
Ab 7 Jahre - Mimi macht´s möglich
Mimis und Heinis Erlebnisse machen Spaß
Mimi muss zu Hause einiges aushalten: Mal vermasselt ihr die kleine Schwester Heini das Bohnen-Experiment, mal kreischt sie laut herum, weil sie nur noch orangefarbene Gummibärchen essen will, mal hält sie alle auf Trab, weil sie ihren geliebten Hasi Hoppela verloren hat. Die Dreijährige hat ihre Familie bestens im Griff – die Neunjährige steckt genervt zurück. Dabei bräuchte Mimi gerade jetzt Zeit und Ruhe für sich, steht in der Schule doch die große Kunst-Nacht an. Eine Ausstellung zu der alle Schüler beitragen sollen. Mimi ist begeistert, sie malt gerne. Nur: was? Wie? Und vor allem: wann? Wenn Heini doch dauernd die Aufmerksamkeit auf sich lenkt …
Mimi merkt, dass sie lernen muss, sich abzugrenzen und sich auf das zu konzentrieren, was sie tun will. In der Bibliothek kommt sie dem Künstler Henri Matisse auf die Spur und probiert aus, mit der "Schere zu zeichnen". So gelingt es ihr in letzter Minute doch, ihren kreativen Beitrag zur Kunst-Nacht zu leisten. Aber natürlich hat auch Heini einiges mit der ausgefeilten Schnitttechnik zu tun, die Mimi ihrem Bild angedeihen lässt.
Diese Familie kann nichts erschüttern
Mit Mimi macht's möglich ist zum ersten Mal ein Kinderbuch der kanadischen Autorin Victoria Miles ins Deutsche übertragen worden. Humorvoll lässt sie ihre kleine Heldin aus dem turbulenten Familienalltag plaudern. 191 Seiten sind für Kinder ab sieben Jahren ein sportlicher Lektüreumfang – da kommen ihnen die kurzen, stringenten Kapitel, die reiche Bebilderung und die vielen Episoden aus dem echten Leben sehr entgegen. Dass Mimi zwar genervt, aber nicht eifersüchtig auf Heinis Allüren reagiert, erklärt sich aus dem Altersabstand und auch aus der stabilen Familienstruktur. Diese Familie kann nichts erschüttern, sie hat einen nachsichtig-vergnügten Umgang miteinander.
Dass Miles die Ich-Perspektive einer Neunjährigen für ihre Erzählung wählt, ist an den Stellen nicht glücklich gewählt, an denen das Humorvolle ins Ironische abgleitet. Da wirkt Mimi wie eine abgeklärte Jugendliche, nicht wie ein Kind. Hätte sie als Jugendliche im Rückblick davon erzählt, was sich vor ein paar Jahren zugetragen hat, als sie neun war, dann hätte ich ihr die ironische Kommentierung und die daraus folgende Distanz eher abgenommen. Und noch eher einem von vornherein personalen oder allwissenden Erzähler. Diese Wahl schmälert den Lesegenuss etwas, insgesamt aber machen Mimis und Heinis Erlebnisse einfach Spaß.
Sonja Kessen, kulturradio

