-
Sie sind vor vielen Häusern im Straßenpflaster zu sehen, wollen denen einen Ort der Erinnerung zurückgeben, die von den Nazis ausgelöscht wurden. Gefertigt werden die Stolpersteine von einem Metallkünstler in Berlin-Buch.
Dieser Mann hat auf über 30 000 „Stolpersteine“ Buchstaben für Buchstaben „gestempelt“, wie er das nennt.
Inzwischen fast schon eine Massenproduktion.
Könnte das nicht auch eine Maschine machen?
Michael Friedrichs-Friedlaender, Metallkünstler
Nee, auf keinen Fall. Also, 'ne Maschine kann zwar gravieren, dann wird’s ein Klingelschild. Aber das Stempeln hat auch kleine Unregelmäßigkeiten. Mechanisch ist es auf keinen Fall. Weil ich auch fühle, was ich stempeln muss. Die ganzen Schicksale, die da eingestempelt werden, das ist eigentlich das, was diese Arbeit sehr anstrengend macht.
Wenn’s 'ne Maschine macht, dann fehlt der ganze Respekt vor den Opfern.
Die Idee für die „Stolpersteine“ hatte der Kölner Künstler Gunter Demnig, der sie auch selbst verlegt. Nur so im Vorübergehen kann man kaum lesen, was drauf steht.
Michael Friedrichs-Friedlaender
Man muss sich verbeugen. Also allein diese Geste ist auch wichtig, ist auch gewollt. Man verneigt sich fast vor dem Opfer, um den Stein zu lesen.
Er hat kaum noch Zeit für eigen-schöpferische Werke aus einer früheren Arbeitsphase: Die Serie „Würfel mit Kern“. Die Bleilettern im Inneren sollten auf den Schrott, aber Michael Friedrichs-Friedlaender hatte eine andere Verwendung dafür.
Michael Friedrichs-Friedlaender
Ich fand das einfach als Material schon faszinierend und das hat natürlich auch was mit Büchern zu tun – was mit Büchern alles gemacht worden ist.
Originalton Filmdokument
„Übergebt alles Undeutsche dem Feuer!“
Michael Friedrichs-Friedlaender
Auch die Form ist bewusst gewählt, wie der Würfel aufplatzt.
Ähnlich ungebräuchlich wie Bleisatz sind heute Schreibfedern. - Aber er hat sie gefunden in einer Firma in Marzahn, die früher die Feder für den Füller von Papst Pius XII. hergestellt hat.
Pius und die Judenverfolgung – da ist er wieder beim Thema.
Michael Friedrichs-Friedlaender
Es ist ganz klar, wenn ich an den Stolpersteinen arbeite, diese kurzen Biografien lese, ich habe ja auch für Italien so was gemacht, da kommt die Geschichte natürlich auch hoch.
Da laufen ganze Filme ab, was man gelesen hat, was man gesehen hat, was man vor sich hat als Schicksal, das spielt 'ne ganz große Rolle beim Machen der Steine.
Es sind nicht nur die großen politischen Themen, die ihn als Künstler reizen.
Für eine Ausstellung in St. Petersburg unter dem Titel „Erste Vertikale“ hat er diese Säulen gemacht. Es reizte ihn Form und Material. Für St. Petersburg lag Bernstein auf der Hand. Er hatte ein besonderes Erlebnis.
Michael Friedrichs-Friedlaender
Es war im Sommer, abends natürlich die weißen Nächte, anfangs - Mitte Juni war das - wir saßen dort noch, haben ein bisschen geklönt, ein bisschen getrunken, und plötzlich kommt die Sonne oben durch ein Fenster hier rein. Ich bin fürchterlich erschrocken, weil ich denke: es brennt.
Für die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, das ehemalige Frauen-KZ, hat Michael Friedrichs-Friedlaender zusammen mit anderen ein Denkmal gebaut.
Michael Friedrichs-Friedlaender
Ich hab’s entwickelt mit dem Mathias Deumlich zusammen, und mein Kollege Christian Johann Joost, auch Bildhauer, der hier gearbeitet hat, auch geschmiedet hat, zu der Zeit noch, der hat mir dann geholfen, es zu bauen.
Das Denkmal für die Straße der Nationen wurde von der Lagergemeinschaft Ravensbrück initiiert.
Michael Friedrichs-Friedlaender
Die Mauer symbolisiert eben auch: sie kamen da nicht raus. Sie waren gefangen. Sie mussten schwer arbeiten.
Sie hatten nix zu essen.
Aus Granitsteinen mussten die Frauen eine Straße bauen zum Lager. Mit primitiven Transportmitteln und Werkzeugen.
Michael Friedrichs-Friedlaender
Da gibt es eine Walze, die 2 Tonnen wiegt. Die mussten die da drüber ziehen, um es zu planieren. Es gibt Berichte, dass die die Walze nicht halten konnten. Die ist zurückgerollt, hat Frauen zerquetscht, da gab’s Todesfälle.
Die Granitsteine, mit denen sich die Ravensbrücker Frauen gequält hatten, haben mehrere Künstler gemeinsam in die Metallkörbe gelegt und konnten das Gewicht am eigenen Leibe spüren.
Michael Friedrichs-Friedlaender
… und ich muss sagen, es hat sich so eine ganz spezielle Stimmung innerhalb dieser Gruppe breit gemacht. Wir haben wirklich gefühlt, was ist da passiert.
