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Wittenberge soll schöner werden, aber wohin mit den Alkoholikern, Sozialhilfeempfängern und sonstigen "Störenfrieden"? Eine kommunale Wohnungsbaugesellschaft hat sich eine Lösung ausgedacht. Ein Ghetto am Rande der Stadt.
Horst Neumann, ein vom Gericht bestellter Betreuer. Ein Vormund, so hieß es früher. Woche für Woche kommt er nach Wittenberge Nord.
Hier wo jetzt die Plattenbauten abgerissen werden, betreut Horst Neumann seine Klienten. Die meisten sind alkoholkrank, unfähig, ihr Leben allein zu organisieren. Zu ihnen gehört auch Uwe Fehmann. Der ehemalige Betonbauer hat auf einer Zechtour den Wohnungsschlüssel verloren. Seit Tagen muss er über den Balkon in die Wohnung klettern. Sein Betreuer soll ihm jetzt helfen.
Horst Neumann, Berufsbetreuer von Uwe Fehmann
„Und na ja, das muss er sein....“
Es ist nicht das erste Mal, dass Uwe Fehmann seinen Wohnungsschlüssel verloren hat. Er hat massive Alkoholprobleme. Aus seiner alten Wohnung in der Innenstadt musste er raus – die anderen Mieter hatten sich regelmäßig über ihn beschwert.
Uwe Fehmann
„Ich halte mich nicht an die Hausordnung, Ruhe störender Lärm, was nicht stimmt, halte mich nicht an die Hausordnung.“
Horst Neumann
„Er hat mehrere Abmahnungen bekommen.“
„Aber keine schriftlichen.“
„Warum gerade hierher?“
Uwe Fehmann
„Weil es keine andere Wohnung gibt, in Wittenberge muss ich nirgendwo nachfragen.“
„Das ist hier der letzte Dreck, echt.“
„Wollten sie hierher?“
Uwe Fehmann
„Nein.“
Horst Neumann
„Er wollte nicht hierher, aber wir haben keine andere Möglichkeit gefunden.“
„Ich muss auch ehrlich sagen, das ist einigen Mietern nicht zuzumuten.“
„Warum nicht?“
„Aus folgendem Grund. Solange er allein ist mag das ja gehen, aber er zieht einen Rattenschwanz hinterher, da sind mehrere Leute mit dabei und dann wird es immer laut.“
Der Alkohol hat ihn krank gemacht.
Uwe Fehmann ist erst 47 Jahre alt und schon berufsunfähig. Zu seiner Familie gibt es kaum noch Verbindungen. Hier zu wohnen ist ein sozialer Abstieg für ihn – wie auch für die anderen Mieter.
Horst Neumann
„Weil das ganze Umfeld hier nicht in Ordnung ist, deshalb ziehen sie hier nicht so gerne her und auch weil es zur Stadt so weit ist, weil die Einkaufsmöglichkeiten, das ist ein weiter Anmarschweg und die haben ja alle kein Auto, höchstens ein Fahrrad, wenn überhaupt.“
Wittenberge Nord. Hier landen die, die keine Kraft mehr haben, sich etwas anderes zu suchen. Die es sich leisten konnten, zogen in bessere Wohngegenden. Jetzt werden die leeren Platten abgerissen. Nur eine bleibt vorerst stehen. Hier weist die Wohnungsbaugesellschaft ihre Problemmieter ein.
Mieter
„Hier wohnen fast alles Arbeitslose, das geht alles über das Sozialamt mit allen Drum und Dran.“
„Im ganzen Block?“
„Ja, die können sie zählen, vielleicht 10 Mann, die Arbeit haben.“
Betreuer Horst Neumann hat heute schon drei Klienten besucht; ihre Finanzen geordnet, Arzttermine vereinbart. Privat würde er kaum hierher kommen.
