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20 Millionen Euro gab die skandalgeschüttelte Bankgesellschaft im letzten Jahr aus für so genannte "Halte-Prämien" an "Spezialisten und Leistungsträger" – wie es wörtlich heißt. Damit diese nicht lukrativere Angebote annehmen, heißt es. KLARTEXT-Nachfragen ergaben: "Halteprämien" sind in der Bankbranche heute nicht mehr üblich. Und beim derzeitigen Arbeitsmarkt auch unnötig. Die Berliner Bankgesellschaft aber zahlt das schon seit vier Jahren! Dabei könnte sie jetzt erstmals ihre Schulden beim Land Berlin abzahlen. Aber daran ist nicht zu denken.
Wir erinnern uns: Berlin vor vier Jahren. Bei der Bankgesellschaft fliegt der größte Wirtschaftsskandal der Nachkriegszeit auf. Völlig überzogene Mietgarantien in so genannten Sorglos-Fonds für Prominente stürzen die Bank in den Ruin. Auch Parteienspenden sind im Spiel, der damalige CDU-Senat muss abtreten. Die Folgen des Desasters bekommen die Berliner und Berlinerinnen täglich zu spüren. Denn Berlin übernahm von der Bank Finanzrisiken von über 20 Milliarden Euro. Jetzt schreibt die landeseigene Bankgesellschaft zum ersten Mal wieder Gewinne. Doch wir gebeutelten Steuerzahler sehen von diesem Überschuss: nichts. Sascha Adamek und Gabi Probst berichten.
Haushaltsnotstand in Berlin. Marode Schulen, es gibt nicht einmal Geld für das Nötigste. Eltern und Kinder greifen zur Selbsthilfe - verkaufen Blumen für neue Schulmöbel:
Mädchen
„Tulpen für Tische, schöne Blumen.“
Die Wasserpreise steigen: 15 Prozent auf einen Schlag. Auch die BVG-Preise explodieren. Gestern gingen sogar die Busfahrer auf die Straße. Warnstreik. Denn: ihre Löhne sollen gekürzt werden. Doch Berlins oberster Sparkommissar, Thilo Sarrazin bleibt hart:
Thilo Sarrazin (SPD), Finanzsenator Berlin
“Ich setze auf die Vernunft der Mitarbeiter.“
Der Finanzsenator Sarrazin setzt also auf Vernunft. Als Aufsichtsratsmitglied der Bank-Gesellschaft Berlin, wie die BVG ein Landesunternehmen, bleibt Sarrazin lieber stumm, lehnt jedes Interview ab. Dabei hätten wir ihn gern einiges gefragt.
Bilanz-Pressekonferenz der Bank-Gesellschaft vor wenigen Tagen... Stolz verkünden die Bosse der Bank-Gesellschaft, dass sie Gewinne einfahren. 107 Millionen Euro!
Hans-Jörg Vetter, Vorstandsvorsitzender Bank-Gesellschaft Berlin
“Im weiteren gilt es mit hoher Geschwindigkeit die Steigerung der Erträge voranzutreiben.“
Gewinne, steigende Erträge mit hoher Geschwindigkeit? So scheint aus dem einstigen Millionengrab Bankgesellschaft eine Gelddruckmaschine geworden zu sein. Und Geld hat das Land Berlin doch so dringend nötig. Denn: sein Schuldenberg wächst jährlich um Milliarden Euro – Prognose für 2019: über 69 Milliarden! Doch wie enttäuschend: Die Bank-Gesellschaft – so teilt sie im gleichen Atemzug mit - sieht sich nicht in der Lage, dem Berliner Haushalt etwas von ihren Gewinnen abzugeben, damit Schulden getilgt werden. Warum - erklärt sie nicht.
Freigiebiger ist der Vorstand, der dagegen bei den Zahlungen an eigene Mitarbeiter. Denn die erhalten nach KLARTEXT-Recherchen eine jährliche Sonderzahlung von etwa 20 Millionen Euro im Jahr, zusätzlich zum Gehalt. 20 Millionen Euro extra allein im Jahr 2004! Die satte Zahlung an ausgewählte Mitarbeiter soll diese laut Vorstand zum Bleiben bewegen. Retention-Zahlungen heißt der Fachbegriff – zu deutsch: Halteprämien.
Für den Wirtschaftsexperten Professor Hans-Peter Schwintowski, der seit Jahren Gutachten zum Bankenskandal schrieb, eine nicht nachvollziehbare Zahlung.
