Ein Glockenspiel (Bild: dpa)

- Neue Töne für das alte Berlin

Siebzig Jahre nach der Zerstörung soll nun die Parochialkirche in Berlin-Mitte ihren Turm zurückbekommen. Und auch das einst berühmte Glockenspiel wird – neu gegossen – wieder seinen Platz im Turm finden.

Nicht weit von der Ruine der Klosterkirche im historischen Zentrum Berlins steht die Parochialkirche. Sie wurde 1703 für die reformierte Gemeinde eingeweiht.
Seit dem Krieg fehlt der Turm. Bis 1944 galt der Turm als einer der schönsten Berlins. Im Volksmund hieß der Bau Singuhrkirche, denn in ihrem Turm befand sich das von König Friedrich-Wilhelm I. gestiftete Glockenspiel.

Einen Tag bevor die Kirche zerstört wurde, hat der Glockenspieler Rosendahl bei einem Fronturlaub noch auf dem Instrument gespielt.
Dann zerstörte ein Luftangriff die Turmspitze, die Kirche brannte völlig aus. In den 90er Jahren wurde das Äußere der Kirche wieder hergestellt.
Nun will der Verein ‚Denk mal an Berlin’ den Kirchturm wieder aufbauen und auch das Glockenspiel neu gießen lassen. In einem Holzmodell des künftigen Turms befindet sich eine Miniatur des Instruments

Elisabeth Ziemer, Verein „Denk mal an Berlin“
Wir haben Gott sei Dank noch zwei Glocken aus dem historischen Glockenspiel, die sind untersucht worden, welche Töne die von sich geben, so dass man von denen schließen kann, welche Farbe hatte dieses Glockenspiel insgesamt.

Der Verein „Denk mal an Berlin“ setzt neben Lottomitteln auch auf private Spender.
Sie können allein und zusammen mit anderen eine Glocke in einer bestimmten Tonhöhe spenden und ihren Namen eingravieren lassen.
37 Glocken hatte das alte Musikinstrument. Nun sollen es sogar 51 werden, damit eine größerer Tonumfang erreicht wird. - Zur Freude künftiger Glockenisten und ihrer Zuhörer, die dann das alte Zentrum Berlins in doppelter Hinsicht neu wahrnehmen können.

Elisabeth Ziemer, Verein „Denk mal an Berlin“
Zu dem Sichtbaren gehört ein anderer Sinn und das ist das Gehör. Und eine Kirche und ein Turm, der Choräle von sich gibt, hat eine andere Qualität als ein Turm, von dem mal eine Stundenglocke tönt. Aber hier wieder mal Musik zu hören, das wird eine besondere Attraktion und der historischen Mitte Berlins Gehör verschaffen.

In dieser Computer-Animation ist zumindest optisch der neue Glanz schon einmal zu erahnen.


Beitrag von Margarethe Steinhausen


Literaturempfehlungen

Christian Hammer, Peter Teicher: Die Parochialkirche zu Berlin. Deutscher Kunstverlag, Berlin, München 2009, ISBN 978-3-422-02199-0.

Benno Klink (Bearb.): Geschichte der Parochialkirche zu Berlin. Gemeindekirchenrat der Evangelischen Georgen-Parochialgemeinde Berlin, Berlin 1992.

Hans-Jürgen Wende, Kurt Wernicke: Berliner Bezirkslexikon – Mitte. Edition Luisenstadt, Berlin 2001, ISBN 3-89542-111-1.