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30.000 Jugendliche aus aller Welt werden Ende Dezember zu Begegnungen, Gesprächen, gemeinsamem Beten und Singen in Berlin erwartet. Freiwillige in 140 Vorbereitungsgruppen sind seit Wochen auf Quartiersuche für die Gäste.
Montag früh in Berlin-Lichtenberg. Laura Weber, Studentin für soziale Arbeit und Diakonie aus Hamburg, hat einen langen Arbeitstag vor sich. In einem trostlosen Plattenbau, der früher als Gefängnis benutzt wurde.
Laura ist eine von zwölf Freiwilligen, die Schlafplätze für 30.000 Jugendliche suchen.
Laura Weber
Das ist kein Achtstunden-Büro-Tag. Wir beten, essen zusammen, leben diese Zeit zusammen. Es ist nicht ein Job, den wir machen.
Der Tag beginnt wie in Taizé: mit Gesang und Gebet.
Danach eine kurze Stärkung für die, die kein Frühstück hatten. Laura ist schon seit September in Berlin und wohnt wie die anderen Freiwilligen bei einer Gastfamilie.
Die Mönche haben sich in den ehemaligen Zellen spartanisch eingerichtet. Statt Lattenrost: Euro-Paletten. Das gesamte Mobiliar hat die Bruderschaft aus Taizé mitgebracht.
Die sterilen Räume wurden vom Team mit der Dekoration aus Portugal aufgelockert. Dort fand 2004 das Jugendtreffen statt.
Wichtigste Aufgabe für die Studenten: Sie müssen Berliner Gemeinden kontaktieren und ermutigen, sich an dem Treffen Ende Dezember zu beteiligen.
Frère Han-Yol aus Korea koordiniert die Vorbereitungen.
Laura verabredet Besuche bei einer Gemeinde in Prenzlauer Berg und in Wilmersdorf.
Mittags: Vorbereitungen für das gemeinsame Gebet in der Marienkirche am Alex.
Das Treffen Ende Dezember wird nicht nur logistisch geplant, sondern auch spirituell, mitten in der Stadt.
Laura und Mark - ein anderer Freiwilliger - schmücken den Altarraum mit den typischen Symbolen aus Taizé: Der Kreuz-Ikone aus Russland, den Teelichtern und der Freundschaftsikone.
Laura war schon mehrfach in Taizé
Laura Weber
Vor allem ist es ein Ort, wo es nicht darum geht, dass man schnell sagt, ich habe aber recht. Ich hab ganz viel Schönes aus der katholischen und der orthodoxen Kirche kennengelernt, einfach dadurch, dass ich Leute getroffen habe, die katholisch sind oder orthodox, die mir viel erklärt haben, was mir vorher vielleicht fremd war.
Zum Mittagsgebet ist jeder willkommen, ob gläubig oder nicht, ob Berliner oder Tourist.
Nachmittags: Stadterkundung. Laura und Marieke besuchen einen Kiezladen. Für das Taizé-Treffen werden Orte der Hoffnung gesucht. Orte, an denen sich Menschen für andere einsetzen. Hier sind es Mitglieder einer ökumenischen Basisgemeinde, die gebrauchte Kleidung, Kaffee und Kuchen anbieten. Kostenlos.
Laura und Marieke rühren bei dieser Gelegenheit noch einmal die Werbetrommel.
Laura Weber
Dazu möchten wir Sie auch ganz, ganz herzlich einladen, wirklich alle Berliner, die möchten, sind eingeladen aufs Messegelände, da kommen Sie bitte gerne dazu!!
Mitten in der Stadt, nicht nur in den Messehallen, soll das Jugendtreffen stattfinden. Also auch hier, in diesem Kiezladen.
Laura Weber
Es geht dabei darum, dass Jugendliche nicht nur als Touristen kommen, die nur ihre Fotos machen, Brandenburger Tor oder Bundestag, und dann wieder abfahren.
Sondern Leute treffen, und erfahren, wo engagieren sich Leute, im ganz Kleinen, im Einfachen, was wir oft übersehen, und das sichtbar zu machen, zu sehen, o.k. es gibt Leute an vielen Orten und zusammen ergibt es Großes.
Das ist ganz wichtig und hält vielleicht auch unsere Gesellschaft zusammen, dass es auch Mut macht, sich selbst zu engagieren.
Kurzer Erfahrungsaustausch beim Abendessen im Vorbereitungszentrum. Der Tag ist für Laura längst nicht zu Ende.
Sie versorgt sich mit Informationsmaterial und Plakaten bevor sie zu ihrem letzten Termin aufbricht, in einer Gemeinde in Berlin-Wilmersdorf. Die Themen: fehlende Schlafplätze, und Werbung für das Jugendtreffen. Bis Ende Dezember wird Laura selten vor zehn Uhr Feierabend haben.
Beitrag von Margarethe Steinhausen
Aus der Pressemitteilung der Communauté de Taizé zum Europäischen Jugendtreffen in Berlin:
„Das von der Communauté de Taizé jedes Jahr organisierte Europäische Jugendtreffen wird vom 28. Dezember 2011 bis 1. Januar 2012 zum ersten Mal in Berlin stattfinden.
An die 30.000 junge Menschen aus ganz Europa und von den anderen Kontinenten kommen zu dieser neuen Etappe des Pilgerwegs des Vertrauens auf der Erde zusammen.
Nach Brüssel, Posen und Rotterdam kam dieses 34. Europäische Treffen auf Einladung der katholischen und evangelischen Kirchen sowie des Senats der Stadt Berlin zu Stande.
Fünf Tage lang wird die deutsche Hauptstadt zum Treffpunkt der Jugend und zum Symbol eines vereinten Europas.
Das Berlin-Treffen findet zu einem Zeitpunkt statt, in der Europa nach neuem Schwung sucht und vielerorts die Frage nach den Fundamenten und den Grenzen der Europäischen Solidarität gestellt wird.
Frère Alois, der Prior von Taizé, wird in Berlin die Jugendlichen dazu aufrufen, zu den Quellen des Glaubens zu gehen und gleichzeitig nach Wegen zu suchen, die Abgrenzungen und Spaltungen in der Kirche und der heutigen Gesellschaft zu überwinden…“
„An den Nachmittagen werden Treffen zu verschiedenen geistlichen, gesellschaftlichen, politischen, wirtschaftlichen und künstlerischen Themen angeboten, in denen es um die Quellen des Glaubens und die Frage geht, wie sich jeder Einzelne im Dienst für die Anderen einsetzen kann.
Unter anderem werden Jugendliche im Reichstag mit Mitgliedern des Deutschen Bundestages über das Thema „Für eine gerechtere Welt: Politik und Verantwortung der Bürger“ diskutieren. Gleichzeitig sind Begegnungen mit der jüdischen Gemeinde von Berlin und ein Besuch in einer großen Moschee geplant.
Das detaillierte Programm des Treffens in Berlin und der Brief, den Frère Alois für die Teilnehmer des Treffens schreibt, werden Mitte Dezember veröffentlicht.“
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
http://www.rbb-online.de/himmelunderde/archiv/himmel_und_erde_vom30/taize_in_berlin.html