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Dass Menschen auf Fleisch verzichten, das ist schon weitgehend akzeptiert. Aber es gibt noch eine Steigerung des Vegetariers – den Veganer. Der verzichtet auf alle tierischen Produkte. - Zwei Veganer über ihre Beweggründe.
Otto Schulz ist Steuerberater und gerade beim Workout im Fitnessstudio.
Felicia Meyer-Jendro studiert Jura und bereitet sich gerade auf Ihre letzte Prüfung vor.
Zwei ganz normale junge Leute, die eine weitreichende Entscheidung für ihr Leben getroffen haben:
Felicia Meyer-Jendro
Seit zwei Jahren verzichte ich jetzt auf tierische Produkte. Also in der Nahrung, bei der Kosmetik und bei der Kleidung.
Otto Schulz
Ich bin Veganer, ich verzichte damit nicht nur auf Fleisch und Fisch, sondern eben auch komplett auf Milch, Eier, Käse, Leder - und das ist meine Überzeugung.
Otto achtet auf seinen Körper, trainiert regelmäßig. Tierische Produkte fehlen ihm nicht, ganz im Gegenteil: Er fühlt sich fitter seitdem er darauf verzichtet.
Ein Film hat den Enkel eines Metzgers dazu bewogen, Veganer zu werden:
Otto Schulz
Im jungen Alter hab ich mir gar keine Gedanken darüber gemacht, im Gegenteil, ich stand sogar dabei. Ich hatte zwar ein ungutes Bauchgefühl, wenn ich gesehen habe, wie ein Rind letztendlich abgeholt wird...
Später hab ich mir eben meine Gedanken darüber gemacht und habe gemerkt, dass es ein nutzloser Schlachtprozess ist, weil wir die Produkte gar nicht brauchen.
Viele, gerade junge Menschen denken so, auch Felica. Durch Videos über das Schlachten und Massentierhaltung hat sie erst zum Vegetarismus und dann zum Veganismus gefunden.
Felicia Meyer-Jendro
Also meine Freiheit findet ihre Grenzen in den Rechten anderer und da zähle ich als andere auch die Tiere zu. Es ist nicht die Frage, darf der Löwe die Gazelle töten, es ist die Frage, darf man systematisch andere Lebewesen unterdrücken für den eigenen Luxus. So wie wir essen, das ist absoluter Luxus, dass wir jede Fleischsorte zu jeder Zeit ständig haben müssen, volle Kühltruhen immer, also das hat mit Ernährung nichts mehr zu tun.
Felicia hat einen Blog im Internet ins Leben gerufen. Auf der Seite „Berlin ick vegane dir“ informiert sie über veganen Lebensstil und Ernährung. Und warum Eier und Milch auch Tierleid erzeugen:
Felicia Meyer-Jendro
Für die Eierproduktion sterben genauso viel. Die Küken, die männlichen Küken, die werden alle geschreddert oder vergast, weil - die braucht man nicht.
Und für die Milchproduktion: Die Kuh hat nur Milch, wenn sie schwanger ist, also werden die Kühe dauergeschwängert und diese ganzen Kälber müssen ja auch irgendwohin, also werden die zu Schnitzel verarbeitet oder Wurstwaren, oder was auch immer, also das heißt, für Eier und Milch werden auch Tiere konkret getötet.
Felicia will den Veganismus entmuffen und in die Mitte der Gesellschaft bringen. Und sie will sich nicht ständig für ihre Ernährung rechtfertigen müssen.
Felicia Meyer-Jendro
Ich bin halt ein ganz normales Mädchen. Ich bin Jurastudentin, ich geh mit Freunden aus, ich trinke Cocktails, ich hab noch Spaß, ich höre Musik und ich esse ganz toll.
Leckeres veganes Essen möchte Felicia auch in normalen Restaurants auf der Speisekarte finden. Sie geht gerne aus und jobbt selbst in der Gastronomie.
Ihr erster Erfolg ist das französische Restaurant "Jules Verne" in Charlottenburg; zweimal in der Woche gibt es dank Felicia hier ein veganes Mittagsmenue.
Felicia kennt Chef Hassan gut, sie hat hier lange gearbeitet und ist zum Mittagessen mit ihm verabredet. Heute gibt es Artischockenrisotto, ganz vegan also ohne Fleisch, Käse oder Ei.
Hassan berichtet, dass auch Fleischliebhaber den neuen Mittagtisch begrüßen:
…Unsere Stammgäste haben sich gefreut, da ist man danach auch total fit, kann man wieder weiterarbeiten und hat nicht dieses volle Magen oder voll gespeist, sodass er dann danach müde ist.
Auch normale Esser von der Schmackhaftigkeit der veganen Küche zu überzeugen ist Felicias Ziel.
Felicia Meyer-Jendro
Als ich vegan wurde, da hab ich mich schon gefragt: Kannst du weiterhin in der Fleischgastronomie arbeiten? Also teilweise habe ich mich gefragt, wäre es nicht konsequenter, wenn ich in einem veganen Restaurant arbeiten würde?
