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KLARTEXT
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Mi 21.09.11 22:15

Kampf-Radler auf Berlins Straßen - ist die Polizei machtlos?

Täglich liefern sie sich erbitterte Kämpfe um die Vormacht bei der Fortbewegung: Autofahrer versus Radfahrer und Radfahrer versus Fußgänger. Politik und Polizei sind hier nur Statisten. Ein mögliches Bußgeld ein hinnehmbares Risiko. Alles nur ein Vorurteil? Eine kurze Reportage über den alltäglichen Wahnsinn auf Rädern.

Der Drahtesel wird für viele Berliner immer mehr zum Verkehrsmittel Nummer Eins. In einem Städtevergleich steht Berlin unter Europas Metropolen schon ganz weit vorne in Sachen Fahrradnutzung. Kein Wunder: Radeln ist ökologisch korrekt und gesund noch dazu. Aber Fahrradfahrer sind ja schließlich nicht alleine auf der Straße. Immer wieder kommt es daher zu Konflikten und Rangeleien zwischen Radlern und Autofahrern. Iris Marx hat sich mal mit der Kamera dazwischen gestellt.

500.000 Menschen sind in Berlin täglich mit dem Rad unterwegs. Ihr Anteil am Verkehr: 15 Prozent – doppelt so viel wie noch vor einigen Jahren. Eine gute Entwicklung, für die Umwelt, aber – nicht für uns, sagen Autofahrer.

Taxifahrerin
„Es ist der absolute Alptraum, die Radfahrer. Es gibt vielleicht 20 Prozent, die sich wirklich nach den Verkehrsregeln richten, die ihre Fahrtrichtung anzeigen und die sich wirklich tatsächlich ordentlich verhalten. Alle anderen kommen aus allen Ecken raus, ob Radfahrweg, ob über den Bürgersteig, hinter den Hecken vor. Also, der absolute Alptraum.“

Taxifahrer
„Am schlimmsten ist die verkehrten Fahrtrichtungen zu fahren und trotzdem noch eine nicht vorhandene Vorfahrt in Anspruch nehmen.“

Taxifahrer
„Auf der Danziger Straße. Da hat mich einer richtig beschimpft, ich soll in Ankara Taxi fahren, nicht in Berlin. Der hat auf mein Auto geklopft und mich einen Idiot genannt.“

Aber auch auf der anderen Seite gibt’s Gesprächsbedarf. Sie stört nämlich am Verkehr…

Fahrradfahrer
„...na, die Autos!“

Kurier
„…Er überholt und ohne großartig zu blinken, parkt der ein. Und zwar so knapp nach dem Radfahrer, dass der geistesgegenwärtig gerade noch bremsen konnte, sonst wäre der dem in die Tür gerast.“

Der Konflikt auf der Straße schlägt sich auch in der Unfallstatistik nieder: Es kam zu 4.000 Unfällen mit Fahrradbeteiligung bereits in diesem Jahr, eine Steigerung um acht Prozent.

Beeindruckend hoch ist die Quote bei Verkehrsverstößen, die von Radfahrern begangen werden: Laut Senat sind von 1300 Verkehrsverstößen 1047 von Radfahrern begangen worden.

Eine Auswahl: Junge Frau auf Gepäckträger: „5 Euro für die Beförderung einer über sieben Jahren alten Person“

Eine Rotfahrt: 45 Euro. War die Ampel länger als eine Sekunde rot: 100 Euro

Fahren auf dem Gehweg: 10 bis 15 Euro

Kurier
„Also, bei mir hat es zweimal bis jetzt gekracht. Ja, ich war schuld!“

Mathias Gille, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung
„Radfahrer sind tendenziell die gefährdetsten Verkehrsteilnehmer. Dennoch benehmen sie sich teilweise im Straßenverkehr nicht nur unvorsichtig, sondern rücksichtslos gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern. Man kann von Rowdytum sprechen. Es geht ein Stück weit auch um eine Kultur, die im Moment auch als eine Ich-hab-immer-recht-Kultur und Ich-will-durch-Kultur bekannt ist. Das kann man so auf Dauer nicht zulassen, zumal dann, wenn der Radverkehr zunimmt, die Gefahren für alle anderen ansteigen.“

Benutzung eines Mobiltelefons: 25 Euro. Fahren auf einem Gehweg: 10 bis 15 Euro

Aber die Bußgelder und die Polizei werden nicht ernst genommen:

Thomas Drechsler, Polizei Berlin
„Ich glaube, mit erhöhten Bußgeldern kann man niemanden schocken. Da wird man vielleicht den einen oder anderen bewegen können, sich verkehrskonform zu verhalten, aber sie werden nicht die Masse… Dafür sind die Verwarnungsgelder zu gering.“

Aber dass Berlin für den massenhaften Anstieg der Räder nicht wirklich ausgelegt ist – das weiß auch der Senat für Stadtentwicklung: Er plant eine neue Fahrradstrategie. So wird getestet, ob etwa eine grüne Welle für Radfahrer einzuführen ist und mehrspurige Radwege.

Die Planungen im Senat dauern allerdings zu lange, beklagt der Allgemeine Deutsche Fahrradclub:

Philipp Poll, Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club
„Die Personaldecke ist so dünn, dass diese Planungsphasen unheimlich lang sind und dass es dann viel zu lange dauert. Wir erwarten vom Senat – vor allem von dem neuen Senat -, dass in der Frage Abhilfe geschaffen wird.“

Bis es soweit ist, möchte der Senat zumindest schon einmal an das Bewusstsein der Radfahrer appellieren.

Mathias Gille, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung
„Es gibt eine Radverkehrskampagne, die wir im nächsten Jahr starten wollen, zusammen mit Freiburg, finanziert von der Bundesregierung. Diese beinhaltet vor allem: Anmerkungen und Untersuchungen zur Frage: Wie können Radfahrer Verkehrsregeln einhalten und auch einsichtiger werden. Wir können nur an die Einsichtigkeit appellieren.“

Bis dahin heißt es weiter in der Stadt: Kampf den Kampfradlern…, aber immerhin stimmt deren CO2-Bilanz


Autorin: Iris Marx

Dieser Text gibt den Sachstand vom 21.09.2011 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

http://www.rbb-online.de/klartext/archiv/klartext_vom_21_09/kampf_radler_auf_berlins.html

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