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In Götschendorf bei Templin wurde vor einem Jahr ein russisch-orthodoxes Kloster gegründet. Fördergelder gibt es aus Russland und vom Land Brandenburg, doch es ist noch viel zu tun. Zumal von den vorgesehenen dreißig Mönchen erst vier in der Uckermark leben.
Ein neues Kapitel in Daniel Dolgovs Leben: der 22-Jährige aus dem russischen Woronesch hat sich ins ferne Brandenburg gewagt - in das neue russisch-orthodoxe Kloster im verschlafenen Götschendorf.
Daniel Dolgov, Mönchpriester im Kloster Götschendorf
Es ist wunderbar und eine gute Entscheidung, das Kloster gerade hier zu gründen, weit weg von jeder großen Stadt. Hier ist absolute Ruhe; ideale Bedingungen für einen Mönch fleißig zu arbeiten, sich seinen Ritualen zu widmen und zu beten.
Auf dem Gelände steht ein ramponiertes Herrenhaus. 1910 erbaut, diente es unter anderem als Gästehaus Hermann Görings und in der DDR Armee und SED als Erholungsheim. Dann kamen Leerstand und Verfall. Nach der Sanierung soll es als Hotel für Pilger aus ganz Europa dienen.
Genutzt wird bisher nur ein Raum im Erdgeschoss.
Daniel Dolgov, Mönchpriester im Kloster Götschendorf
Hier haben wir unseren improvisierten Haustempel. An wichtigen Feiertagen, wenn viele Leute kommen, halten wir hier Gottesdienste ab.
Priester statt Partygänger. Ein Weg, für den sich Daniel schon sehr früh entschieden hat.
Daniel Dolgov
Seit meiner Kindheit, seit ich 13 war, habe ich den Wunsch das zu machen. Mit 20 habe ich dann endgültig entschieden, Priester und Mönch zu werden und mein Leben Gott, der Kirche und den Menschen zu widmen.
Natürlich bietet das Leben viele Zerstreuungen und Vergnügungen. Sicher könnte ich auch bequem und konsumorientiert leben, aber es gibt eben Menschen, die spüren, dass sie von Gott zu etwas Anderem berufen sind - ihm und den Menschen zu dienen. So ist es bei mir. Darum habe ich mich so entschieden.
Nach dem allmorgendlichen Gottesdienst im Wohnhaus gibt’s Frühstück. Getreidebrei mit Früchten und Tee.
Manchmal ist dann Zeit für einen Spaziergang. Im Dorf ist Daniel schon bekannt. Zum Beispiel bei Frau Morcha, die es aus Süddeutschland in die Uckermark verschlagen hat.
Gisela Morcha
Er könnte mein Enkel sein. Er ist sehr nett, ja und hat ab und zu mal Heimweh. Und dann kommt er rüber und dann erzählt er von zuhause und dann tut’s ihm wieder gut. Gell, Daniel?
Die Alteingesessenen in Götschendorf kannten Russen bisher nur als Soldaten. Die russisch-orthodoxen Mönche sind etwas ganz anderes.
Nachbar
Wir sind mit den Leuten eigentlich zufrieden, mit den Leuten hier. Ich meine so persönlich haben wir noch keinen großen Kontakt. Wir freuen uns, dass sie hergekommen sind, sonst hätten sie irgendwann Götschendorf plattgemacht.
Bauen statt plattmachen. Im Rohbau schon fast fertig: Die Kirche des Klosters. Der sakrale Bau des bekannten Architekten Sergei Tchoban wird einmal mehr als 300 Menschen fassen. Einweihung ist nächstes Frühjahr - so Gott will.
Daniel Dolgov, Mönchpriester im Kloster Götschendorf
Hier sehen wir den Entwurf des Heiligen Georgij-Klosters mit dem dann restaurierten Schloß und der Hauptkirche. Sie bekommt eine Ikonenwand aus Marmor und eine Glockenmauer. Wir hoffen, dass die Kirche bis Mai des nächsten Jahres fertig sein wird.
Aber auch mit dem Hier und Jetzt im ländlichen Brandenburg hat sich Daniel Dolgov gut arrangiert. Angestarrt wird er inzwischen nicht mehr.
Daniel Dolgov
Als ich hier ankam hatte ich zwar keine Angst, aber war schon aufgeregt: Hier war alles neu und anders. Aber ich habe nette Menschen kennengelernt und fühle mich jetzt wohl.
Daniel Dolgov ist entschlossen dabei zu bleiben. Vielleicht wird er das Kloster irgendwann mal leiten, als Abt. Oder er wird sogar Bischof.
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
http://www.rbb-online.de/himmelunderde/archiv/himmel_und_erde_vom7/moenche_in_der_uckermark.html