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Berlin hat zu viele Friedhöfe. Das liegt daran, dass nur noch ein Viertel der Verstorbenen im Sarg beigesetzt wird. Und Urnen brauchen nun mal weniger Platz. Was aber tun mit den Brachflächen? Land und Kirchen arbeiten gemeinsam an einem Friedhofsentwicklungsplan.
Der St. Thomas-Friedhof an der Hermannstraße in Berlin-Neukölln. Neben dem neuen noch benutzten Areal liegt vis a vis der alte Friedhofsteil, und dort wird schon seit 30 Jahren nicht mehr bestattet. Das Grundstück ist immer noch in Gemeindebesitz und solange bleibt die Friedhofstür vorne zumindest offiziell zu.
Seit gut drei Jahren leitet Pfarrer Jürgen Quandt den extra für solche Fälle gegründeten evangelischen Friedhofsverband. Seine Aufgabe: Friedhöfe nicht nur schließen, sondern teilweise auch aufheben. Sprich: die Flächen können verkauft, der Gewinn für den Erhalt der verbleibenden Friedhöfe genutzt werden. Aber: die Würde des Ortes soll bewahrt werden.
Jürgen Quandt, Geschäftsführer Evangelischer Friedhofsverband
Normalerweise beträgt die Ruhefrist auf unseren Friedhöfen 20 Jahre und danach ist eine solche Grabstelle abgelaufen und sie wird im Regelfall eingeebnet…
Es bleibt ein Begräbnisplatz, weil sich hier die Gebeine und die Reste von Menschen unter der Erde befinden.
Ein Begräbnisplatz, der längst von der Bevölkerung in Beschlag genommen wurde. Was vorne verschlossen ist, ist hinten herum schon lange zugänglich.
Der ehemalige Zaun wurde mutwillig zerstört. Der Friedhof ist zur Müllhalde, vor allem aber zum Hundeauslaufplatz geworden.
Die Ruhe wird geschätzt, und wenn es nach diesen Anwohnern geht, muss sich nichts ändern.
Anwohner
Dadurch dass dieser Friedhof nicht mehr betrieben wurde ist hier so ein Wildwuchs entstanden, den es woanders nicht gibt.
Abends - im vergangenen Jahr - hab ich nen Uhu drei Tage beobachtet, ich denke, spinn ich, er hat so n’ Kopp jedreht und andern Tag hat er wieder da gesessen. Dat könnte meines Erachtens bleiben.
Doch so einfach ist es nicht.
In den nächsten Jahren werden in ganz Berlin Friedhöfe still gelegt, eine Fläche zwei Drittel so groß wie der Flughafen Tempelhof.
Nur, die Begräbnisplätze sind - wie hier in Berlin-Neukölln - wie ein Flickenteppich verteilt. Nur in Ausnahmefällen soll daraus Bauland werden.
Auch für das gut 3,2ha große St.-Thomas-Friedhofsgelände sieht der Berliner Friedhofsentwicklungsplan eine Weiternutzung als Grünfläche vor, nicht Wildwuchs.
Beate Profé, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung
Eine Grünfläche hat bestimmte Anforderungen. Ein Wald, eine Straße, ein Weg, wo Menschen sich aufhalten, muss ich dafür sorgen, dass wenn da tote Äste sind, dass wenn Löcher im Weg sind, dass rostige Eisengitter rumstehen, wo man sich dran pieken kann usw. Und es reicht nicht nur einfach ein Schild hinzustellen,“Ihr seid selbst Schuld wenn euch etwas passiert".
Jürgen Quandt, Geschäftsführer Evangelischer Friedhofsverband
Grünfläche kann auch heißen, es könnte eine Kleingartensiedlung werden. Grünfläche könnte auch heißen, es könnte ein Spielplatz werden.
Grünfläche könnte auch heißen Freizeitaktivitäten, das ist alles nach der Definition Grünfläche. Grünfläche heißt nicht automatisch keine wirtschaftliche Nutzung.
Und so könnte beispielsweise auch ein Zeltplatz daraus werden. Was die Anwohner wollen, spielt bei den Überlegungen bislang keine Rolle.
Anwohner
Ne, ne, die ganzen Anwohner, ich wohne noch ein paar Blocks weg, aber auch die Anwohner, die direkt dran sind, sind nicht gefragt worden.
Das Schönste wäre ja, wenn man die Leute selbst fragt, die hier wohnen…und nicht einfach ein Gelände setzt - hier Kinder, da Hunde - und ein bisschen mehr offen ist.
Was mit diesem und anderen alten kircheneigenen Friedhöfen geschieht, ist erst einmal Verhandlungssache zwischen dem Senat und der Kirche. Pfarrer Quandt verspricht aber, dass bei künftigen Nutzungen auch der Bürgerwille berücksichtigt werden soll.
Jürgen Quandt, Geschäftsführer Evangelischer Friedhofsverband
Das ist Pionierarbeit. Das ist etwas Neues.
Man muss gucken, dass man zu einem Ausgleich der unterschiedlichen Interessen kommt: Denkmalpflege und Naturschutz, Bürgerinteressen und Friedhofsträgerinteressen.
Da gibt es viele Beteiligte, und man muss sehen, dass es zu einem Ausgleich kommt und daher gibt es da keine Generallösung.
Alte Friedhöfe mitten in der Stadt. Damit sie weiterhin als Erholungsoasen vielen Menschen zur Verfügung stehen können, gibt es noch viel zu tun.
Beitrag von Thomas Klatt
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
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