Der Blick aus einer Zelle des neuen Gefängnisses Heidering (Bild: dpa)

- Lichtjugend – muslimische Seelsorge für Straftäter

Sie sind Betreuer, Helfer, Krisenmanager, ein „Zusammenschluss von jungen, dynamischen, muslimischen Akademikern“, der Jugendlichen mit Migrationshintergrund Perspektiven und Werte vermitteln will.

Chalid Durmosch
Also im Christentum gibt es ja auch diesen karitativen Ansatz, dass man also Menschen hilft aus dem Glauben heraus und dasselbe gibt es auch im Islam, das heißt, es ist also ein Gottes-Dienst, den ich versehe.
Und ich erhoffe mir auch irgendwie die Zufriedenheit von Gott. Er hat mir in meinem Leben geholfen und ich denke, wenn ich anderen Menschen Gutes tue, ich helfe den Jugendlichen, die sich erreichen lassen, wieder den richtigen Weg zu finden.
Damit meine ich den Weg in die Gesellschaft zurück, aber mit einem etwas aufgelebten und gefüllten Glauben heraus.


Chalid Durmosch ist 36 Jahre alt, hat eine deutsche Mutter und einen syrischen Vater.
Chalid ist Berliner und Moslem.
Er begleitet ehrenamtlich muslimische Jugendliche, die straffällig geworden sind – hilft ihnen zurück in die Gesellschaft. So wie Yehya, Benjamin und Abed. Sie haben teilweise einige Jahre im Gefängnis gesessen - meist wegen Körperverletzung.

Chalid Durmosch
Den Jugendlichen geht’s ganz oft um ein Selbstwertgefühl, was ihnen nicht oder nur schwer gegeben wird. Sie finden es entweder durch Arbeit - haben sie nicht. Eltern - im Stich gelassen. Die Gesellschaft - kehrt sich gerade von einem ab weil man ja Mist gebaut hat.

Aber wenn man sich sagt, ich bin dennoch wichtig, einer hat mich nicht aufgegeben, das ist eben Gott. Ich bin was wert, dann hat man wieder einen Zugang über diese Wertschätzung auch wieder Mut zu fassen und zu gucken, was kann ich noch aus dem Rest Möglichkeit, die ich habe, machen.


Chalid hilft, den muslimischen Glauben nicht nur durch Ge- und Verbote zu definieren, sondern mit Werten und Bedeutung zu füllen. Durch seine Antworten verändert er die Sicht der Jugendlichen – auf die Religion und die Gesellschaft.

Yehya El - A.

Sind wir wirklich alle hier willkommen?

Chalid
Also wenn Du mich jetzt fragst, was eine Perspektive sein kann, die Dir der Islam gibt, damit Du Dich auch in Deutschland und der Gesellschaft hier wieder willkommen fühlen kannst – ich glaube, das Bild was der Islam vermittelt von einem Gasthaus ist ganz wichtig:
Die Welt ist ein Gasthaus und alle Menschen sind Gäste und es spielt überhaupt gar keine Rolle, ob jemand gläubig ist - aus meiner Perspektive, weil er ist ja auch ein Gast. Aus meiner Sicht ist er ja auch erschaffen worden.
Das heißt aber, alles um mich herum ist auch erschaffen worden. Und es ist wertvoller, als es vielleicht vorher gewesen ist – auf den zweiten Blick.


Die langjährigen Gespräche mit Yehya, Benjamin und Abed haben sie gestärkt.
Yehya macht inzwischen eine Ausbildung zum Sozialarbeiter. - Und er sucht Schuhe für ein Vorstellungsgespräch. Benjamin ist gelernter Handwerker.
Das Gefühl nicht dazu zu gehören - einhergehend mit einem Respektverlust vor der Gesellschaft - führte dazu, dass beide abrutschten.

Yehya El - A.
Man findet einen Zufluchtsort in der Kriminalität, und fühlt sich dann irgendwann nirgendwo mehr zugehörig.
Der Islam, durch Chalid und seine Kollegen, durch die Lichtjugend haben die uns wieder einen Platz gegeben, uns einen Sinn gegeben in der Gesellschaft, ein Zugehörigkeitsgefühl. Das hat uns gestärkt und wenn man irgendwo dazu gehört, hat man automatisch auch Pflichten.


Benjamin W.
Es gibt ja auch Ge- und Verbote im Glauben wie im Gesetz. Wenn man es genau sieht, sind die eigentlich übereinstimmend:
Man soll nicht stehlen, man soll anderen kein Leid zufügen, man soll ehrlich und aufrichtig sein.
Und wenn man den Draht zum Glauben gefunden hat, dann wird einem das alles deutlich und man ändert sich freiwillig. Und das ist einfach wunderschön, ich kann das schwer beschreiben, das ist super!


Für Chalid Durmosch geben Werdegänge wie die von Yehya und Benjamin Hoffnung. Das motiviert ihn, wenn er muslimische Straftäter im Gefängnis besucht, um ihnen Wege zurück in die Gesellschaft zu ebnen.

Chalid Durmosch
Die Jugendlichen suchen Sinn, sie suchen nach Trost. Sie suchen nach Hoffnung und Vergebung. Und über diese Dinge reden wir natürlich auch.
Dass wir sagen: Du hast jetzt Mist gebaut, Du bist im Gefängnis gelandet, aber es gibt keinen Zufall. Auch Gott hat dazu geführt, dass Du jetzt hier gelandet bist, nicht der böse Richter, oder der böse Polizist, der Dich erwischt hat oder wie auch immer – sondern, wenn Du diese Strafe annimmst, und es bereust, dann kann es auch sein, dass Gott vergibt und die tilgt.


Chalids Ziel: Den Islam, seine Gläubigen und die Gesellschaft näher zusammen bringen.

Chalid Durmosch
Das ist mir ein Herzenswunsch. Ich zeige Gott, dass ich in meinem Leben was Sinnvolles mache, aber auch den Mitmenschen, die um mich herum sehr viel Negatives zum Islam nur wissen.
Und wenn sie mich und meine Arbeit kennenlernen, dann ändert sich zum Teil das Bild und das ist mir sehr viel Wert.


Und deshalb trägt er seine Botschaft täglich an die Berliner weiter, die sie hören möchten.


Beitrag von Simone Brannahl