Junge Türken vor einem Fitnissstudio (Quelle: rbb)

- Nachgefragt – was nach den Berichten von Klartext geschah: Fitness nur für Deutsche

Im Mai 2004 berichtete Klartext über Yelitza, eine 26jährige Sprachstudentin aus Venezuela. Ihr war die Mitgliedschaft in einem Berliner Fitneßstudio verweigert worden. Sie wurde wieder fortgeschickt, angeblich wegen einer langen Warteliste. Skandalös: Deutsche bekamen zur gleichen Zeit problemlos einen Mitgliedervertrag – ohne Wartezeiten! Als Klartext das Unternehmen mit dieser Praxis konfrontierte, versprach man Besserung. KLARTEXT hat nachgehakt, was aus dem Vertrag für Yelitza geworden ist.

Im folgenden Beitrag geht es nicht um Millionen, nicht um die große Abzocke, sondern "nur" um die alltägliche Diskriminierung von Ausländern. Eigentlich also um einen echten "Abschalter", um im Fernsehdeutsch zu reden. Die Betroffenen hätten während der Dreharbeiten denn auch beinah alles hingeschmissen. Man kann ja doch nichts dagegen tun, sagten sie noch vor einem halben Jahr. Doch da irrten sie. Die Geschichte sorgte für helle Empörung – und zwang die, die so gerne hätten, dass Ausländer draußen bleiben, zum Umdenken. Andrea Everwien berichtet.

Fitness - endlich was für den Körper tun: jetzt im Januar machen sich viele wieder auf den Weg ins Studio.

Anfang des letzten Jahres wollte Yelitza O. mit dem Training beginnen – bei dem Fitness-Discounter McFit. Das Superangebot: Training rund um die Uhr für nur 15,90 Euro im Monat – und das in sechs Filialen in Berlin. Doch die Sprachstudentin aus Venezuela wurde nicht aufgenommen. Sie sollte sich schriftlich um einen Platz auf einer Warteliste bemühen – und dann wurde sie schließlich ganz abgelehnt

Eine Warteliste im Fitness-Studio? Das kam uns seltsam vor. KLARTEXT fragte nach: Gibt es bei McFit eine Warteliste für alle? Die überraschende Antwort:

McFit-Mitarbeiterin
"Gibt keine Wartelisten.“
KLARTEXT
“Es gibt keine Wartelisten?“

Für einige gab es sie offenbar doch: für Ausländer oder solche, die so aussehen. Carmen aus Venezuela und Kemal aus der Türkei machten die Probe aufs Exempel. Das McFit-studio in Neukölln

KLARTEXT
“Wie ist es denn hier gelaufen?“
Kemal
"Wir sind nicht aufgenommen worden.“
KLARTEXT
“Hat man gesagt, Ihr könnt später wiederkommen oder es gibt eine Warteliste oder was war genau?“
Kemal
„Sie haben uns einen Zettel gegeben und wir sollen da schriftlich melden und warten und so weiter und so fort weil alle Plätze sind voll."

Das gleiche Studio, fünf Minuten später: der Deutsche könnte sofort mit dem Training beginnen.

KLARTEXT
"Du warst gerade drin, bist Du aufgenommen worden oder nicht?“
Deutscher
„Überhaupt gar kein Problem, da Mitglied zu werden, hätte dann bloß noch meinen Personalausweis rüberreichen müssen und dann hätte alles gepasst."

Im Internet fanden wir die Bestätigung: bei McFit wurden Ausländer systematisch ausgegrenzt: Ein ehemaliger Fitnesstrainer zitierte eine Dienstanweisung:

"Ausländisch aussehende Personen auf die Pseudowarteliste setzen…. Man könnte sagen, alle, die etwas Dunkelbraunes an sich haben, werden nicht aufgenommen. … Diese Liste nennt man intern 'EDV-Liste'."

Offene Diskriminierung bei McFit also – doch die Zentrale in Bayern verweigerte zunächst jedes Interview. Doch auf Dauer konnte man den Klartext-Recherchen offenbar nicht widersprechen. Am Ende räumte die Geschäftsführung schriftlich ein:

"…nach interner Prüfung des Sachverhaltes mussten wir zu unserem Bedauern feststellen, das die… Vorwürfe dem Anschein nach zutreffen. Dieses Verhalten wurde unsererseites mit sofortiger Wirkung unterbunden…."

Nur ein Lippenbekenntnis – oder ist tatsächlich Schluss mit der Diskriminierung bei McFit?

Kemal hat noch einmal dieselben Studios aufgesucht wie vor einem Jahr.
Erste Station: McFit in Neukölln: Der Mitgliedsvertrag wird ihm sogleich zur Unterschrift vorgelegt.

Gedächtnisprotokoll
Kemal
"Ist das für Probetraining oder ist das eine Anmeldung?
McFit-Mitarbeiterin
Das ist eine Anmeldung."

Kemal
"Dieses Mal haben sie mich gleich aufgenommen und sie haben mir Probetraining angeboten und sie haben nicht mal meinen Pass gefragt."

Ein Einzelfall - oder hat der Klartext-Bericht tatsächlich etwas bewirkt?

Noch ein Versuch – diesmal in Spandau. Auch hier wird Kemal höflich empfangen:

Gedächtnisprotokoll:
McFit-Mitarbeiterin
"Hier steht alles Wichtige drin ---wir haben 24 Stunden geöffnet, Probetraining brauchst du nichts bezahlen für."

Kemal
"Man hat von der Warteliste gar nichts erzählt. Das war gar kein Problem, ich könnte gleich mich anmelden. Und ich habe sogar gefragt, ob man mit Ausländern Problem hat, weil ich davon gehört habe und sie haben gesagt: Nee, überhaupt nicht, Sie können gleich anmelden."

McFit hat also Wort gehalten – der KLARTEXT-Protest hat sich gelohnt.

Beitrag von Andrea Everwien