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Himmel und Erde
Himmel und Erde

Sa 07.01.12 18:02

Mit dem Wärmebus gegen die Kälte

Etwa 10.000 Obdachlose leben in Berlin. Damit sie nicht erfrieren, sind Nacht für Nacht Menschen unterwegs, die die Obdachlosen mit warmen Getränken und Decken versorgen, mit ihnen sprechen oder sie auf eigenen Wunsch in Notunterkünfte begleiten.

Für Menschen ohne festen Wohnsitz ist die Winterzeit besonders hart. Um ihnen zu helfen, fahren jede Nacht drei Busse durch Berlin – zwei von der Stadtmission und einer vom Deutschen Roten Kreuz.
HIMMEL und ERDE hat eine angehende Sozialarbeiterin und einen Sanitäter bei ihrem nächtlichen Einsatz begleitet.

Ihr Dienst beginnt, wenn andere nach Hause kommen. Hartmut Engel und Peggy Köbbel steht eine lange ungemütliche Nacht bevor – noch schneit es nicht, aber das Thermometer zeigt Null Grad an.

Hartmut Engel
So, los geht’s – die Nacht hat uns wieder.

Der Wärmebus vom Roten Kreuz fährt zu den Obdachlosen der Stadt – jede Nacht im Winter. 20 ehrenamtlich tätige Sanitäter und vier Sozialarbeiter teilen sich den Job.
Sanitäter Hartmut Engel ist seit 46 Jahren beim DRK – Peggy Köbbel studiert Sozialarbeit – es ist ihr erster Winter bei der Kältehilfe.

Peggy Köbbel
Handschuhe haste och?
Reinhard
Joah, bin warm einjepackt.
Peggy Köbbel
Schmeckt dir vielleicht’n Tee, willst’n Tee haben? - Na, das is doch ’n Wort.

Reinhard lebt seit 28 Jahren auf der Straße. Die Bushaltestelle ist sein Zuhause. Hier wird er wenigstens nicht nass. In eine Notunterkunft will er nicht. Aber es tut ihm gut, wenn sich jemand um ihn kümmert.

Peggy Köbbel
Siehst ja gar nichts, so. Hallo.
Reinhard
Ich hänge Tatsache inne Seile, die haben mir den Ausweis geklaut und nu komm ich an meine Rente nicht ran.
Peggy Köbbel
Kennst du den 'Warmen Otto'?
Reinhard
Den 'Warmen Otto' kenn ick.
Peggy Köbbel
Das is so ’ne Tagesstätte, die haben so’n Deal mit ’nem Optiker, der Fotos für Pässe macht, da muss man nichts bezahlen.

Peggy Köbbel will nicht nur heißen Tee verteilen – manchmal sind Gespräche viel wichtiger.

Peggy Köbbel
Mach’et jut, bis zum nächsten Mal.
Reinhard
Und der liebe Gott schütz euch.
Peggy
Dich auch, bis bald, ja…

Peggy Köbbel
Wir dokumentieren das jetzt, auch für die Statistik dann am Ende von der Kältehilfe, fürs nächste Jahr, damit man dann einfach weiß.

Hartmut Engel
Und auch, damit man dem Spender sagen kann, wir haben was getan.

Peggy Köbbel
Genau, einfach ne Bedarfsermittlung.

In den U-Bahnhöfen treffen sie die meisten Hilfebedürftigen an.
Die Zahl der Obdachlosen schätzt das DRK auf bis zu 10.000 – Tendenz steigend.
Einige bringen sie in Unterkünfte. Etwa 400 Plätze gibt es pro Nacht – einen für jeden Fünfundzwanzigsten.

Wo geht’s jetzt hin?
Peggy Köbbel
In die Johanniterstraße – in die Notübernachtung.

Die Einrichtung wird von der Stadtmission betrieben.

Peggy Köbbel
Ja, hier is’ der Wärmebus, wir haben hier ’n jungen Mann. Können wir euch den vorbei bringen? Ja, dann geben wir dem ’nen Bundeswehrschlafsack. Ja, er spricht deutsch.

Viele Obdachlose kommen inzwischen aus Osteuropa. Dieser junge Mann ist Pole. Er sagt, er habe einen technischen Beruf, finde aber keinen Job. Ein Gestrandeter.

Peggy Köbbel
Dann kommen Sie mal mit. Bis bald ja, und alles Gute.

Peggy Köbbel
Das ist auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein, was wir hier machen, weil das ist eigentlich ’n ganz anderes Problem, was dahinter steckt.
Ich freu mich eher, dass man jemanden her gebracht hab oder in die Lehrter Straße, der dann nicht erfriert oder überfallen wird, Obdachlose werden ja auch gern mal überfallen von Jugendlichen, dass ist eher das, was mich froh macht.

Peggy Köbbel
Habt ihr so denn Jacken? Du hast ja gar keine Jacke an.

Auch gespendete Jacken, Socken und Schals verteilen die Helfer unter den Bedürftigen. Diese beiden sind seit zwei Jahren ohne festen Wohnsitz.
Peggy Köbbel hat Futter für den Hund der Obdachlosen dabei. Sie leben vom Betteln und vom Verkauf der Obdachlosenzeitung „Motz“. In einem leer stehenden Haus übernachten sie.

Obdachlose
Er hat ’n Bundeswehrschlafsack, ich hab so’n dünnen Schlafsack und ’n dicken drüber und hab trotzdem die Nacht tierisch gefroren, deswegen bin ich auch froh, dass es die Kältehilfe gibt.

Peggy Köbbel
Es ist einfach nur an der Oberfläche zu kratzen. Es ist einfach nicht schön, die Leute da draußen zu sehen, denen es so schlecht geht in unserer Wohlstandsgesellschaft.

Hartmut Engel
Man müsste den einen oder anderen sehr intensiv betreuen, Vertrauen aufbauen, um die Kernprobleme, die er hat, lösen zu können. Aber das ist so nicht unsere Aufgabe, das können wir so nicht leisten, nicht in einer Nacht und nicht in einem Winter.

Aber immerhin können sie helfen, Menschen vor dem Erfrieren zu bewahren.


Beitrag von Ulrike Steinbach

Dieser Text gibt den Sachstand vom 07.01.2012 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

Wärmebus des DRK

täglich vom 01.11.11 bis 28.02.12
von 18:00 - 24:00 Uhr

Tel.: 030 / 850 052 50
Mobil: 0170 910 00 42
E-mail:
fuchsh@drk-berlin.de

Kältebus der Stadtmission

Tel. mobil: 0178-523 58 38

Kältenotübernachtung im Zentrum am Hauptbahnhof

Lehrter Straße 68
Tel.: 030 - 690 33 520

Infos im WWW

Berliner Kältebus

Mehr Informationen

www.berliner-stadtmission.de

Kältehilfe der Berliner Stadtmission

Mehr Informationen

www.berliner-stadtmission.de

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