Sie sind hier:
rbbonline | Reportagen - Videos on Demand

Autorin Christel Sperlich stellt drei Menschen vor, die von ihrer Rente nur in Armut leben können. Sie fragt nicht nur "was" sicher ist, sondern auch "wie viel" sicher ist.
Der Film begleitet drei praktische, tatkräftige Menschen, die ihr Leben selbst in die Hand genommen haben, die allerdings im Alter auf an Grenzen stoßen, die sie nicht mehr überwinden können.
Hannelore Nehls, 68 Jahre alt, hat 43 Jahre lang gearbeitet. Jetzt, als Rentnerin, würde sie gern noch viel unternehmen, aber Armut macht sie unbeweglich. Ihre alte Pilzstelle in Spreenhagen möchte sie gerne mal wieder besuchen, aber 35 Kilometer Bahnfahrt würden sie 7.60 Euro kosten. Die hat sie nicht übrig.
Hannelore Nehls Ehemann starb früh, sie hat ihre drei Kinder allein groß gezogen. Zehn Jahre hat sie als Verpackerin beim Zeitungsvertriebsamt im 3-Schichtsystem gearbeitet, danach 6 Jahre am Fließband für den ehemaligen VEB Schall- und Isolierung, später als Verkäuferin im HO-Markt.
Heute sammelt sie Flaschen aus Müllbehältern, um ihren Enkelkindern ein Eis kaufen zu können.
Es fällt ihr nicht leicht, ihre Armut öffentlich zu machen, aber sie will, dass andere wissen, wie es ihr nach einem Leben voll Arbeit und Anstrengung geht.
Margit Himmel, 66 Jahre alt, sucht händeringend nach einer Zusatzarbeit, um ihre Rente aufzubessern. Sie gibt Anzeigen auf, antwortet auf Annoncen und versandte 120 Bewerbungen - ohne Erfolg. Sie ist sich sicher: Menschen in ihrem Alter sind einfach nicht mehr erwünscht.
Mit ihrer Rente von 740.- Euro liegt sie knapp über der Grundsicherung von 724.-Euro. Sie fühlt sich allein gelassen, macht einen verzweifelten Versuch und schreibt ans Kanzleramt. In ihrem Brief fordert sie ein Alterseinkommen, das ein menschenwürdiges Leben ermöglicht.
Wolfgang Jahns, Bauingenieur, 65 Jahre alt. Nach der Wende verlor er seine Arbeit und fand, bis auf einige kurzfristige Jobs, keine beitragspflichtige Anstellung mehr. Er ist alleinerziehend und lebt zusammen mit seiner 17-jährigen Tochter, die noch Schülerin ist.
Mit seiner kleinen Rente fühlt er sich ins Abseits gedrängt und sozial isoliert. Viele seiner Bekannten, die besser situiert sind, zeigen kein großes Interesse mehr an ihm.
Christel Sperlich greift ein Problem auf, von dem in den kommenden Jahren immer mehr Rentner betroffen sein werden, denn lückenlose, berufliche Biographien gibt es immer seltener.
Film von Christel Sperlich
Erstausstrahlung 27.11.2010/rbb
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
http://www.rbb-online.de/himmelunderde/reportagen/die_rente_ist_sicher.html