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Nicht nach Spanien auf den ziemlich überlaufenen Jacobsweg haben sich fünf junge Frauen begeben, vielmehr wollen sie durch Brandenburg pilgern: Auf der nördlichen Route von Strausberg über die Madlitzer Mühle bis nach Sieversdorf, wo sie eine Pilgerherberge erwartet.
Jeden Augenblick festhalten. Für die Partner, die Kinder, für sich selbst. Wer weiß, wann sie wieder einmal so intensiv zueinander kommen.
Ihre Füße sind diese Strecken nicht gewohnt, aber sie tragen sie, jeden Tag ein langes Stück.
Zuerst wollten wir eigentlich ein Wellness-Wochenende machen und dann driftete das immer mehr in Arbeit ab. Und es ist genauso so, wie wir uns das vorgestellt haben. Wir sind eigentlich nur am schnattern, also nicht so ganz pilgergerecht.
Fünf Frauen aus Bergfelde vom nördlichen Stadtrand Berlins. Sie kennen sich seit vielen Jahren gut. Doch nie ist genug Zeit, sich ausgiebig auszutauschen.
Jetzt nehmen sie sich die Zeit.
Sechs Kilometer, das schaffen wir noch.
Die Gruppe startet in Strausberg auf der nördlichen Brandenburger Route. Die Länge der Strecke legen sie jeden Tag neu fest. Das klappt auch meistens.
Wir haben uns ein bisschen verrechnet, ich gebe es zu. Ich bin schuld. Es waren jeden Tag 30 Kilometer. 20 oder 25 hatten wir uns eigentlich vorgenommen.
Wie bei vielen Pilgern steckt auch bei diesen Frauen kein christlicher Gedanke hinter der Wanderung.
Aber sie werden angeregt, einfach mal in sich hinein zu horchen, ihren Gedanken freien Lauf zu lassen oder manches auch mal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.
Es erdet, wie sie sagen.
...Mit wenig zufrieden zu sein. Wir genießen das total. Einfach dieses Rapsfeld, der Wald, die Vögel, die Natur. Kein Handy...
Wir haben uns ganz viel zu essen mitgenommen, haben einen Kocher mitgenommen. Was auch schön war, der Aufenthalt in der Jugendherberge. Das war so ein bisschen wie Ferienlager.
Noch zwei Kilometer bis zur letzten Herberge ihrer Route. Jetzt freuen sie sich auf ein „bisschen Luxus“.
Eigentlich auf `ne heiße Dusche auf jeden Fall und ein schönes Abendbrot. Und ein schönes Bett… und ein kühles Pilgerbier.
Ihr Wunsch wird in Erfüllung gehen - bei Silvia Scheffler in der Pilgerherberge Sieversdorf.
Herzlich Willkommen. Ich hab schon die Suppe warm gestellt. - Ist das schön, bei Ihnen.
Endlich gibt es das heiß ersehnte Pilgerbier.
Prost. Vielen Dank, dass wir hier sein durften, dass du das organisiert hast.
Es gibt selbst gemachte Kartoffelsuppe mit frischem Brot und Kräuterbutter. Selten wussten die Frauen ein Abendessen so sehr zu schätzen. Anders als viele Touristen.
Der Tourist fordert, der Pilger dankt. So ist das!
Vor neun Jahren machte sich Silvia Scheffler, Mutter von vier Kindern, selbst auf den Weg. Sie pilgerte in Spanien 900 Kilometer bis nach Santiago de Compostella.
Das war kurz vor ihrem 50. Geburtstag. Ein wichtiger Meilenstein.
Silvia Scheffler
Wenn man eine lange Pilgerfahrt macht, zum Beispiel nach Santiago, da erlebt man schon, dass viele Dinge durch das Gehen einfach losgelassen, abgelassen werden.
Beseelt von diesen Erfahrungen gibt sie sich - noch in Spanien - selbst ein Versprechen:
Silvia Scheffler
Wenn ich am Jakobsweg leben würde, würde ich `ne Pilgerherberge aufmachen.
So, nun kam ich nach Hause und zwei Jahre später hat die Uni die alten Jakobswege erforscht und naja, die führten an meiner Haustüre vorbei.
Und da musste ich mein biblisches Versprechen sozusagen wahr machen und hab’ gesagt, ich mach’ eine Pilgerherberge auf.
Die erste in Brandenburg.
Der Tag für die fünf Pilgerinnen ist noch längst nicht zu Ende, aber erstmal werden die Zimmer inspiziert. Eine kurze Verschnaufpause, dann geht’s in die benachbarte Kirche.
Denn bei Silvia Scheffler gehört gemeinsames Singen genauso zur Übernachtung wie der Pilgersegen.
Pilgersegen
Begegne uns mit deinem Erbarmen, und leuchte uns mit dem Licht deines Friedens auf allen unseren Wegen. Amen.
Und so wünsche ich euch einen guten Weg, Bon Camino, bleibt behütet, kommt wieder gut zu Hause an.
Die Ruhe noch mal genießen, bevor für jede der Pilgerinnen am nächsten Abend bei der Familie zu Hause wieder der Trubel beginnt.
Beitrag von Sybille Seitz


