Trumpscher Klimawandel - Der US-Präsident als Verschwörungstheoretiker

US-Präsident Trump kündigt den Klimavertrag von Paris auf. Welche Folgen hat das und was hat ihn dazu bewogen? Eine aktuelle Spurensuche der Kontraste-Redaktion.

Anmoderation: Ausgerechnet bei einem Megaproblem, das nur global zu lösen ist, schert eine der grössten Industrienationen der Welt aus. Die USA wollen sich von den international festgelegten Klimazielen verabschieden! Man fragt sich natürlich: Was sind Trumps Motive? Die einheimische Kohelindustrie stärken? Wenigstens ein großes Wahlversprechen halten? Oder sollte er ernsthaft an die Verschwörungstheorien zum Klimaschutz glauben, die er selbst immer wieder verbreitet hat: Markus Pohl und Chris Humbs

Wir leben im Zeitalter der von Menschen verursachten Klimaerwärmung – darin sind sich Forscher weltweit einig. Donald Trump aber streut seit Jahren Zweifel daran, auch schon bevor er US-Präsident wurde:

 "Ich glaube nicht wirklich an den menschengemachten Klimawandel." – "Globale Erwärmung, ich glaube nicht, dass sie menschengemacht ist." – "Es wird ein wenig kühler, es wird ein wenig wärmer, das ist seit Millionen Jahren so, es wird kühler, es wird wärmer, das nennt man Wetter. Ich glaube, das ist alles ein großer Betrug!"

Der Klimawandel nur eine Erfindung, ein Hoax. Diese Behauptung wird von Verschwörungstheoretikern und rechten Medien immer wieder befeuert.

Stefan Rahmstorf ist einer der renommiertesten deutschen Klimaforscher. Er sieht hier wirtschaftliche Interessen am Werk.

Stefan Rahmstorf, Klimaforscher, Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung

"Es ist schlichtweg Propaganda von Lobbyinteressengruppen, die hier versuchen die Öffentlichkeit zu täuschen. Das ist natürlich vor allem die fossile Brennstoffwirtschaft, Kohle-, Ölfirmen zum Beispiel."

Eine weit verbreitete Fälschung der Klimaleugner: ein Time-Magazine-Cover aus den 70er Jahren, das angeblich vor einer neuen Eiszeit warnt. Im Original – hier rechts – stand genau das Gegenteil.

Donald Trump, US-Präsident

"Es gab Magazintitel, man dachte, es wird kälter und wir würden alle erfrieren." - "Es ist eiskalt hier! Wo bleibt die globale Erwärmung, es ist so kalt!"

Die Klimaskeptiker verzerren die Fakten. So wird gerne erklärt, zwischen 1998 und 2012 hätte die Erderwärmung gestoppt. Tatsächlich belegen langfristige Daten den Temperaturanstieg. Und - die Entwicklung spitzt sich zu.

Stefan Rahmstorf, Klimaforscher, Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung

"Wir haben 2016, 2015 und 2014 drei rekordheiße Jahre in der globalen Temperatur in Folge gehabt. Diese These, dass es seit 15 Jahren keine Erwärmung mehr gab, die sie auch im AfD-Programm zum Beispiel finden, wird einfach durch die Messdaten widerlegt."

Auch in der AfD verbrüdern sich Rechtspopulisten und Leugner der von Menschen gemachten Erderwärmung. Allen voran: die Parteivorsitzende.

Frauke Petry (AfD), Bundesvorsitzende

"Dass es einen Klimawandel gibt, da bin ich ja bei, weil es den zu allen Zeiten gegeben hat. Allein, ich halte die Hypothese, ob der Mensch dafür verantwortlich ist, nicht für bewiesen."

Wissenschaftliche Fakten werden zur bloßen Hypothese herabgestuft - ideologisch motiviert.

Stefan Rahmstorf, Klimaforscher, Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung

"Man muss praktisch zugeben, ja die Grünen hatten recht, wenn man zugibt, es gibt eine globale erwärmung, man muss zugeben man selber ist vielleicht nicht ganz unschuldig, denn wir alle sind ja auch Mitverursacher der globalen Erwärmung, und es ist einfach eine unbequeme Wahrheit, die viele Menschen verdrängen und nicht hören wollen."

Donald Trump, US-Präsident

"Also wenn ich Haarspray benutze und es in meiner Wohnung versprühe, die komplett abgeschlossen ist, dann soll das die Ozonschicht beeinflussen, ja? Auf keinen Fall, Leute!"

Abmoderation: Mit dem Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen hat Donald Trump jetzt nicht nur Staaten, Unternehmen und Wissenschaftler gegen sich – sondern auch das eigene Volk; zwei Drittel der Amerikaner wollten das Klimaabkommen laut Umfragen beibehalten.
Welche Folgen der Ausstieg ausserdem haben wird, das wird uns definitiv noch lange beschäftigen.

Beitrag von Adrian Bartocha, Chris Humbs, Markus Pohl und Axel Svehla

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