Prof. Hans-Peter Schwintowski, Humboldt-Uni Berlin
“Es also etwas überraschend, dass jemand eine Zusatzprämie nur dafür bekommt, dass er gehalten wird, nicht etwa dafür, dass er ein besonders erfolgreicher oder guter Mitarbeiter ist.“
KLARTEXT hat deutsche Großbanken nach solchen Halteprämien gefragt. Weder die Commerz-, noch die Deutsche Bank zahlen so etwas. Gefragt ob Halteprämien üblich seien, schreibt etwa die Dresdner Bank: „Diese Anfrage können wir verneinen.“
Prof. Hans-Peter Schwintowski, Humboldt-Uni Berlin
“Retentionzahlungen, also so genannte Halteprämie in der jetzigen Marktsituation sind etwas sehr erstaunliches und unübliches. Das hat etwas damit zu tun, dass wir im Beriech der Banken genügend Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen haben. Viele suchen Stellen, viele haben Schwierigkeiten einen Job zubekommen.“
Was ist also anders bei der Berliner Bank-Gesellschaft, wollen wir vom Vorstand wissen. Kein Interview sagt die Bank-Gesellschaft. Schriftlich teilt sie uns mit, dass diese Zahlung – so wörtlich – dringend benötigten Spezialisten und Leistungsträgern gewährt würden. Und das schon seit vier Jahren. Nach Klartext-Informationen handelt es sich hier um einen erlauchten Kreis von mindestens 150 Mitarbeitern! Pro Person reichten die Zahlungen von 20.000 Euro aufwärts. Wie gesagt, insgesamt 20 Millionen! Was für teure Spezialisten… Darunter auch solche, die schon zu Zeiten des Bankenskandals dabei waren.
Prof. Hans-Peter Schwintowski, Humboldt-Uni Berlin
“Dieses Argument ist für mich nicht nachvollziehbar. Mitarbeiter, die große Fehler gemacht haben, die daran mitgewirkt haben, dass wir mit der Bank-Gesellschaft in ein riesiges Desaster geraten sind, sind nach meiner Meinung disqualifiziert für ihren Job und deshalb sollten sie jetzt nicht noch dafür belohnt werden, dass sie weiterhin an diesen Projekten mitarbeiten.“
Die Bankgesellschaft schweigt, der Finanzsenator schweigt. Er will sich nicht ins operative Geschäft einmischen – sagt man uns. Doch offenbar hat das Schweigen einen Grund. Denn nach KLARTEXT-Recherchen hat der Aufsichtsrat, also auch Herr Sarrazin die jährlichen Sonderzahlungen durch gewunken. Das bringt selbst Sarrazins SPD-Parteifreunde auf. Angesichts des Berliner Haushalts-Notstands wollen sie die satten Halteprämien von 20 Millionen nicht einfach so hinnehmen.
Christian Gäbler (SPD)
“Leistungsabhängige Prämien für besondere Mitarbeiter in Banken sind sicherlich angemessen. Halteprämien sind angesichts des Personalabbaus der Bankgesellschaft und auch angesichts der Marksituation zu hinterfragen, passen eher nicht in die Landschaft. Das muss der Vermögensausschuss mal klären.“
20 Millionen Euro im Jahr. Sonderzahlungen – und das seit vier Jahren. Wie schön könnten damit Berlins Schulen aussehen.
Haushaltsnotstand in Berlin. Marode Schulen, es gibt nicht einmal Geld für das Nötigste. Eltern und Kinder greifen zur Selbsthilfe - verkaufen Blumen für neue Schulmöbel:
Mädchen
„Tulpen für Tische, schöne Blumen.“
Die Wasserpreise steigen: 15 Prozent auf einen Schlag. Auch die BVG-Preise explodieren. Gestern gingen sogar die Busfahrer auf die Straße. Warnstreik. Denn: ihre Löhne sollen gekürzt werden. Doch Berlins oberster Sparkommissar, Thilo Sarrazin bleibt hart:
Thilo Sarrazin (SPD), Finanzsenator Berlin
“Ich setze auf die Vernunft der Mitarbeiter.“
Der Finanzsenator Sarrazin setzt also auf Vernunft. Als Aufsichtsratsmitglied der Bank-Gesellschaft Berlin, wie die BVG ein Landesunternehmen, bleibt Sarrazin lieber stumm, lehnt jedes Interview ab. Dabei hätten wir ihn gern einiges gefragt.
Bilanz-Pressekonferenz der Bank-Gesellschaft vor wenigen Tagen... Stolz verkünden die Bosse der Bank-Gesellschaft, dass sie Gewinne einfahren. 107 Millionen Euro!
