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Mut kann auch dazu gehören, sich zu seiner Religion zu bekennen. In Zeiten, in denen jeder fünfte Deutsche latent antisemitische Einstellungen zeigt, ist es nicht einfach, im Alltag selbstbewusst die Kippa zu tragen.
Das „Hauen und Stechen“ ist für Jehoschua Bieler vor allem ein Sport. Aber es kann auch nützlich sein, sich im Notfall wehren zu können. Denn von Kindesbeinen an ist er es gewohnt, stets die Kippa auf dem Kopf zu tragen. Vor Gott und den Menschen bekennt er damit, dass er ein rechtgläubiger Jude ist.
Auf dem Weg zu seiner Synagoge und Thoraschule in der Brunnenstraße in Berlin-Wedding. Immer wieder wird und wurde er in der Öffentlichkeit als Jude beschimpft.
Jehoschua Bieler
Ein einziges Mal von einem deutschen Opa am Hackeschen Markt, der meinte, dass meine Familie wohl vergessen worden sei beim Vergasen.
Ansonsten sind es eher Leute meiner Generation, die dann auch mal gespuckt haben oder unflätige Worte über Juden geschrieen haben. Das ist im Laufe der Jahre schon vorgekommen, aber nie an der Schule und nie an der Universität.
Jehoschua Bieler stammt aus Friedrichshain. An die DDR-Zeit, als er noch ein kleiner Junge war, kann er sich nicht mehr erinnern. Berlin ist seine Heimatstadt und in Berlin will er auch bleiben.
Ein bekennender Jude zu sein heißt für ihn, ständiges Lernen, Lesen und Diskutieren von Thora und Talmud, der mündlichen Tradition des rabbinischen Judentums.
Jehoschua Bieler
Das ist ein 24-Stunden-Job, der nie aufhört. Das geht mit dem ersten bewussten Gedanken bei uns los und endet mit dem letzten bewussten Gedankengang, sobald man es kann bis zur Bahre.
Man ist immer religiöser Jude. Es gibt immer irgendwas, was das religiöse Leben beeinflusst, was einem selber allerdings nicht auffällt. Weil es normalerweise so inkorporiert ist wie Schuhe zubinden.
Fünf mal am Tag kommt der Minjan, die Gemeinschaft der Gläubigen, zum Lob Gottes zusammen. Jehoschua Bieler ist heute der Vorbeter, ein Ehrenamt.
Auch wenn Beten und das Studium der Heiligen Schriften für ihn zentral sind, so steht Jehoschua Bieler doch mitten im Leben. An der Berliner Charité hat er Medizin studiert. Dort betreut er heute noch Sonographiekurse für Kommilitonen.
613 religiöse Gesetze muss ein gläubiger Jude einhalten. Eines der wichtigsten: Schabbat vom Freitag- bis Samstag-Abend halten und in dieser Zeit auf strengste Ruhe achten.
Für Jehoschua Bieler ist sein strenger Glaube aber kein Widerspruch zur Medizin.
Jehoschua Bieler
Vom Gefühl her ist für mich Schabbes das Wichtigste, der Tag, an dem ich in der Familie bin, an dem ich in der Synagoge gehe. Unter der Woche mache ich das auch, aber dort mit Sicherheit, weil es ein schönes Erlebnis ist. Und das ist der Tag, an dem ich zur Ruhe verpflichtet bin.
Aber das selbe göttliche Gesetz verpflichtet mich auch, Leben zu erhalten. Wenn ich am Schabbes einem Notfall begegne, werde ich natürlich als Mediziner sofort handeln.
Für Jehoschua Bieler ist ein weiteres religiöses Gesetz, dass auch seine Ehefrau eine streng gläubige Jüdin sein muss.
Louisa ist so eine junge Frau. Sie kommt aus den USA. Mit ihr plant er seine Zukunft.
Zwei junge Juden in Berlin.
Beitrag von Thomas Klatt
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
http://www.rbb-online.de/himmelunderde/archiv/himmel_und_erde_vom31/jung_und_glaeubig.html