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Die Polenreise des Papstes im Juni 1979 hat die wahren Kräfteverhältnisse in Polen aufgedeckt. Krzysztof Czajka spricht mit Menschen, die 1979 dabei waren. Sie berichten, wie die Predigten des Papstes auf sie gewirkt haben.
Solidarnosc besiegelte Untergang des Kommunismus
Mit der Freiheitsbewegung in Polen und der Gründung der Solidarnosc begann der Untergang des Kommunismus in den osteuropäischen Ländern, so sehen es Historiker heute. Dass der Besuch des Papstes Johannes Paul II. 1979 in Polen den Untergang der Herrschaftsideologie Osteuropas einleitete, konnte damals noch niemand voraussehen. Karol Wojtyla, der polnische Papst, gab seinen Landsleuten den Mut zum Aufbruch. Ein gutes halbes Jahr nach seiner Wahl zum Papst reiste er in seine Heimat.
Der Papst veränderte Polen
Nach neun Tagen verließ er ein verwandeltes Polen. Der Papst traf mit seinem Auftreten und seinen Messen einen Nerv in der Bevölkerung. Im Gegensatz zu den Auftritten der Parteifunktionäre wirkte sein Auftritt wahrhaftig und glaubwürdig. Und er machte den Menschen deutlich, wie stark sie in ihrer Gemeinsamkeit waren.
Sein Besuch war wie eine Initialzündung
Der Geist des Herrn möge "das Antlitz der Erde, dieser Erde verändern", rief Johannes Paul II. den Polen 1979 zu. Er forderte sie auf, das Evangelium zu leben und sich dem Nächsten zu öffnen. Obwohl Johannes Paul die Regierung nicht ansprach, auch nicht über sie sprach, sondern sie komplett ignorierte, verkörperte er eine Fundamentalopposition gegen die kommunistische Doktrin. Sein Besuch in Polen wirkte wie eine Initialzündung zur Überwindung der sozialistischen Herrschaft in Osteuropa.
Damals nahm jeder zweite Erwachsene Pole an einer vom Papst zelebrierten Messe teil. Noch heute erinnern sich Polen, die damals dabei waren, an ein plötzlich aufkommendes Gefühl der Einheit und der Stärke.
Für die polnischen Kommunisten stellte der Papst eine Gefahr dar
Hohe Funktionäre der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei stellten schon vor dem Besuch des Papstes fest, dass er eine Gefahr für sie darstellte. Bereits während seiner Zeit als Kardinal galt er der Partei als Problemfall, als "außerordentlich aggressiv und reaktionär".
Lange bevor er zum Papst gewählt wurde, lautete das Urteil eines Parteifunktionärs über ihn: "Dieser Krakauer Kardinal ist uns nicht gelungen."
Die staatlichen Medien versuchten damals bei den Direktübertragungen die Wirkung der Predigten zu begrenzen, indem sie sich bemühten, die Millionen Menschen in ihrer Begeisterung nicht zu zeigen, was aber vollkommen misslang.
Film von Krzysztof Czajka
Erstausstrahlung 30.04.2011/rbb
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
http://www.rbb-online.de/himmelunderde/reportagen/der_papst__die_polen.html