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Vor vierzehn Jahren wurde der Krieg im Kosovo beendet. Aber noch heute sind für die Kinder dort Schulutensilien wie Bleistifte, Malblöcke, Hefte nicht selbstverständlich. Eine junge Kosovarin, die in Berlin lebt, sammelt daher in ihrer neuen Heimat und bringt ihre Schätze in die alte.
März 2013. Arta Quni ist auf dem Weg in den Kosovo. Sie kommt nun schon zum zweiten Mal in ihre Heimat zurück. In ihrem Gepäck hat sie wieder Stifte und Malsachen für bedürftige Kinder und Jugendliche.
Als 16-Jährige überlebte sie hier im Kosovo mit ihrer albanischen Familie den Krieg. Jahre später wanderte die studierte Englischlehrerin nach Deutschland aus, weil sie in ihrem Land keine Zukunft mehr sah. Seit Ende des Krieges herrschen in ihrem Heimatland Arbeitslosigkeit und Armut.
Die Reise führt sie zunächst in ihre Heimatstadt Prizren im Süden des Kosovo. Auch 14 Jahre nach Ende des Krieges sind die Zerstörungen immer noch zu sehen.
Die Idee für das Hilfsprojekt kam von den Kindern der Freizeiteinrichtung, in der Arta in Berlin arbeitet. Alles begann mit einer schwierigen Frage.
Arta Quni
Na, Arta? Wer hat den Krieg denn gewonnen? Da habe ich gesagt: Keiner. So einen Krieg gewinnt ja auch gar keiner. Und dann wollten die anderen Kinder auch noch mal mehr wissen über das Kosovo.
Sie erzählte von der noch immer sehr schwierigen Situation in ihrer Heimat und der Armut ihrer Landsleute. Die Kinder wollten helfen.
Arta Quni
Eines von denen hatte einfach so die Federtasche raus genommen aus der Tasche und mir gegeben. Ein anderes Kind hat die Filzstifte raus genommen. „Ja das kannst Du einem anderen Kind schicken." Da habe ich gesagt: „Ja okay, dann lasst uns mal ein Projekt machen.“
Mit ihrem Koffer voller Spenden ist sie auf dem Weg in die Berge von Prizren. Wie schon im Dezember.
Arta Quni
Dann ging's los! Ich war so motiviert. Das will ich ja unbedingt machen. Und dann habe ich das ins Internet gestellt.
Schnell kamen Spenden aus ganz Europa. Vor allem Bücher, Hefte, Stifte, Farben. Die Organisation des Projekts nahm langsam immer mehr Zeit in Anspruch.
Arta Quni
Da gab's ja auch Zeiten, wo ich gesagt habe,’ ne jetzt kann ich nicht mehr’, aber alle Freunde von mir, die haben mich sehr moralisch unterstützt. „Arta mach weiter, mach weiter, das ist für einen guten Zweck“. Und natürlich das Lächeln dann der Kinder, was ich immer im Kopf hatte, das hat mich sehr motiviert.
Im letzten Winter flog Arta Quni dann zum ersten Mal mit Spenden in den Kosovo. Die Begegnung mit den Kindern berührte die junge Frau sehr.
Arta Quni
Die Kinder hier waren so traurig. Da konnte man spüren, dass die sehr traurig sind und dass die nicht so ein schönes Leben haben.
Ich habe gedacht, die werden springen und tanzen, aber das haben die nicht gemacht. Das hat mich noch trauriger gemacht. Die haben sich nicht getraut, sich zu freuen.
Heute möchte sie die Kinder wiedersehen. Mit ihrem prall gefüllten Koffer geht es in ein weit abgelegenes und bitterarmes Bergdorf.
Arta Quni
Wir fahren jetzt nach Kushnin. Da ist eine Schule, wo ich letzten Dezember hier war und hab die Schulmaterialien an die Kinder verteilt.
Und da war auch ein Mädchen, das Malerin werden möchte, und die hat auch ein Bild von mir gemalt und ich will sie auch treffen und mal schauen, was sie da Schönes noch gemalt hat.
Wie die meisten Dörfer im Kosovo wurde auch Kushnin nicht von den Gräueln des Krieges verschont. Viele Männer wurden getötet oder verschleppt, viele Familien leben in extremer Armut.
Gespräch Arta Quni - Kinder
Kannst du uns fotografieren? - Haben wir schon gemacht! ...
Wie geht's? - Gut. - Und dir? - Danke gut!
Gespräch Arta Quni – Schuldirektor
Es tut mir leid, dass ich so spät komme, aber ich hatte so schweres Gepäck!
Der Direktor der Schule hat sich Gedanken darüber gemacht, wer die Schreib- und Malutensilien am nötigsten braucht.
Jakup Qollaku, Schuldirektor
Wir haben Kinder ausgesucht, die staatliche Sozialhilfe erhalten. Manche der Kinder sind Waisen.
Die Sozialhilfe im Kosovo beträgt 50 Euro im Monat. Für Kinder bis zum 5. Lebensjahr gibt es zusätzlich 5 Euro Kindergeld.
Dabei sind die Lebenshaltungskosten ähnlich hoch wie in Deutschland.
Arta Quni
Die ganzen elementaren Bedürfnisse, was ein Kind braucht, die haben das nicht. Die haben nur Essen und Dach. Mehr nicht.
Viele der Kinder hier sind Waisen. Das Geld der Familien reicht oft nicht mal für Schulhefte und schon gar nicht für Buntstifte und Zeichenblöcke.
Der Vater von Valmira wurde erschossen als sie noch ein Baby war.
Ihr Traum von der Zukunft: Die Ausbildung an einer Kunsthochschule.
Gespräch Arta – Valmira
Hast du das mit meinem Block gemalt? - Ja, das habe ich für dich gemalt!
Arta Quni
Das Ganze, was sie erlebt hat, das ist schon ein Weg für sie, dass sie das alles nochmal verarbeitet.
Valmira Temaj
Die Bilder sind alle für dich!
Arta Quni
Und ich hoffe und ich wünsche ihr, dass sie in der Zukunft eine ganz große, Künstlerin, Malerin werden wird.
Beitrag von Marian Piper und Cetin Tutak

