- Dorfkirche im Paradiesgarten

Schon Fontane hat über sie geschrieben – die Dorfkirche am Stölpchensee. Bekannt wurde das für ein Dorf imposante Bauwerk vor allem durch sein im Berliner Raum einmaliges mechanisches Glockenspiel. Und nun gibt es auch noch einen Paradiesgarten dazu…

Zu jeder vollen Stunde klingt ein Choral über den Stölpchensee im Bezirk Wannsee. Das Glockenspiel der Kirche, die für eine Dorfkirche ungewöhnlich groß und repräsentativ ist.

Anneliese Swarzenski ist pensionierte Kunstlehrerin. Sie hat rund um die Kirche einen Paradiesgarten angelegt. Hier pflanzt sie Schöllkraut an.
Für andere Hobbygärtner gehört diese Pflanze zum lästigen Unkraut. Frau Swarzenski will im Kirchgarten an seine ursprüngliche Bedeutung erinnern.

Anneliese Swarzenski
Weil man mit diesem Kraut, mit dem Saft daraus, den grauen Star bekämpfte, da bekam es das Image, dass dieses Kraut alle Blindheit heilen könnte, wenn es neben Christus stand, bedeutet es, dass er unser Arzt ist, er heilt eure geistliche Blindheit.

Ein Gemälde im Frankfurter Städl-Museum ist das Vorbild des Paradiesgartens. Im Mittelalter stellte man sich den himmlischen Garten mit schlichten einheimischen Pflanzen vor.

Die heilige Zahl Drei fällt bei dieser Pflanze auf. Sie gilt als Symbol für die Dreifaltigkeit Gottes. Anneliese Swarzenski bemüht sich, dass alle 23 verschiedenen Pflanzen christlicher Symbolik hier wachsen.

Die Anemone steht gleichzeitig für Schönheit und Vergänglichkeit.

Anneliese Swarzenski
Man hat die Pflanzen, die hier sind, betrachtet und mit der biblischen Geschichte verglichen und versucht, die Heilsgeschichte in den Pflanzen wiederzufinden.

Ein geschulter Blick erkennt die Leidensgeschichte von Jesus Christus in der Passionsblume

Anneliese Swarzenski
Die gelben Teile sind die fünf Wunden, diese hier die drei Nägel, mit denen er gekreuzigt wurde, die Dornenkrone, die Geißeln, dieses Lanze mit dem ihn in die Seite gestochen wurde.

Farne gelten als Sinnbild für das Geheimnis der Schöpfung. Der Frauenmantel heißt eigentlich „Unserer lieben Frauen Nachtmantel“ und gilt als Zauberpflanze bei Frauenleiden.

Thymian soll die männlichen Kräfte stärken. Lavendel und Schafgarbe werden auch heute noch für Salben verwendet.

Das Gänsebraten-Gewürz Beifuß gilt als Mutter aller Kräuter.

Der süße Wein aus dem Garten wird in der Kirche am Stölpchensee beim Erntedank-Gottesdienst gereicht.
Wer sehr viel Glück hat, findet sogar im Herbst noch eine himmlische Köstlichkeit

Anneliese Swarzenski
Oh, das ist die Speise der Seeligen. Im Paradies werden Sie Erdbeeren essen dürfen.

Wo früher eine kleine Fachwerkkirche stand, ließ Friedrich Wilhelm IV. von seinem Oberbaurat August Stüler Mitte des 19.Jahrhunderts den romantischen Neubau errichten.

Die schmucklosen Wände konzentrieren den Blick auf Altar, Taufstein und Kanzel.
Das Innere der Kirche wirkt schlicht, streng, preußisch, klar gegliedert und auf einen Blick überschaubar.

Die klare Kreuzform des Grundrisses wird von hohen Rundbögen des Gewölbes aus Eichenholz überspannt.

Anneliese Swarzenski
Strenge Klarheit, ganz im reformierten Geist, eine Kirche, die in erster Linie für das Wort Gottes da ist, deshalb strenge hohe Kanzel, von dort wird das Wort Gottes verkündet, und eigentlich sind Bilder überhaupt nicht erwünscht.

Auch den Prospekt der Orgel hat August Stüler entworfen.

Das Highlight der Kirche am Stölpchensee befindet sich ganz oben – im Turm.

Das mechanische Glockenspiel wurde nach alten holländischen Vorbildern gebaut. Es ist das einzige erhaltene Stück dieser Art in Berlin.

Anneliese Swarzenski
Diese große Walze mit 8.640 Tonlöchern kann all diese Nasen aufnehmen, man kann verschiedenste Lieder stecken, morgens um 8 beginnt es mit dem Choral „Lobe den Herren.“

Der Glockenspielchor sendet stündliche Grüße hinüber ins benachbarte Potsdam – so wie es sich schon der König gewünscht hatte.


Beitrag von Margarethe Steinhausen