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Die anonyme Bestattung ist ihm genauso ein Graus wie der 0815-Grabstein.Wilfried Christiansens Werke sollen die Persönlichkeit des Verstorbenen spiegeln und den Hinterbliebenen Trost und Hilfe spenden.
Wilfried Christiansen
Ich bin Wilfried Christiansen, 41 Jahre alt und seit 24 Jahren Steinmetz.
Ich mache individuelle Grabsteine, weil bei den ganz normalen Grabsteinen, die man so alltäglich sieht, auf dem Friedhof, da hatte ich nicht so das Gespür, dass das meins ist. Dafür habe ich nicht Steinmetz gelernt.
Ich möchte am Stück stehen, ich möchte eine Oberfläche bearbeiten, ich möchte den Stein spüren und mit dem Kunden gemeinsam was erarbeiten.
Oma Kleinschmidt kommt nicht zu mir. Zu mir kommen Menschen, die ihre Kinder verloren haben, egal welches Alter die Kinder nun hatten bzw. Leute, die ihre Ehepartner oder Freunde verloren haben.
Aber dass Oma jetzt zu mir kommt und für Opa einen Grabstein möchte, dafür findet sie mich auch nicht sofort. Ich bin ja nicht am Friedhof, man muss mich wirklich im Internet finden oder auf dem Friedhof was gesehen haben.
Der Stein für Eva Widrat ist gemeinsam mit der Mutter entstanden. Die Mutter hatte die Ideen, hat das Material ausgesucht, den Sandstein.
Die Eva hatte einen Tonelefanten modelliert. Den habe ich dann in Bronze gießen lassen. Der Elefant bedeutet: die Eva war ein ganz stabiles, mächtiges junges Mädchen und sehr empfindsam. Und das soll halt der Elefant auch darstellen.
Mit Familie Widrat haben wir hier mit Mutter und Vater noch mit einem Sekt angestoßen und uns über die Arbeit gemeinsam gefreut, die wir da in sicherlich drei, vier Monaten gemeinsam entwickelt haben. Das ist häufiger, dass man dann mit einem Glas Sekt anstößt und dann ist auch wieder so ein Schritt in der Trauerarbeit beendet.
Bei dem Stein findet sich die Treppe, die mache ich relativ häufig. Die Treppe ist für mich das Symbol des Lebens. Stufe für Stufe. Darum ist die Treppe auch nicht ganz akkurat, sondern die Lebensstufen sind ja auch immer unterschiedlich. Und die Treppe mündet hier in einem Durchbruch. Der Durchbruch ist für mich das Symbol des Überganges in was anderes, das wir nicht wissen und es nimmt auch dem Stein die Schwere.
Dieser Stein wiegt, denke ich, 250 – 300 Kilo. Der Stein geht nach Hamburg. Da habe ich einen Hamburger Kunden, die den haben. Da werde ich jetzt nur die Schrift auflegen, Fotos machen für die Familie, ob das so angenehm ist mit der Schrift.
Wenn die sagen ‚ja‘, dann werde ich die Schrift reinhauen. Und nach Hamburg fahren und den Stein dort aufstellen. Und das geht heutzutage alles mit Internet und Dateien, Telefon. Also die Kunden werden nicht in der Werkstatt sein und sich den angucken.
Ich sag immer: ich bin das Handwerkszeug von meinen Kunden. Ich bin das Werkzeug. Die Ideen, die sie haben, versuche ich so umzusetzen, dass es den Kunden gefällt.
Beitrag von Torben Zimmermann
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
http://www.rbb-online.de/himmelunderde/archiv/himmel_und_erde_vom4/in_stein_gehauen.html