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Himmel und Erde
Himmel und Erde

Sa 03.12.11 18:02

Die Herrnhuter Sterne

Kaum eine Kirche, in der sie nicht zur Adventszeit zu finden sind. Geschichte und Geschichten um die Sterne aus der Lausitz, die inzwischen auch Wohnungen, Weihnachtsmärkte, Kaufhäuser und das Bundeskanzleramt zieren.

Es ist Advent. Alle Jahre wieder halten die Sterne Einzug in Hinterhöfe, Häuser, Kirchen und Straßen der Stadt. Ganz viele davon gibt es zum Beispiel auf dem Weihnachtsmarkt am Gendarmenmarkt.
Denn die Herrnhuter Sterne, die hier verkauft werden, sind ganz besondere Sterne:

Beate Petruschke
Der Herrnhuter Stern spricht ja eigentlich für sich selber. Er ist ja ein nachgebauter Stern zum Stern von Bethlehem und verkündet ja die Botschaft von Jesu Christi, der damals in der Krippe war, und der Stern hat geleuchtet und hat alle zu diesem Jesuskind hingeführt.

Auch hier zieht der Stern die Menschen an:
Na ich fand ihn immer schon schön, hing immer in Kirchen und zur Weihnachtszeit, der machte unheimlich viel Eindruck und demzufolge habe ich mich für den entschieden.

Beate Petruschke verkauft seit vier Jahren auf diesem Weihnachtsmarkt. Wie ihre Sterne kommt auch sie selbst aus Herrnhut in Sachsen.
Vier Monate zuvor ist sie dort auf dem Weg zur Wiege der Sterne: in die Herrnhuter Sternemanufaktur. Hier arbeitet Frau Petruschke mit 60 weiteren Mitarbeitern. Das Kleben der Kegel für die Sternenzacken ist ihr Spezialgebiet:

Beate Petruschke
So und dann wird die Zacke über den Kegel gedreht. Das ist die Grundform für jede Zacke und dann kommt noch das Rähmchen dran.

Auch in der der Schauwerkstatt können Besucher sehen, wie aus den Kegeln drei- und viereckige Sternenzacken werden, die dann als Bausatz in den Verkauf gehen.
Jeder Herrnhuter Stern hat 25 Zacken, 17 viereckige und 8 dreieckige, egal wie groß und bunt.

Vor allem aber sind die Sterne eng mit dem Ort und der Herrnhuter Brüdergemeine verbunden, die im 19 Jahrhundert Missionare in alle Welt schickte. Ihre Kinder blieben hier und besuchten die Internate der Brüdergemeine.
Dort entwickelte ein Lehrer mit den Schülern den Stern als mathematisches Anschauungsobjekt im Geometrieunterricht.
Die Lehrer begannen die Sterne mit den Klassen im Advent zu basteln. Sie sollten den Kindern in der Weihnachtszeit auch ein Trost sein und ein leuchtender Gruß an die Eltern in der Ferne, eng verbunden mit der Weihnachtsbotschaft.

Im Laufe der Jahre wurde das Sternebasteln in der Oberlausitz immer populärer. Der Herrnhuter Papierhändler Pieter Hendrick Verbeek entwickelte einen stabilen, zusammensetzbaren Stern, den er 1897 zum Patent anmeldete.
Seitdem setzen Familien am Abend vor dem 1. Advent ihren Herrnhuter Stern zusammen.

Auch heute. Bei Familie Gill müssen gleich zwei Sterne zusammengebaut werden. Vater David kommt aus Herrnhut und erzählt seiner amerikanischen Frau Sheila und den beiden Töchtern Emma und Helene, wie das damals zu DDR Zeiten war mit den Sternen:

David Gill
Wir hatten immer zwei, einer hing im Hausflur und einer in der Veranda und strahlte auf die Straße. Und es war so das Zeichen, jetzt geht die Adventszeit los, die ich als Kind unheimlich geliebt habe.
In ganz Herrnhut hingen überall Sterne, sogar in der sozialistischen Schule, das war was ganz Besonderes, das war ein kleiner Sieg! Denn der Stern - damit verbanden wir doch immer die Weihnachtsbotschaft
Denn Leute die sich so einen Stern ins Haus hingen, waren meistens Leute, die was mit der Kirche zu tun hatten. Das war immer so ein schönes Zeichen. Da wusste man, aha da wohnt einer, der so denkt wie du.

