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Einmal im Monat treffen sich Menschen mit und ohne Handicap um gemeinsam zu feiern, zu tanzen, Spaß zu haben – inklusiv und barrierefrei. Ihr Treffpunkt ist die „Traumdisco“ in Neu-Westend. Laura und Marcel haben sich hier kennengelernt…
Laura und Marcel feiern ihre Liebe. Die zwei Berliner sind seit knapp einem Jahr ein Paar.
In ihrem Lieblings-Club, der "Traumdisco", ist jeder willkommen, ob mit oder ohne Handicap. Laura und Marcel haben sich hier gefunden.
Laura
Na ich hab rüber geguckt, also wir haben beide so rüber geguckt, so. Ich hab erstmal gefragt, wie er heißt, und dann haben wir später die Nummern ausgetauscht und dann haben wir uns kennengelernt.
Bevor es in die Traumdisco geht, stimmt Laura sich mit guter Musik auf den Abend ein. Die 20-Jährige erinnert sich noch ganz genau an das Gefühl des frisch Verliebtseins.
Laura
Weißt Du, woran ich das immer merke? Das geht dann Stunden und auch in der Nacht habe ich das, ähm, tszzzs. Das sind glaube ich Schmetterlinge, oder irgendwas Bestimmtes.
Laura hat frühkindlichen Autismus, also ein etwas anderes Sozialverhalten und eine etwas andere Art der Kommunikation. Doch das Gefühl jemanden toll zu finden, erlebt sie genauso wie jeder andere.
Laura
Also, sein Lächeln gefällt mir. So charaktermäßig, so was. Meine Eltern sagen immer: "Sei doch mal Gentleman".
Ein Gentleman für ihre Tochter, das freut jedes Elternherz. Für Marcel will Laura heute natürlich besonders hübsch sein.
Gespräch Mutter - Tochter
Mutter: Wann wollte denn Marcel hier sein?
Laura: 16.30 Uhr.
Mutter: Na, dann könnt Ihr ja auch beide laufen zur Disco.
Laura: Ja.
Kurz vor halb Fünf, Marcel ist auf die Minute pünktlich.
Der 18-Jährige hat seit seiner Geburt eine leichte Lernbehinderung.
Gespräch Laura - Marcel
Marcel: Hallo Laura. Wie geht’s Dir?
Laura: Gut.
Marcel: Sagen wir mal so, es ist zwar anstrengend, aber sagen wir mal…
Laura: Ja, weil ich bestimmt wieder auf Zehenspitzen tanze, oder so.
Marcel: Ja, Du kennst ja meine Schritte schon, also meine Schritte sind ja auch nicht gerade so besonders.
Um so besser, dass Laura vor einem Jahr den ersten Schritt gemacht hat! Das kam Marcel sehr gelegen.
Marcel
Da war ich noch ein bisschen schüchtern, ein bisschen ängstlich, bisschen zurückhaltend. Aber danach hat sie mir alles... - ist dann zu mir gekommen, alles wunderbar – fand ich auch gut. Es hat ein bisschen gefunkt, es hat ein bisschen auch geknistert und dann kamen wir immer mehr zusammen.
In der evangelischen Gemeinde Neu-Westend in Charlottenburg hat sich also das erste Paar der Traumdisco gefunden. Rund 70 Gäste feiern hier einmal im Monat miteinander.
Die Initiatorin Susanne Voß und ihr Partner haben beide ein Kind mit einer Behinderung – deshalb haben sie das inklusive Event gegründet. Menschen mit Handicap sollen mehr in den Alltag integriert werden - dazu gehört auch das Feiern.
Susanne Voß, Initiatorin "Traumdisco"
Für uns ist es wichtig, dass die Jugendlichen ohne Behinderung lernen mit Menschen mit Behinderung umzugehen. Weil wir finden, also alle – das ganze Traumdisco-Team – dass die nichtbehinderten Jugendlichen in unserer Stadt viel mehr auf die wesentlichen Werte aufmerksam gemacht werden sollten.
Merit und Vivi sind solche Jugendliche. Die beiden Mädchen engagieren sich hier seit einigen Monaten ehrenamtlich.
Merit
Ich find’s gut, dass es das gibt, weil ich finde auch, behinderte Menschen haben das Recht zu feiern. Weil - wenn sie jetzt in andere Discos gehen, dann werden die immer doof angeguckt und das finde ich nicht gut.
Bei der "Traumdisco" schaut niemand abwertend auf andere. Laura und Marcel lieben es, in dieser entspannten Atmosphäre stundenlang miteinander zu tanzen - bis irgendwann das Licht ausgeht.
Marcel
Die Stimmung ist sehr gut hier, darum sind auch so viele Leute hier. Es lockt ja immer mehr an hier und das finde ich einfach super, dass ein bisschen mehr da sind.
Ein schöner Abend für viele Partyfreunde. So werden Laura und Marcel vielleicht nicht das einzige Traumpaar der Traumdisco bleiben.
Beitrag von Simone Brannahl


