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Mi 26.10.11 22:15

Nachklapp: Konsum Berlin - Erste Genugtuung für Genossenschaftler

Acht Jahre lang haben enttäuschte Mitglieder der Konsumgenossenschaft Berlin darauf gewartet, dass endlich etwas passiert. Manche von ihnen hatten ihre Altersvorsorge in den traditionsreichen Konsum Berlin gesteckt und bei dessen Insolvenz alles verloren. KLARTEXT hatte mehrfach darüber berichtet. Und nun endlich kommt Bewegung in die Geschichte.

Immer wieder fragen Zuschauer nach, was aus Affären und Skandalen geworden ist, die wir aufgedeckt haben. Ein solcher Fall ist der des Konsum Berlin. Bei dessen Insolvenz hatten zahlreiche Anleger ihr Geld verloren. Jetzt endlich hat die Berliner Staatsanwaltschaft – nach achtjähriger Ermittlung - Anklage wegen Betrugsverdachts erhoben. Gabi Probst fasst nochmal zusammen.

Klaus George aus Berlin hat unverschuldet an die Konsumgenossenschaft Berlin 75.000 Euro verloren. Fast hätte er resigniert.

Klaus George
„Das Geld ist weg, ich selbst habe praktisch keine Hoffnung, dass davon jemals irgendwas zurück kommt.“

Dabei hatte er auf den guten Namen „Konsum" gesetzt. Jetzt hofft er nur noch auf Gerechtigkeit. Zum Beispiel im Fall von Hannelore Winter. Sie saß im Vorstand der traditionsreichen Konsumgenossenschaft, hatte diese sogar über die Wende gerettet. Klaus George glaubte ihren Versprechungen und hat deshalb dem Konsum Berlin seine 75.000 Euro anvertraut.

Sechs Prozent Dividende wurden dafür versprochen. Doch es kam anders. Kurze Zeit später ging Konsum Berlin in die Insolvenz, das Ersparte war weg wie von vielen anderen Anlegern auch, insgesamt 57 Millionen Euro.

Hannelore Winter dagegen verdiente - trotz Insolvenz - monatlich 12.000 Euro, später 10.000 Euro - anscheinend ohne schlechtes Gewissen. KLARTEXT berichtete 2008 darüber, auch über ihre - bis dahin - verschwiegene Stasi -Vergangenheit. Nun hat die Staatsanwaltschaft Berlin Hannelore Winter und vier weitere ehemalige Mitglieder der Führungsriege angeklagt.

Martin Steltner, Staatsanwaltschaft Berlin
„Der Vorwurf lautet Betrug in bis zu 177 Fällen. Konkret wird den Angeschuldigten vorgeworfen, in den Jahren seit 2002 über die wirtschaftlichen Verhältnisse der Konsumgenossenschaft getäuscht zu haben, die Genossenschaft war nämlich bereits ab diesem Zeitpunkt in wirtschaftlichen Schwierigkeiten, beziehungsweise pleite.“

Trotzdem wurden weiter sechs Prozent Dividende versprochen und:

Martin Steltner, Staatsanwaltschaft Berlin
„…die wirtschaftliche Situation beschönigt, massiv beschönigt, verschleiert, dazu auch Verluste verschoben, auf andere Gesellschaften, auf Tochtergesellschaften. Und das hat dazu geführt, dass eine Vielzahl von Neuzeichnern getäuscht worden, sind über die wirtschaftlichen Verhältnisse und bei der Konsumgenossenschaft eingestiegen sind, investiert haben.“
KLARTEXT
„Und ihr Geld damit verloren haben?"
Martin Steltner, Staatsanwaltschaft Berlin
„ Richtig."

Klaus George baut nun auf die Justiz.

Klaus George
„Ja, ich will hoffen, dass nicht nur Frau Winter im Speziellen, sondern alle weiteren Beteiligten, ordentlich zur Rechenschaft gezogen werden, und auch persönlich in Haftung genommen werden. Im welchem Umfang, muss die Justiz entscheiden. Aber das ist ein Fall, der zumindest auch öffentlich gemacht werden muss."

Auf Anfrage hat uns der Konsum Berlin geschrieben: Der Vorstand behalte sich vor, "über eine eventuelle Freistellung von Frau Winter zu entscheiden", sollte es zu einem Prozess kommen. Wir halten Sie auf dem Laufenden.



Autorin: Gabi Probst

Dieser Text gibt den Sachstand vom 26.10.2011 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

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