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Himmel und Erde
Himmel und Erde

Sa 04.02.12 18:02

Zivilcourage

Zivilcourage zeigen - das heißt auch, die möglichen Konsequenzen zu tragen, selbst Schläge abzubekommen oder Mobbingopfer zu werden.
Wie lässt sich die Angst vor diesen Konsequenzen überwinden? Wie finden sich Mitstreiter? Und: wie kann man sein eigenes Risiko minimieren?

Die „Berlinerin des Jahres“ Monika Schultz hat einen Talismann. Die neue Armbanduhr ist ein Geschenk der Berliner Polizei für ihre Zivilcourage.

Monika Schultz
Das ist für mich eine ganz große Auszeichnung gewesen. Die Uhr habe ich seitdem jeden Tag an, außer, wenn ich ins Bett gehe, ansonsten habe ich sie immer an, ohne die Uhr gehe ich nicht mehr aus dem Haus.

Auch Suat Özkan hat nicht weggeschaut, sondern ist mutig gegen Gewalttäter eingeschritten. Das Opfer konnte entkommen, doch dann wurde er selbst attackiert. Mit Reizgas und einem Faustschlag aufs Auge.

Dr. Suat Özkan
Es war unerwartet, dass jemand dann Pfefferspray nimmt, obwohl sie was Gutes wollen, obwohl sie helfen wollen, dann am Ende aber sie die Schmerzen spüren müssen, das ist keine gute Erinnerung, ehrlich gesagt.

22. Oktober. Morgens um acht geht Monika Schultz zur S-Bahn

Monika Schultz
Von oben waren schon lauter Stimmen zu hören, waren so paar junge Männer, die sich laut unterhalten haben. Dann haben sie sich gestritten ohne Ende, das war richtig fürchterlich…Bis der eine losgestürzt ist, auf den anderen drauf, hat ihn getreten, gleich runtergeschmissen auf die Pflastersteine hier.

Ich hab von da hinten aus die Polizei angerufen und gesagt, ich misch mich jetzt ein, und bin dann auf den Täter und die Gruppe zugegangen Der eine hat sich abseits gestellt, der andere hat so gekämpft mit dem, hat man genau gesehen, dass der den mit Absicht runter geschmissen hat.

Neunzig Zentimeter tief, auf die Gleise, dicht an der Stromschiene.
Die 55jährige kniet sich auf die Bahnsteigkante und will dem Verletzten helfen.

Monika Schultz
Ich hab dann geschrieen, dass einer die S-Bahn ruft, dass die Bahn nicht einfahren kann. Keiner hat reagiert, dann kam ein Passant von oben, der hat mir geholfen, den Mann aus den Gleisen zu ziehen.

Hilfe - buchstäblich in letzter Minute.

Monika Schultz
Gerade noch geschafft, ein paar Minuten später ist die S-Bahn eingefahren, das war Glück im Unglück, wenn die S-Bahn früher gekommen wäre, hätte sie nicht nur den Verletzten mitgeschleift, dann hätte sie mich auch mitgeschleift.

12. November, Bahnhof Gesundbrunnen. Ein anderer Fall. Der promovierte Jurist Suat Özkan sieht, wie drei Männer eine junge Frau belästigen.

Dr. Suat Özkan
Der eine hat sich zu ihr gestellt und hat angefangen, sie zu begrapschen, das war der Punkt wo ich gesagt habe, ich geh jetzt höflich hin und spreche sie an.
Könnt ihr mir bitte einen Gefallen tun und das Mädchen in Ruhe lassen, sie hat euch nichts getan. Wenn ihr euren Spaß haben wollt, woanders, aber lasst das Mädchen in Ruhe.

Dann zog der eine was aus seiner Tasche, ich dachte ist das ein Messer, dann sprühte er etwas, ich war perplex, bin dann weggegangen… Dann habe ich angefangen zu schreien, nach Hilfe, ich kann nicht atmen, ich kann nicht sehen
Dann kam dieser Schlag, fast ein Knock-Out-Schlag, den ich bekommen habe, aufs linke Auge, dann habe ich was Rotes gesehen…

Da waren so viele Leute, keiner hat geholfen, dann habe ich hier drauf gedrückt, habe gesagt, ich wurde angegriffen, ja und hm, bis ich einen angefasst habe und gesagt habe: Bitte helfen sie mir doch einfach!

Im Fall von Monika Schultz auf dem S-Bahnhof war keine Zeit für einen Notruf. Ein Verletzter lag im Gleis. Sie musste sofort handeln.

Monika Schultz
In dem Moment vergisst du einfach die Angst, da geht es nur darum, dem Opfer zu helfen, einzuschreiten, was zu tun, was zu unternehmen.
Man hat zwar nur Sekunden oder Minuten, man kann es einschätzen, wenn der keine Waffe trägt, kein Messer, kein Schlagstock, der hat nur seine Hände, man sieht was los ist.

Pöbeln, schlagen, zutreten – es passiert fast jeden Tag. Suat Özkan hat seine Unbefangenheit verloren, wenn er in der Stadt unterwegs ist.

Dr. Suat Özkan
Ich hab eher ein mulmiges Gefühl und bin jetzt vorsichtiger, ich beobachte sehr viel, gucke mir die Situation genau an und nehme anders wahr als vorher. Man ist sensibilisierter. Ich würde wieder einschreiten, weil es wichtig ist, was wir machen.


Beitrag von Margarethe Steinhausen



Dieser Text gibt den Sachstand vom 04.02.2012 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

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Hinweise der Berliner Polizei zum Verhalten in Bedrohungssituationen

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