Fertig sind die Sterne. Tochter Emma freut sich schon:

Emma GiIl
…also von Weitem, in der Kälte sieht das ganz warm aus und das finde ich ganz schön!

David Gill
Emma bringst du mir den Stern? - Ja!

Und natürlich kommt der traditionell rot-gelb geflammte Lieblingsstern von Emma und Helene ins Kinderzimmer!


Beitrag von Cosima Jagow-Duda


 

Zur Geschichte der Herrnhuter Sterne
Während der Gegenreformation Anfang des 18. Jahrhunderts fanden Nachfahren der evangelischen Brüderunität aus Böhmen und Mähren Zuflucht auf dem Gut des Grafen Zinsdorf in der Oberlausitz.
Der von Ihnen gegründete Ort wurde Ursprungsort der Herrnhuter Brüdergemeine, die von hier aus bald Missionare in alle Welt entsandte. Heute ist die Brüderunität eine evangelisch Freikirche in Deutschland unter dem Dach der EKD.

Die Kinder der Missionare machten in nahe gelegenen Internaten ihre Schulausbildung, während die Eltern in alle Welt verstreut missionierten.
Im Geometrieunterricht entwickelte ein Lehrer mit den Schülern den Stern zunächst als mathematisches Anschauungsobjekt. Daraus entwickelte sich das Sternebasteln in den Schulen.

Der Stern sollte den Kindern im Advent die Sehnsucht nach den Eltern erträglicher machen und ein Gruß in die Ferne sein, eng verbunden mit der Weihnachtsbotschaft des Sterns von Bethlehem, den er symbolisieren soll.
Im Laufe der Jahre wurde das Sternebasteln in der Oberlausitz immer populärer. Bald entwickelte ein Herrnhuter Papierhändler erste Bastelbögen für den Stern, die 1897 patentiert wurden.

Daraus wurde dann der zusammenbaubare Stern entwickelt. Das Sternebasteln wurde auch in den Familie zur Tradition. Am Samstagnachmittag vor dem 1. Advent wird traditionell in den Familien gemeinsam der Stern zusammengebaut.

Zu DDR Zeiten war der Stern für viele auch ein „Christliches Erkennungszeichen“ - allerdings auch Mangelware. Er wurde oft nur unter der Hand verkauft bzw. in den Westen exportiert.

Nach der Wende konnte sich die Sternenmanufaktur vergrößern, inzwischen hat der Stern einen großen Bekanntheitsgrad, wird in die ganze Welt verschickt und findet sich im Advent in vielen Kirchen und Fenstern. Die größten bisher produzierten Sterne hängen aber seit dem letzten Jahr in Berlin - im Dom und im Kanzleramt.

Dieser Text gibt den Sachstand vom 03.12.2011 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

Herrnhuter Sterne GmbH

Oderwitzer Straße 8
02747 Herrnhut

Tel.: 035873 3640
Fax: 035873 36435

E-mail: 
info@herrnhuter-sterne.de

 

Bestellannahme

Tel.: 035873 36411
Fax: 035873 36416

Mo-Fr: 7:30-16:00 Uhr
(in der Weihnachtszeit verlängert)

Die Brüdergemeinde in Berlin

Ev. Brüdergemeinde
Kirchgassse 17
12043 Berlin
Tel.: 030 - 68 80 91 21

Literatur über die Herrnhuter Sterne

Dorothee Theile: …und leuchtet in die ganze Welt. Der Herrnhuter Stern und seine Geschichte. Comenius-Buchhandlung, Herrnhut 2008, ISBN 978-3-9812139-1-1

Christine Lost: An Sternen lernen. Zur Geschichte von „Fröbelstern“ und „Hernnhuter Stern“. In: Pädagogisches Forum 30/6 (2002), S. 414–418.

Infos im WWW

Herrnhuter Sterne GmbH

Mehr Informationen

www.herrnhuter-sterne.de

Montageanleitungen für Herrnhuter Sterne

Bauanleitungen für alle Herrnhuter Stern-Typen

www.herrnhuter-sterne.de

Zur Geschichte der Herrnhuter Sterne

Die Sterne im Lexikon

http://de.wikipedia.org

Die Brüdergemeinde in Berlin

Mehr Informationen

www.herrnhuter-in-berlin.de

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

http://www.rbb-online.de/himmelunderde/archiv/himmel_und_erde_vom30/die_herrnhuter_sterne.html

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