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In Deutschland leben 1,2 Millionen Demenzkranke. Müssten sie alle in Heimen untergebracht werden, würde das Pflegesystem zusammenbrechen. Und so ist es nicht nur gut für die Erkrankten, sondern auch für den Staat, dass zwei Drittel der Betroffenen zu Hause gepflegt werden. Die Belastung für die Angehörigen aber ist ungeheuer hoch…
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Die 75jährige Hildegard Staudler lebt bei Tochter und Schwiegersohn.
Setz Dich mal richtig hin! So!
Vor neun Jahren hat Karin Dersin ihre Mutter zu sich geholt.
Möchtest Du den Film gucken oder wat anderes?
Damals hatte die Handelskauffrau ihre Arbeit verloren. Seitdem ist sie für ihre Mutter da. Denn die alte Dame ist krank, demenzkrank. Ihre Betreuung und Pflege – ein Vollzeitjob.
Karin Dersin
Also meine Mutti braucht Hilfe eigentlich rund um die Uhr. Sie kann alleine gar nichts mehr. Jeder Schritt von ihr muss mit mir zusammen gemacht werden.
Durchwachte Nächte und oft ein zermürbender Alltag. Mal jammert die Mutter ohne Pause, dann ist sie plötzlich aggressiv.
Karin Dersin
Ich hab schon mal daran gedacht, sie ins Heim zu geben. Wo sie zu mir frech war, da hab ich so gedacht, das muss ich mir nicht antun. Also ich geb sie ins Heim, ne.
Die große Gefahr - bei der Pflege kommen viele Angehörige immer wieder an ihre Grenzen:
Juliane Wolgast, Sozialarbeiterin, Diakonisches Werk im Kirchenkreis Uckermark
Es ist oft so, dass die oft so lange aushalten und denken, sie müssen einzig und allein und wirklich 24 Stunden am Tag den Betroffenen betreuen.
Und irgendwann können die dann auch nicht mehr. Dann ist irgendwann körperlich und psychisch eine Grenze erreicht, wo die Kräfte streiken und sie von heute auf morgen selbst ins Krankenhaus müssen.
Oder auch schon Gewaltsituationen zuhause einfach eingetreten sind.
Auch Karin Dersin erlebt immer wieder Situationen, wo es ihr schwer fällt, ruhig und gelassen zu bleiben. Anfangs pflegte sie ihre Mutter allein, kam an den Rand ihrer Kräfte.
Auf der Suche nach Entlastung fand sie schließlich ein Betreuungsangebot der Diakonie in Angermünde.
Seither wird die Seniorin jeden Dienstag für ein paar Stunden abgeholt. Ein freier Nachmittag für Karin Dersin und Zeit für sich selbst, die sie zum Schöpfen neuer Kraft unbedingt braucht.
Ihre Mutter ist in dieser Zeit gut umsorgt – von geschulten ehrenamtlichen Kräften. Durch deren Einsatz haben auch die Demenzkranken eine Abwechslung in ihrem Alltag.
Gemeinsam wird Kaffee getrunken, gesungen, erzählt. Und so weit wie möglich werden noch vorhandene Fähigkeiten gefördert. Hildegard Staudler trocknet zum Beispiel ab, jedes Mal. Zuhause - bei ihrer Tochter - macht sie das schon lange nicht mehr.
Zur selben Zeit auf einem Spielplatz am Angermünder See.
Karin Dersin hat ihren jüngsten Enkel, den kleinen Ben, endlich einmal ganz für sich.
Karin Dersin
Wenn ick jetzt die Diakonie und die Tagespflege nicht hätte, könnte ich ihn höchstens mal am Wochenende nehmen, ne. Aber denn wäre Mutti wieder dabei, und das ist doch anders, ne. wenn man zwei Stunden oder drei Stunden für den Enkel hat. Ne?
Darüber hinaus besucht Karin Dersin auch eine Gesprächsrunde. Dort können die pflegenden Angehörigen auch mal klagen und Luft ablassen, bevor zuhause ein Unglück passiert.
Juliane Wolgast, Sozialarbeiterin, Diakonisches Werk im Kirchenkreis Uckermark
Da merkt man schon an den Gesprächen, dass die Leute oft sehr aufgebracht sind, wenn sie berichten und schon auch selbst ein Stück Angst davor haben, dass sie nicht mehr können und irgendwann nicht mehr adäquat reagieren.
Gut vier Stunden später – der freie Nachmittag für Karin Dersin ist nun schon wieder vorbei.
Karin Dersin
Eigentlich soll es ihr jetzt noch ganz gut gehen. Ick meine, im Heim würde es ihr vielleicht auch gut gehen, aber so lange ick det jetzt noch machen kann, ändert sich daran nichts.
Karin Dersin weiß, dass sie das nur schaffen kann, wenn sie sich selbst entlastet.
Neuerdings hat Karin Dersin für ihre Mutter auch einen Platz in einer Tagespflege. Mit all dieser Hilfe kann sie so vielleicht noch lange an der Seite ihrer Mutter bleiben.
Beitrag von Christiane Hög
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
http://www.rbb-online.de/himmelunderde/archiv/himmel_und_erde_vom/hilfe_fuer_pflegende.html