Hans-Jörg Vetter, Vorstandsvorsitzender Bank-Gesellschaft Berlin
“Im weiteren gilt es mit hoher Geschwindigkeit die Steigerung der Erträge voranzutreiben.“
Gewinne, steigende Erträge mit hoher Geschwindigkeit? So scheint aus dem einstigen Millionengrab Bankgesellschaft eine Gelddruckmaschine geworden zu sein. Und Geld hat das Land Berlin doch so dringend nötig. Denn: sein Schuldenberg wächst jährlich um Milliarden Euro – Prognose für 2019: über 69 Milliarden! Doch wie enttäuschend: Die Bank-Gesellschaft – so teilt sie im gleichen Atemzug mit - sieht sich nicht in der Lage, dem Berliner Haushalt etwas von ihren Gewinnen abzugeben, damit Schulden getilgt werden. Warum - erklärt sie nicht.
Freigiebiger ist der Vorstand, der dagegen bei den Zahlungen an eigene Mitarbeiter. Denn die erhalten nach KLARTEXT-Recherchen eine jährliche Sonderzahlung von etwa 20 Millionen Euro im Jahr, zusätzlich zum Gehalt. 20 Millionen Euro extra allein im Jahr 2004! Die satte Zahlung an ausgewählte Mitarbeiter soll diese laut Vorstand zum Bleiben bewegen. Retention-Zahlungen heißt der Fachbegriff – zu deutsch: Halteprämien.
Für den Wirtschaftsexperten Professor Hans-Peter Schwintowski, der seit Jahren Gutachten zum Bankenskandal schrieb, eine nicht nachvollziehbare Zahlung.
Prof. Hans-Peter Schwintowski, Humboldt-Uni Berlin
“Es also etwas überraschend, dass jemand eine Zusatzprämie nur dafür bekommt, dass er gehalten wird, nicht etwa dafür, dass er ein besonders erfolgreicher oder guter Mitarbeiter ist.“
KLARTEXT hat deutsche Großbanken nach solchen Halteprämien gefragt. Weder die Commerz-, noch die Deutsche Bank zahlen so etwas. Gefragt ob Halteprämien üblich seien, schreibt etwa die Dresdner Bank: „Diese Anfrage können wir verneinen.“
Prof. Hans-Peter Schwintowski, Humboldt-Uni Berlin
“Retentionzahlungen, also so genannte Halteprämie in der jetzigen Marktsituation sind etwas sehr erstaunliches und unübliches. Das hat etwas damit zu tun, dass wir im Beriech der Banken genügend Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen haben. Viele suchen Stellen, viele haben Schwierigkeiten einen Job zubekommen.“
Was ist also anders bei der Berliner Bank-Gesellschaft, wollen wir vom Vorstand wissen. Kein Interview sagt die Bank-Gesellschaft. Schriftlich teilt sie uns mit, dass diese Zahlung – so wörtlich – dringend benötigten Spezialisten und Leistungsträgern gewährt würden. Und das schon seit vier Jahren. Nach Klartext-Informationen handelt es sich hier um einen erlauchten Kreis von mindestens 150 Mitarbeitern! Pro Person reichten die Zahlungen von 20.000 Euro aufwärts. Wie gesagt, insgesamt 20 Millionen! Was für teure Spezialisten… Darunter auch solche, die schon zu Zeiten des Bankenskandals dabei waren.
Prof. Hans-Peter Schwintowski, Humboldt-Uni Berlin
“Dieses Argument ist für mich nicht nachvollziehbar. Mitarbeiter, die große Fehler gemacht haben, die daran mitgewirkt haben, dass wir mit der Bank-Gesellschaft in ein riesiges Desaster geraten sind, sind nach meiner Meinung disqualifiziert für ihren Job und deshalb sollten sie jetzt nicht noch dafür belohnt werden, dass sie weiterhin an diesen Projekten mitarbeiten.“
Die Bankgesellschaft schweigt, der Finanzsenator schweigt. Er will sich nicht ins operative Geschäft einmischen – sagt man uns. Doch offenbar hat das Schweigen einen Grund. Denn nach KLARTEXT-Recherchen hat der Aufsichtsrat, also auch Herr Sarrazin die jährlichen Sonderzahlungen durch gewunken. Das bringt selbst Sarrazins SPD-Parteifreunde auf. Angesichts des Berliner Haushalts-Notstands wollen sie die satten Halteprämien von 20 Millionen nicht einfach so hinnehmen.
Christian Gäbler (SPD)
“Leistungsabhängige Prämien für besondere Mitarbeiter in Banken sind sicherlich angemessen. Halteprämien sind angesichts des Personalabbaus der Bankgesellschaft und auch angesichts der Marksituation zu hinterfragen, passen eher nicht in die Landschaft. Das muss der Vermögensausschuss mal klären.“
20 Millionen Euro im Jahr. Sonderzahlungen – und das seit vier Jahren. Wie schön könnten damit Berlins Schulen aussehen.
Sascha Adamek und Gabi Probst