Horst Neumann
„Das hat keinen guten Ruf, das ist bekannt, der Ruf ist sehr schlecht, man weiß das hier nicht so genau, aber die sagen hier wohnen nur Trinker. Ich aber würde sagen hier wohnen sozial Schwache und Alkoholiker.“
Bald wird nur noch dieser Block übrig sein. Ein einsames Haus auf weiter Flur. Dann wird wohl auch der Bus hier nicht mehr halten. Kaum zu glauben – obwohl mitten im Abrissgebiet ist das Haus Lunastraße 2 - 8 fast voll vermietet. Die kommunale Wohnungsbaugesellschaft nimmt gerade mal 100 Euro für eine Einraumwohnung mit Küche und Bad. Bezahlt wird meist vom Sozialamt. Die Mitarbeiter der Wohnungsbaugesellschaft werden die letzten leeren Wohnungen hier bald loswerden. Sie planen ein kommunales Ghetto für Problemfälle:
Frank Diehn, Chef Kommunale Wohnungsbaugesellschaft
„Wir haben in diesem Block Problemfälle im Wohnverhalten eingewiesen, das heißt Mieter, die in anderen Neubaugebieten oder anderen Mietshäusern ihr Umfeld terrorisiert haben. Sich in diesem block einzumieten, hat den Vorteil, der Block ist technisch in Ordnung, hat den Vorteil, dass die noch eine Chance haben, sich hier zu rehabilitieren, ansonsten wäre die Alternative nur die Kündigung und unter der Brücke schlafen.“
Von Rehabilitation jedoch kann hier keine Rede sein. Ganz im Gegenteil. Wer hier erst einmal wohnt, kapituliert. Haustüren und Schlösser sind zerstört, Müll und Abfall fliegen einfach aus dem Fenster. Für die Bewohner des Altenheimes, die ganz in der Nähe Ruhe und Geborgenheit suchten, eine Katastrophe.
Rentnerin
„Das stört mächtig. Die machen Krach, die machen Musik, bis in den Morgen, feiern und saufen. Die schmeißen alles aus dem Fenster, ob das ein Wäschetrockner ist oder ein Läufer, Papier, Saftpackungen, das huscht alles raus. Das sieht sehr unsauber aus.“
Ein kommunales Ghetto für soziale Problemfälle, am Rande der Stadt.
Hier betäubt nur noch der Alkohol. Davon wegzukommen ist Uwe Fehmanns größter Wunsch. Er ist mit seinen Kräften am Ende. Lange hat ihn sein Betreuer zu einer Therapie gedrängt.
Uwe Fehmann
„Erst mal diese Langzeittherapie will ich und so lange wie möglich. Nicht nur ein Jahr, auch drei. Und dann von Anfang an noch mal neu.“
Ein Neuanfang aber wird ihm hier schwer fallen.
Horst Neumann
„Ja, das sehe ich als Problem an, weil verstärkt Leute, die vielleicht aus dem Alkohol raus wollen und Abstand gewinnen wollen, gerade hier drauf gestoßen werden.“
Betreuer Horst Neumann macht sich Sorgen. Wenn es in Wittenberge-Nord so weiter geht, wird die Anzahl seiner Klienten in Zukunft noch größer werden.
Hier wo jetzt die Plattenbauten abgerissen werden, betreut Horst Neumann seine Klienten. Die meisten sind alkoholkrank, unfähig, ihr Leben allein zu organisieren. Zu ihnen gehört auch Uwe Fehmann. Der ehemalige Betonbauer hat auf einer Zechtour den Wohnungsschlüssel verloren. Seit Tagen muss er über den Balkon in die Wohnung klettern. Sein Betreuer soll ihm jetzt helfen.
Horst Neumann, Berufsbetreuer von Uwe Fehmann
„Und na ja, das muss er sein....“
Es ist nicht das erste Mal, dass Uwe Fehmann seinen Wohnungsschlüssel verloren hat. Er hat massive Alkoholprobleme. Aus seiner alten Wohnung in der Innenstadt musste er raus – die anderen Mieter hatten sich regelmäßig über ihn beschwert.
Uwe Fehmann
„Ich halte mich nicht an die Hausordnung, Ruhe störender Lärm, was nicht stimmt, halte mich nicht an die Hausordnung.“
Horst Neumann
„Er hat mehrere Abmahnungen bekommen.“
„Aber keine schriftlichen.“
„Warum gerade hierher?“
Uwe Fehmann
„Weil es keine andere Wohnung gibt, in Wittenberge muss ich nirgendwo nachfragen.“
„Das ist hier der letzte Dreck, echt.“
„Wollten sie hierher?“
Uwe Fehmann
„Nein.“
Horst Neumann
„Er wollte nicht hierher, aber wir haben keine andere Möglichkeit gefunden.“
„Ich muss auch ehrlich sagen, das ist einigen Mietern nicht zuzumuten.“
„Warum nicht?“
„Aus folgendem Grund. Solange er allein ist mag das ja gehen, aber er zieht einen Rattenschwanz hinterher, da sind mehrere Leute mit dabei und dann wird es immer laut.“
Der Alkohol hat ihn krank gemacht.
