
Ab 6 Jahre - Das Geburtstagskind
Etwas Schreckliches überschattet Ninnis heiß ersehnten Geburtstag.
Schon das Cover zeigt: Geburtstagskind Ninni muss sich ganz schön anstrengen. Nicht nur, um beim Auspusten alle sieben Kerzen zu erwischen. Nein, da schwingt noch eine andere Anstrengung im Gesicht der kleinen Heldin mit. Kurz vor ihrem heiß ersehnten Geburtstag ist nämlich etwas passiert. Erst etwas Schönes: Ninni durfte endlich bei Ebba zu Besuch sein – Ebba, deren beste Freundin sie gerne wäre. Dann etwas Schreckliches: Gegen Ebbas Verbot hat sie das kleine Goldherz berührt, das Ebba auf einem blauen Kissen in Ehren hält. Es war so glatt und glänzend, in einem unbeobachteten Moment will Ninni es nur einmal kurz anlecken und fühlen … da kommt Ebbas Mutter ins Zimmer, Ninni erschrickt, schluckt, das Herz ist weg. Verschluckt? Hinuntergefallen? Ninni weiß es nicht. Und weil sie keine Erfahrung mit einem solchen Schockmoment hat, verschweigt sie alles überrumpelt. Prompt kommt am Abend nicht nur der mütterliche Beschwerde-Anruf. Am Montag meldet sich Ebba in der Schule und sagt vor allen Kindern, dass Ninni eine Diebin sei … Wie kann sie denn da nur am Dienstag ihren Geburtstag feiern?
Glaubhaft dicht an der kindlichen Realität
Sorgenvoll sieht Ninni ihrem Ehrentag entgegen. Wie schlimm, dass sie an ihrem eigenen Geburtstag so traurig sein muss! Und was für eine Erlösung, als nach dem Kinderfest Ebbas Mutter kommt und beiläufig das goldene Herz aus der Tasche zieht. Sie hat es beim Staubsaugen gefunden.
Knapp und schlicht schildert Autorin Rose Lagercrantz in acht kurzen Kapiteln die Wechselbäder der Gefühle, die wendungsreiche Handlung. Von Mittwoch bis Mittwoch erstreckt sich Ninnis Geschichte, jeder Wochentag ist ein Kapitel. Lagercrantz ist eine aufmerksame Erzählerin, die nichts unnötig aufbauscht oder psychologisiert, sondern glaubhaft dicht an der kindlichen Realität entlang schreibt. Sie lässt der Mutter die Beiläufigkeit der Entdeckung nicht durchgehen, dafür wog der Verdacht zu schwer. Indem sie die Reaktionen der Erwachsenen spiegelt, kommt sie nicht nur dem Gerechtigkeitsempfinden der kindlichen Leser entgegen, sondern zeigt ihnen auch ohne moralischen Zeigefinger: Man muss richtigstellen, was man verbockt hat. Deutlich sagt der Vater, dass er wusste, dass Ninni keine Diebin ist. Vor der Klasse verlangt die Lehrerin von Ebba, dass sie nun auch allen die Wahrheit über das Verschwinden und Auftauchen des Herzens mitteilt.
Geradezu perfekt ergänzen die Bilder das Wort. Susanne Göhlich erfasst mit einfachem Strich das Ungesagte zwischen den Zeilen. So kommt nicht nur der authentische, dabei humorvolle Gestus der beiden Künstlerinnen zum Ausdruck, sondern auch der optimistische Grundton. Denn ohne Arg findet Ninni es jetzt richtig schön, sieben Jahre alt zu sein!
Sonja Kessen, kulturradio

