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Berge von Früchten bleiben auf Feldern liegen, werden untergepflügt oder wandern direkt in die Mülltonne. Ihre Form und Größe entsprechen nicht der Norm. - Zwei Berlinerinnen sind damit nicht einverstanden.
Es ist verschwunden - das „krumme“ Gemüse.
Statt in der „Frischetheke“ landet es im Müll.
Weil: „Krumm“ lässt sich schlecht verarbeiten und der Kunde liebt Gerades - sagt der Handel.
Das ist „Mist“ - sagen Lea Brumsack und ihre Kollegin und Geschäftspartnerin Tanja Krakowski.
Seit März 2012 machen sie mit fantasievollen Aktionen auf verschiedenen Wochenmärkten in Berlin auf den Missstand aufmerksam. Die beiden Designerinnen präsentieren „krummes“ Gemüse und zeigen so, dass gerade Krummes schön, inspirierend und lecker sein kann.
Darum verarbeiten sie es zu kulinarischen Leckereien, die auch noch gut aussehen. Hier entsteht gerade aus Radieschenblättern eine leckere Suppe, die dann gleich nebenan in der Markthalle verkauft wird.
(Lea Brumsack am Marktstand mit einem älteren Herrn)
Mann: ... Das sieht aus wie eine Hand ...
Lea Brumsack: Ja, genau.
Mann: ... ist die groß ... ja
Lea Brumsack: Eins, zwei, drei, vier fünf. Passt genau.
Mann: ... wo kriegen sie die Sachen her?
Lea Brumsack
Vom Vierfelderhof und da bekommen wir die Sachen her. Also zum Beispiel sind da die Radieschen aus dem Ofen. Hier. Die sind karamellisiert und ... Eigentlich wollen wir mit unserem Projekt auch so ein bisschen darauf hinweisen, dass nicht alles gerade wächst - so wie es im Supermarkt erscheint ...
Mann: ... ja - nach EU-Norm - sozusagen ...
Lea Brumsack: Ja, genau .
Doch nicht nur EU-Normen sind schuld an der ungeheuren Verschwendung, sondern eben auch der Handel und die Kunden, die in erster Linie „gerades“ Gemüse wollen.
Rund 17 Millionen Tonnen Gemüse und Kartoffeln wandern so allein in Deutschland jedes Jahr direkt in den Müll oder werden gleich wieder untergepflügt. - 17 Millionen Tonnen, die die beiden Frauen nicht so einfach hinnehmen wollen.
Deshalb machen sich Tanja Krakowski und Lea Brumsack regelmäßig auf den Weg zu „ihrem“ Bauern nach Gatow - zum Vierfelderhof, um wenigstens etwas von dem „krummen“ und liegengebliebenen Gemüse zu „retten“.
Auch dem Bauern Christian Heymann, der ökologisch anbaut, missfällt die Diktatur des Makellosen..
Christian Heymann
Alles, was normal ist und gerade ist, ist nicht krankhaft. Ja. Aber alles, was krumm ist, ist krank. Wenn man krumm ist, ist man krank. Das ist krank (zeigt einer verwachsene Kartoffel.) So etwas ist krank!
Bis zu 50 Prozent der Ernte wird aussortiert oder vernichtet. - Eine ethische und ökonomische Katastrophe - Die Food-Aktivistinnen kaufen dem Bauern das ab, was der normale Handel nicht will und machen daraus ihre„kulinarischen Sonderlinge“. So helfen sie dem Bauern, schaffen Bewusstsein gegen die Verschwendung und verdienen Geld.
(Lea Brummsack zeigt Tanja Krakowski eine Karotte.)
Lea Brumsack: Schau mal, Tanja! Die ist auch cool?
Tanja Krakowski: Schön. Ja!
Lea Brumsack: Vier Beine und ein Stein dazwischen ....
Tanja Krakowski: Das müsste man eigentlich sofort so einmachen.