Uwe Fehmann ist erst 47 Jahre alt und schon berufsunfähig. Zu seiner Familie gibt es kaum noch Verbindungen. Hier zu wohnen ist ein sozialer Abstieg für ihn – wie auch für die anderen Mieter.
Horst Neumann
„Weil das ganze Umfeld hier nicht in Ordnung ist, deshalb ziehen sie hier nicht so gerne her und auch weil es zur Stadt so weit ist, weil die Einkaufsmöglichkeiten, das ist ein weiter Anmarschweg und die haben ja alle kein Auto, höchstens ein Fahrrad, wenn überhaupt.“
Wittenberge Nord. Hier landen die, die keine Kraft mehr haben, sich etwas anderes zu suchen. Die es sich leisten konnten, zogen in bessere Wohngegenden. Jetzt werden die leeren Platten abgerissen. Nur eine bleibt vorerst stehen. Hier weist die Wohnungsbaugesellschaft ihre Problemmieter ein.
Mieter
„Hier wohnen fast alles Arbeitslose, das geht alles über das Sozialamt mit allen Drum und Dran.“
„Im ganzen Block?“
„Ja, die können sie zählen, vielleicht 10 Mann, die Arbeit haben.“
Betreuer Horst Neumann hat heute schon drei Klienten besucht; ihre Finanzen geordnet, Arzttermine vereinbart. Privat würde er kaum hierher kommen.
Horst Neumann
„Das hat keinen guten Ruf, das ist bekannt, der Ruf ist sehr schlecht, man weiß das hier nicht so genau, aber die sagen hier wohnen nur Trinker. Ich aber würde sagen hier wohnen sozial Schwache und Alkoholiker.“
Bald wird nur noch dieser Block übrig sein. Ein einsames Haus auf weiter Flur. Dann wird wohl auch der Bus hier nicht mehr halten. Kaum zu glauben – obwohl mitten im Abrissgebiet ist das Haus Lunastraße 2 - 8 fast voll vermietet. Die kommunale Wohnungsbaugesellschaft nimmt gerade mal 100 Euro für eine Einraumwohnung mit Küche und Bad. Bezahlt wird meist vom Sozialamt. Die Mitarbeiter der Wohnungsbaugesellschaft werden die letzten leeren Wohnungen hier bald loswerden. Sie planen ein kommunales Ghetto für Problemfälle:
Frank Diehn, Chef Kommunale Wohnungsbaugesellschaft
„Wir haben in diesem Block Problemfälle im Wohnverhalten eingewiesen, das heißt Mieter, die in anderen Neubaugebieten oder anderen Mietshäusern ihr Umfeld terrorisiert haben. Sich in diesem block einzumieten, hat den Vorteil, der Block ist technisch in Ordnung, hat den Vorteil, dass die noch eine Chance haben, sich hier zu rehabilitieren, ansonsten wäre die Alternative nur die Kündigung und unter der Brücke schlafen.“
Von Rehabilitation jedoch kann hier keine Rede sein. Ganz im Gegenteil. Wer hier erst einmal wohnt, kapituliert. Haustüren und Schlösser sind zerstört, Müll und Abfall fliegen einfach aus dem Fenster. Für die Bewohner des Altenheimes, die ganz in der Nähe Ruhe und Geborgenheit suchten, eine Katastrophe.
Rentnerin
„Das stört mächtig. Die machen Krach, die machen Musik, bis in den Morgen, feiern und saufen. Die schmeißen alles aus dem Fenster, ob das ein Wäschetrockner ist oder ein Läufer, Papier, Saftpackungen, das huscht alles raus. Das sieht sehr unsauber aus.“
Ein kommunales Ghetto für soziale Problemfälle, am Rande der Stadt.
Hier betäubt nur noch der Alkohol. Davon wegzukommen ist Uwe Fehmanns größter Wunsch. Er ist mit seinen Kräften am Ende. Lange hat ihn sein Betreuer zu einer Therapie gedrängt.
Uwe Fehmann
„Erst mal diese Langzeittherapie will ich und so lange wie möglich. Nicht nur ein Jahr, auch drei. Und dann von Anfang an noch mal neu.“
Ein Neuanfang aber wird ihm hier schwer fallen.
Horst Neumann
„Ja, das sehe ich als Problem an, weil verstärkt Leute, die vielleicht aus dem Alkohol raus wollen und Abstand gewinnen wollen, gerade hier drauf gestoßen werden.“
Betreuer Horst Neumann macht sich Sorgen. Wenn es in Wittenberge-Nord so weiter geht, wird die Anzahl seiner Klienten in Zukunft noch größer werden.


