorweisen können, vorweisen wollen, es hat aber nicht geklappt.
Ruhlsdorf liegt knapp neben dem medizinisch unterversorgten Bereich Jüterbog. Dort hätte sie eine Förderung bekommen. Hier bekam sie nichts.
Diana Schütze, Ärztin
Ein bisschen Idealismus gehört zum Leben dazu, finde ich, also zum Arbeiten. Sonst fehlt einem auch die Freude, denke ich. Man muss seine eigene Art umsetzen können.
Die Hausärzte in Brandenburg versorgen etwa 1.000 Patienten pro Quartal. Diana Schütze hat jetzt 350. Täglich kommen zwei, drei Neue hinzu.
Die Landärztin baut darauf, dass sich ihre gute Arbeit herumspricht. Sie möchte Patienten nicht nur versorgen, sondern auch ein persönlicher Ansprechpartner für sie sein - eine verlässliche Größe im oft sorgenvollen Alltag.
So wie für die 82-jährige Waltraut Müller.
Patientin Müller
Hier kann man gleich reinfahren und das finde ich ja prima.
Diana Schütze, Ärztin
Ich hoffe, dass ein gutes Verhältnis entsteht, dass die Leute wirklich Vertrauen haben und auch wissen, wenn irgendwas ist – auch wenn es vielleicht nicht jetzt die große Krankheit ist, sondern einfach nur eine Sorge, mit der sie nicht fertig werden, dass sie dann auch hier her kommen können.
Diana Schütze auf dem Weg zum Hausbesuch in einem Nachbarort. Ohne Hausbesuche geht es nicht, denn viele ihrer Patienten sind nicht mehr mobil.
Gerade für die hat sie Verantwortung übernommen. Medizinisch und menschlich. Denn viele von ihnen haben sonst niemanden mehr zum Reden.
Diana Schütze, Ärztin
Man erlebt da eine ganz andere Seite noch von den Patienten und erfährt vielleicht auch
persönliche Sachen. Man erfährt was über die Familie und über das Leben des Patienten. Und was ihm dann natürlich auch gut tut. Ja da ist man natürlich auch der Seelsorger.
Für Christa und Heinz Dammüller ist die neue Ärztin ein Segen. Beide sind über 80 und nicht gut zu Fuß. Herr Dammüller hatte gerade einen Schlaganfall.
Gespräch Ärztin - Patientenehepaar
Ist das mit dem Zurechtfinden wieder besser geworden?
Ja.
Was sagt denn Ihre Frau?
Na ja so leidlich.
Christa Dammüller
Ich war 20 Jahre bei der andern Hausärztin. Aber ich konnte nicht mehr laufen und mein Mann war zu der Zeit in Beelitz in der Reha und da wollte ich, dass sie rauskommt.
Hat sie nicht gemacht. Hat sie gesagt: Ich schicke Ihnen ein Taxi, dann können Sie reinkommen.
Na dann habe ich lange genug gewartet bis es hieß, dass in Ruhlsdorf eine Praxis eröffnet wird, dass wir eine neue Ärztin kriegen, eine junge Ärztin. Und da habe ich gleich gedacht, na dann gehst du hin. Und dann hab ich es auch gemacht.
Diana Schütze ist Mutter von zwei Kindern.
Heute passt es, dass sie ihre Tochter Anna gleich nach dem Hausbesuch aus der Kita abholen kann. Anna ist 5, ihre Schwester Luise 9 Jahre alt.
Um die Kinder kümmert sich vor allem die Mutter von Diana Schütze. Sie hatte schon einmal in Ruhlsdorf gelebt und ist nun wieder zurück gekommen – mit ihrer Tochter und den Enkelkindern.
Dass die Tochter so einen hohen Kredit aufgenommen hat, macht ihr Sorgen.
Jutta Märtens
Es gab keine Fördermittel, das hat sie bestimmt schon erzählt. Ein paar Kilometer entfernt in Jüterbog gab es die Fördermittel. Das ist alles nicht zu verstehen. Einer kriegt es, der andere nicht..
Das ist bestimmt nicht einfach. Da möchte man gar nicht alles wissen manchmal, sonst hat man schlaflose Nächte, denke ich.
Diana Schütze
Also ich glaube, ohne den familiären Hintergrund hätte ich das auch nicht gewagt.
Da hätte ich das mit zwei kleinen Kindern nicht gemacht.
Und so lebt die neue Landärztin mitten unter ihren Patienten.
So wie sie es immer haben wollte.
Beitrag von Petra Cyrus
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
http://www.rbb-online.de/himmelunderde/archiv/himmel_und_erde_vom/die_landaerztin.html