Eigentlich sollte heute Öko-Markt auf dem Lausitzer Platz sein. Zwei Journalisten wollen eine Geschichte über die „Culinary Misfits“ machen. Für die beiden Jungunternehmerinnen ein wichtiger Pressetermin…- der ins Wasser zu fallen droht.
(Tanja Krakowski und Lea Brumsack im Regen unter der Plane eines Marktstandes)
Nach kurzer Beratung: Umzug in die nahe gelegene Markthalle 9 in der Eisenbahnstraße in Kreuzberg.
Andreas Meichsner fotografiert die beiden Designerinnen für die „Financial Times Deutschland“ - für ein Porträt der beiden Unternehmerinnen und ihr „Culinary Misfits“- Projekt. Das Presse-Echo ist wichtig, denn die beiden planen bereits etwas Größeres. Und dafür brauchen sie Öffentlichkeit.
Deshalb arbeiten sie auch an ihrem Auftritt im Internet. Sie aktualisieren regelmäßig die Facebook-Seite von „Culinary Misfits“ mit neuen Fotos und Informationen.
Die Facebook-Seite hat inzwischen über 1.200 Abonnenten - so genannte „Follower“. Das ist die Fangemeinde der „Misfits“, die sich hier regelmäßig über die Aktionen der beiden Frauen informiert und die sie unterstützt.
Für die Follower ist das krumme Gemüse inzwischen Kult. Die ungeheure Resonanz hat die beiden Frauen ermutigt, größer zu denken.
Über eine Plattform im Internet wollen sie jetzt Geld sammeln für einen eigenen Laden.
Lea Brumsack:
Es soll ja kein gewöhnliches Ladengeschäft werden, wo man reingeht und sagt: ,Hier, ich nehme ein Kilo Misfits und trinke meinen Kaffee.‘ Sondern es soll ja schon so sein, dass wir einen kulinarischen Raum entwickeln wollen, der auch zum Mitmachen animiert.
Dann können die Fans die ungewöhnlichen Rezepte für die „Gemüsesonderlinge“ nachkochen. Sie können sich zu Workshops treffen, längst ausgestorben geglaubte Gemüsesorten kennenlernen, Omas Rezepte neu entdecken und sich durch ungewöhnliche Formen weiter inspirieren lassen.
Beitrag von Matthias Zuber
Statt in der „Frischetheke“ landet es im Müll.
Weil: „Krumm“ lässt sich schlecht verarbeiten und der Kunde liebt Gerades - sagt der Handel.
Das ist „Mist“ - sagen Lea Brumsack und ihre Kollegin und Geschäftspartnerin Tanja Krakowski.
Seit März 2012 machen sie mit fantasievollen Aktionen auf verschiedenen Wochenmärkten in Berlin auf den Missstand aufmerksam. Die beiden Designerinnen präsentieren „krummes“ Gemüse und zeigen so, dass gerade Krummes schön, inspirierend und lecker sein kann.
Darum verarbeiten sie es zu kulinarischen Leckereien, die auch noch gut aussehen. Hier entsteht gerade aus Radieschenblättern eine leckere Suppe, die dann gleich nebenan in der Markthalle verkauft wird.
(Lea Brumsack am Marktstand mit einem älteren Herrn)
Mann: ... Das sieht aus wie eine Hand ...
Lea Brumsack: Ja, genau.
Mann: ... ist die groß ... ja
Lea Brumsack: Eins, zwei, drei, vier fünf. Passt genau.
Mann: ... wo kriegen sie die Sachen her?
Lea Brumsack
Vom Vierfelderhof und da bekommen wir die Sachen her. Also zum Beispiel sind da die Radieschen aus dem Ofen. Hier. Die sind karamellisiert und ... Eigentlich wollen wir mit unserem Projekt auch so ein bisschen darauf hinweisen, dass nicht alles gerade wächst - so wie es im Supermarkt erscheint ...
Mann: ... ja - nach EU-Norm - sozusagen ...
Lea Brumsack: Ja, genau .
Doch nicht nur EU-Normen sind schuld an der ungeheuren Verschwendung, sondern eben auch der Handel und die Kunden, die in erster Linie „gerades“ Gemüse wollen.