Aber - ich will ja was bewirken. Ich will ja den Kontakt zu den Gastronomen behalten. Ich will ja Kontakt zu den Leuten behalten, die Speisekarten schreiben und die Einfluss darauf haben, vegane Speisen in die Fleischkarte zu nehmen.
Trotzdem ist Fleisch immer noch die bevorzugte Speise bei uns.
Im letzten Jahr wurden in Deutschland 8,2 Millionen Tonnen Fleisch produziert, so viel wie nie zuvor.
Und es ist so billig wie noch nie. Zwei Euro das Kilo Hähnchen, weniger als ein Fahrschein bei der BVG.
Teurer ist es im Bioladen. Doch Veganer wie Felicia und Otto lässt auch Biofleisch kalt, da sie das Töten von Tieren grundsätzlich ablehnen. Und außerdem:
Otto Schulz
... wenn man alleine an die Wassermengen denkt und an die Futterkalorien, die aufgebraucht werden müssen, um Fleisch zu erzeugen, damit könnte man beliebig viele Menschen in der Welt ernähren.
Also: Gleich Pflanzen essen, ohne den Umweg über die Kuh.
Der gut sortierte Bioladen bietet für eine gesunde vegane Ernährung zum Beispiel verschiedenste Hülsenfrüchte, Tofu in allen Geschmackrichtungen und Milch aus Soja, Hafer oder Reis.
Otto will heute veganen Döner für seinen Bruder machen und entscheidet sich für Seitan. - Was ist das?
Otto Schulz
Das besteht aus Weizen und Sojabohnen und hat auch einen ganz ordentlichen Geschmack.
Auch Felicia kauft ein. Schuhe. Können Frauen ja nie genug haben. Und da ist sie im „avesu“, dem ersten veganen Schuhladen Berlins, genau richtig.
In diesen Modellen ist alles verarbeitet außer Tier, von Hanf bis zum modernen Kunststoff Polyuretan,
Verkäufer
Wasserabweisend, atmungsaktiv… - eigentlich sind diese Produkte heutzutage auf dem Stand, dass sie Leder in nichts nachstehen, von ihren Eigenschaften.
…Und indem ich aufhöre Schuhe mit Lederanteilen zu kaufen, entziehe ich mich der Nachfrage. So in der Hoffnung, dass wenn alle es tun, es sich irgendwann nicht mehr lohnt. Und so unterstütze ich ne andere Produktion, die ich unterstützenswerter finde, wo auch die Arbeitsbedingungen besser sind und es ist für mich einfach konsequent auf der ganzen Linie.
Ottos Bruder Kurt kommt zum Abendessen. Der Döner ist bald fertig. Auch Kurt ist Veganer geworden. Der Seitan wird geschnitten und die Gedanken schweifen zu den Tieren.
Otto Schulz
Was wir gemeinsam haben, ist ja definitiv, dass wir eben Schmerzempfinden haben, dass wir Leid haben, dass wir Freude haben, dass wir Ärger haben, da kann ich ein Lebewesen, das genau diese Empfindungen hat wie ich, nicht so behandeln.
Also man sagt, Menschen werden wie Tiere behandelt, wenn sie sich in der schlechtesten Situation ihres Lebens befinden. Tiere wollen auch nicht wie Tiere behandelt werden.
Auch Kurt vermisst das Fleisch nicht und bringt das mit dem vegan sein auf den Punkt…
Kurt Schulz
Ich denke, das ist einfach ne Sachen des Wollens. Entweder man will es oder man will es nicht. Und ich vermisse es auch nicht.
Schließlich kann man ja auch beim Seitan-Döner kraftvoll zubeißen...
Beitrag von Cosima Jagow-Duda
REZEPT FÜE VEGANEN DÖNER
Was Sie brauchen:
1 Fladenbrot
400g Seitan
ca. 100 ml Öl zum Braten
Grill und Pfannengewürz (aus dem Bioladen)
Meersalz
½ Eisbergsalat
ca. 200g Rotkohl
2 kleine Zwiebeln
2 Tomaten
½ Gurke
Für die Soße:
200g Sojajoghurt
2 TL Currypulver
2 TL Paprikapulver scharf
4 Tl Tomatenmark
4 EL vegane Mayonnaise
2 EL Agavendicksaft
2 EL Zitronensaft
Meersalz
Und so geht’s:
Rotkohl, Salat und Zwiebeln in feine Streifen schneiden, Tomaten vierteln.
Die Zutaten für die Soße verrühren.
Dönerbrot vierteln und toasten oder aufbacken. Den Seitan in feine Streifen schneiden, mit Grillgewürz und Meersalz würzen und im Öl scharf anbraten.
Dönerbrot mit der Soße bestreichen, Salat und Gemüse darauf und am Ende den Seitan, mit noch etwas Soße beträufeln.
(nach Attila Hildmann, „Vegan for Fun“)

