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Bleibt die liberale Rabbiner-Ausbildung in Berlin und Brandenburg? - Hier gibt es nämlich nur eine Kooperation mit der Uni in Potsdam, keine eigene jüdische Fakultät. Das hätte das Abraham-Geiger-Kolleg in Berlin aber gern und setzt die Potsdamer unter Druck – mit einem Angebot aus Bayern.
HIMMEL und ERDE wollte mehr über die eigentliche Ausbildung wissen und hat eine junge Frau begleitet.
Eigentlich ist Natalia Verzhbovska Pianistin. Seit vier Jahren lässt sich die Ukrainerin in Berlin und Potsdam zur Rabbinerin ausbilden.
Natalia Verzhbovska
Das war für mich mein Ziel, Rabbinerin zu sein und ich suchte die Möglichkeit, wo ich als Frau für Rabbinische Studien akzeptiert wurde.
Die fand sie am liberalen Abraham-Geiger-Kolleg. Das Berliner Rabbinerseminar kooperiert mit der Universität Potsdam – und würde dort gern eine eigene Fakultät werden.
Rabbiner Tovia Ben-Chorin
Das ist uns sehr wichtig, dass unsere Rabbiner und Rabbinerinnen und die Kantoren und Kantorinnen auch akademisch beschult sind und nicht nur die jüdische Tradition traditionell kennen.
In der Sowjetunion lebte die Jüdin Natalia Verzhbovska ohne religiöse Bindung. Die Annäherung an die Religion sorgte für einige Überraschungen.
Natalia Verzhbovska
Das war zuerst die hebräische Sprache – ich hatte keine Ahnung, natürlich. Und die Leute, die sehen anders aus, die machen etwas, das ich überhaupt nicht verstehe. Und meine erste Frage war: gehöre ich zu dieser Kultur, zu dieser Religion oder nicht, ja? Und das war der erste, muss ich sagen, Schock.
Ein immerwährender Schock, nicht nur für Juden: die Begegnung mit dem Holocaust. Von diesem Gleis in Berlin-Grunewald wurden ab Oktober 1941 Berliner Juden in den Tod geschickt. Mindestens 17.000 direkt nach Auschwitz.
An diesem Tag wird des ersten Transports vor 70 Jahren gedacht.
Natalia Verzhbovska
Manchmal stelle ich immer noch diese Fragen, ja. Was haben diese Leute gemacht, warum wurden sie vernichtet. Und haben wir jetzt Sicherheit hier in Deutschland oder nicht.
Sicherheit wäre das Mindeste, aber es geht um mehr:
Jüdische Kultur soll wieder heimisch werden.
Es ist Sukkot, das Laubhüttenfest. Und dies die private Laubhütte von Rabbi Ben-Chorin. Die wohl einzige auf einem Berliner Balkon.
Das Fest dauert 7 Tage und erinnert an den Auszug der Israeliten aus Ägypten. Bei gutem Wetter wird in der Laubhütte auch gegessen.
Die Dekoration ist symbolträchtig und – ganz wichtig – das Dach ist offen. Es soll reinregnen können. Ausdruck des jüdischen Gottvertrauens: wird schon gutgehen.
Natalia Verzhbovska
Ich finde, es ist toll, dass Rabbiner Tovia Ben-Chorin ein gutes Beispiel für uns gibt, dass für Juden alles möglich ist – alle Gebote zu erfüllen, wenn sie das möchten. Auch, wenn sie nicht so großen Platz haben, nur einen Balkon. Aber trotzdem ist es möglich.
Wenige Kilometer weiter, in Charlottenburg, ist der andere Standort des Abraham-Geiger-Kollegs. Hier erfährt Natalia Verzhbovska ihre religiöse Ausbildung.
Heute werden neue Mesusot an die Türrahmen angebracht: kleine Röhrchen oder Kästchen mit Bibelzitaten darin. Die alten waren nicht ganz koscher.
In drei Jahren wird die Studentin ordiniert. Dann könnte sie irgendwohin geschickt werden, wo eine liberale jüdische Gemeinde sie braucht.
Natalia Verzhbovska
Mein Wunsch, wie ich das weiter sehe: natürlich möchte ich gern eine Stelle als Rabbinerin hier in Europa, besser in Deutschland natürlich, weil ich habe mir so viel Mühe gegeben Deutsch zu studieren.
Am liebsten würde Natalia Verzhbovska übrigens in Berlin bleiben. Inzwischen ist ihr die Stadt ans Herz gewachsen.
Das Abraham Geiger Kolleg
Vor zehn Jahren nahm das Abraham Geiger Kolleg als zweites Rabbinerseminar (nach London) nach dem Holocaust seine Arbeit auf. Es bildet Rabbinerinnen und Rabbiner für liberale jüdische Gemeinden in Europa aus.
Der deutsche Rabbiner Abraham Geiger lebte im 19. Jahrhundert und forderte bereits 1836 die Gleichberechtigung bei der Ausbildung für das geistliche Amt durch eine jüdische Fakultät an einer staatlichen Universität.
Das Kolleg hat seinen Sitz in der Berliner Kantstraße, wo auch die religiöse Ausbildung stattfindet, und kooperiert bei der akademischen Ausbildung. mit der Universität Potsdam
Ob es allerdings an der Potsdamer Uni bleibt, wird sich zeigen: Das Kolleg möchte eine vollwertige jüdisch-theologische Fakultät werden – die Bayerische Universität Nürnberg/Erlangen hat bereits Interesse angemeldet. Nun ist die Universität Potsdam unter Zugzwang geraten…
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