Rund 17 Millionen Tonnen Gemüse und Kartoffeln wandern so allein in Deutschland jedes Jahr direkt in den Müll oder werden gleich wieder untergepflügt. - 17 Millionen Tonnen, die die beiden Frauen nicht so einfach hinnehmen wollen.
Deshalb machen sich Tanja Krakowski und Lea Brumsack regelmäßig auf den Weg zu „ihrem“ Bauern nach Gatow - zum Vierfelderhof, um wenigstens etwas von dem „krummen“ und liegengebliebenen Gemüse zu „retten“.
Auch dem Bauern Christian Heymann, der ökologisch anbaut, missfällt die Diktatur des Makellosen..
Christian Heymann
Alles, was normal ist und gerade ist, ist nicht krankhaft. Ja. Aber alles, was krumm ist, ist krank. Wenn man krumm ist, ist man krank. Das ist krank (zeigt einer verwachsene Kartoffel.) So etwas ist krank!
Bis zu 50 Prozent der Ernte wird aussortiert oder vernichtet. - Eine ethische und ökonomische Katastrophe - Die Food-Aktivistinnen kaufen dem Bauern das ab, was der normale Handel nicht will und machen daraus ihre„kulinarischen Sonderlinge“. So helfen sie dem Bauern, schaffen Bewusstsein gegen die Verschwendung und verdienen Geld.
(Lea Brummsack zeigt Tanja Krakowski eine Karotte.)
Lea Brumsack: Schau mal, Tanja! Die ist auch cool?
Tanja Krakowski: Schön. Ja!
Lea Brumsack: Vier Beine und ein Stein dazwischen ....
Tanja Krakowski: Das müsste man eigentlich sofort so einmachen.
Eigentlich sollte heute Öko-Markt auf dem Lausitzer Platz sein. Zwei Journalisten wollen eine Geschichte über die „Culinary Misfits“ machen. Für die beiden Jungunternehmerinnen ein wichtiger Pressetermin…- der ins Wasser zu fallen droht.
(Tanja Krakowski und Lea Brumsack im Regen unter der Plane eines Marktstandes)
Nach kurzer Beratung: Umzug in die nahe gelegene Markthalle 9 in der Eisenbahnstraße in Kreuzberg.
Andreas Meichsner fotografiert die beiden Designerinnen für die „Financial Times Deutschland“ - für ein Porträt der beiden Unternehmerinnen und ihr „Culinary Misfits“- Projekt. Das Presse-Echo ist wichtig, denn die beiden planen bereits etwas Größeres. Und dafür brauchen sie Öffentlichkeit.
Deshalb arbeiten sie auch an ihrem Auftritt im Internet. Sie aktualisieren regelmäßig die Facebook-Seite von „Culinary Misfits“ mit neuen Fotos und Informationen.
Die Facebook-Seite hat inzwischen über 1.200 Abonnenten - so genannte „Follower“. Das ist die Fangemeinde der „Misfits“, die sich hier regelmäßig über die Aktionen der beiden Frauen informiert und die sie unterstützt.
Für die Follower ist das krumme Gemüse inzwischen Kult. Die ungeheure Resonanz hat die beiden Frauen ermutigt, größer zu denken.
Über eine Plattform im Internet wollen sie jetzt Geld sammeln für einen eigenen Laden.
Lea Brumsack:
Es soll ja kein gewöhnliches Ladengeschäft werden, wo man reingeht und sagt: ,Hier, ich nehme ein Kilo Misfits und trinke meinen Kaffee.‘ Sondern es soll ja schon so sein, dass wir einen kulinarischen Raum entwickeln wollen, der auch zum Mitmachen animiert.
Dann können die Fans die ungewöhnlichen Rezepte für die „Gemüsesonderlinge“ nachkochen. Sie können sich zu Workshops treffen, längst ausgestorben geglaubte Gemüsesorten kennenlernen, Omas Rezepte neu entdecken und sich durch ungewöhnliche Formen weiter inspirieren lassen.
Beitrag von Matthias Zuber

