Auf der Trauerfeier zur Kremierung wird langsamer Walzer getanzt; Quelle: rbb
Auf der Trauerfeier zur Kremierung wird langsamer Walzer getanzt. Live-Musik von Isabel Neuenfeldt.

Wie man Abschied gestalten kann - Tanz im Krematorium

Die Bestatterin Susanne Jung will den Hinterbliebenen nicht alles abnehmen. Sie macht Mut, Trauer zuzulassen und die letzten Liebesdienste selber zu gestalten ‑ auch mal auf ungewöhnliche Weise. Der Steinmetz Michael Spengler bietet keine fertigen Grabsteine an. Jedes Denkmal entsteht neu und ist einzigartig. Jung und Spengler gehören zu einem Netzwerk von Menschen, die täglich mit dem Tod arbeiten.

Susanne Lang musste Abschied nehmen. Ihr Mann starb nach schwerer Krankheit zu Hause. Die erfolgreiche Unternehmerin hatte sich vorher noch nie Gedanken darüber gemacht, wie es nach dem Tod ihres Mannes weitergehen würde. So rief sie eine Bestatterin an, die ihr ein Bekannter empfohlen hatte ‑ für Susanne Lang ein Glücksfall in einer schweren Zeit.

Die Bestatterin Susanne Jung will die Menschen, die von einem Angehörigen Abschied nehmen müssen, liebevoll und professionell begleiten. Sie stellt alte ‑ oft vergessene ‑ Rituale vor, macht aber auch Mut, neue Formen zu wagen. Viele Menschen wissen gar nicht, dass man den Verstorbenen noch einige Tage zu Hause aufbahren darf, damit Freunde und Verwandte Abschied nehmen können. Und warum sollte nicht mal im Krematorium Walzer getanzt werden?

Der Steinbildhauer Michael Spengler stellt den Angehörigen viele Fragen zum Verstorbenen und nimmt sich Zeit. Aus welchem Material soll der Stein sein? Und welche Form passt zu dem Menschen, an den das "Denkwerk", wie Michael Spengler es nennt, erinnern soll?

Der Film stellt Menschen vor, die den Tod nicht aus dem Leben verdrängen wollen und die Mut machen, den Abschied selber zu gestalten.

Ein Film von Torben Zimmermann

Erstausstrahlung am 21.02.2015/rbb Fernsehen

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