Das fühlt er auch heute, wenn er die Namen von Ermordeten ins Messingblech stempelt.
Beitrag von Harald Quist
Inzwischen fast schon eine Massenproduktion.
Könnte das nicht auch eine Maschine machen?
Michael Friedrichs-Friedlaender, Metallkünstler
Nee, auf keinen Fall. Also, 'ne Maschine kann zwar gravieren, dann wird’s ein Klingelschild. Aber das Stempeln hat auch kleine Unregelmäßigkeiten. Mechanisch ist es auf keinen Fall. Weil ich auch fühle, was ich stempeln muss. Die ganzen Schicksale, die da eingestempelt werden, das ist eigentlich das, was diese Arbeit sehr anstrengend macht.
Wenn’s 'ne Maschine macht, dann fehlt der ganze Respekt vor den Opfern.
Die Idee für die „Stolpersteine“ hatte der Kölner Künstler Gunter Demnig, der sie auch selbst verlegt. Nur so im Vorübergehen kann man kaum lesen, was drauf steht.
Michael Friedrichs-Friedlaender
Man muss sich verbeugen. Also allein diese Geste ist auch wichtig, ist auch gewollt. Man verneigt sich fast vor dem Opfer, um den Stein zu lesen.
Er hat kaum noch Zeit für eigen-schöpferische Werke aus einer früheren Arbeitsphase: Die Serie „Würfel mit Kern“. Die Bleilettern im Inneren sollten auf den Schrott, aber Michael Friedrichs-Friedlaender hatte eine andere Verwendung dafür.
Michael Friedrichs-Friedlaender
Ich fand das einfach als Material schon faszinierend und das hat natürlich auch was mit Büchern zu tun – was mit Büchern alles gemacht worden ist.
Originalton Filmdokument
„Übergebt alles Undeutsche dem Feuer!“
Michael Friedrichs-Friedlaender
Auch die Form ist bewusst gewählt, wie der Würfel aufplatzt.
Ähnlich ungebräuchlich wie Bleisatz sind heute Schreibfedern. - Aber er hat sie gefunden in einer Firma in Marzahn, die früher die Feder für den Füller von Papst Pius XII. hergestellt hat.
Pius und die Judenverfolgung – da ist er wieder beim Thema.
Michael Friedrichs-Friedlaender
Es ist ganz klar, wenn ich an den Stolpersteinen arbeite, diese kurzen Biografien lese, ich habe ja auch für Italien so was gemacht, da kommt die Geschichte natürlich auch hoch.
Da laufen ganze Filme ab, was man gelesen hat, was man gesehen hat, was man vor sich hat als Schicksal, das spielt 'ne ganz große Rolle beim Machen der Steine.
Es sind nicht nur die großen politischen Themen, die ihn als Künstler reizen.
Für eine Ausstellung in St. Petersburg unter dem Titel „Erste Vertikale“ hat er diese Säulen gemacht. Es reizte ihn Form und Material. Für St. Petersburg lag Bernstein auf der Hand. Er hatte ein besonderes Erlebnis.
Michael Friedrichs-Friedlaender
Es war im Sommer, abends natürlich die weißen Nächte, anfangs - Mitte Juni war das - wir saßen dort noch, haben ein bisschen geklönt, ein bisschen getrunken, und plötzlich kommt die Sonne oben durch ein Fenster hier rein. Ich bin fürchterlich erschrocken, weil ich denke: es brennt.
Für die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, das ehemalige Frauen-KZ, hat Michael Friedrichs-Friedlaender zusammen mit anderen ein Denkmal gebaut.
Michael Friedrichs-Friedlaender
Ich hab’s entwickelt mit dem Mathias Deumlich zusammen, und mein Kollege Christian Johann Joost, auch Bildhauer, der hier gearbeitet hat, auch geschmiedet hat, zu der Zeit noch, der hat mir dann geholfen, es zu bauen.
Das Denkmal für die Straße der Nationen wurde von der Lagergemeinschaft Ravensbrück initiiert.
Michael Friedrichs-Friedlaender
Die Mauer symbolisiert eben auch: sie kamen da nicht raus. Sie waren gefangen. Sie mussten schwer arbeiten.
Sie hatten nix zu essen.
Aus Granitsteinen mussten die Frauen eine Straße bauen zum Lager. Mit primitiven Transportmitteln und Werkzeugen.
Michael Friedrichs-Friedlaender
Da gibt es eine Walze, die 2 Tonnen wiegt. Die mussten die da drüber ziehen, um es zu planieren. Es gibt Berichte, dass die die Walze nicht halten konnten. Die ist zurückgerollt, hat Frauen zerquetscht, da gab’s Todesfälle.
Die Granitsteine, mit denen sich die Ravensbrücker Frauen gequält hatten, haben mehrere Künstler gemeinsam in die Metallkörbe gelegt und konnten das Gewicht am eigenen Leibe spüren.
Michael Friedrichs-Friedlaender
… und ich muss sagen, es hat sich so eine ganz spezielle Stimmung innerhalb dieser Gruppe breit gemacht. Wir haben wirklich gefühlt, was ist da passiert.
Das fühlt er auch heute, wenn er die Namen von Ermordeten ins Messingblech stempelt.
Beitrag von Harald Quist

