Franco A. - Neue Erkenntnisse über sein Verhalten in der Truppe

Ein Bundeswehroffizier, der sich als Asylbewerber ausgibt und verdächtig ist, einen Terroranschlag geplant zu haben. Franco A. gibt immer noch Rätsel auf - warum blieb er so lange unbemerkt? Wie hat er sich in der Truppe verhalten? Kontraste konnte exklusiv mit einem Soldaten sprechen, der Franco A. während einer Ausbildung näher kennengelernt hat. Überraschende und erschreckende Einblicke in die Strategie des Rechtsextremen.

Anmoderation: Er hat den Stein ins Rollen gebracht: Der terrorverdächtige Bundeswehrsoldat Franko A., der sich als Flüchtling getarnt hatte. Er sitzt in Haft. Was als bizarre Affäre begann, hat sich inzwischen zu einem Skandal um rechtsextremistische Netzwerke und Wehrmachtstraditionen in der Bundeswehr entwickelt. Über Franko A. ist bislang wenig bekannt geworden. Uns gelang es jetzt, einen exklusiven Einblick in sein Leben bei der Bundeswehr zu bekommen. Caroline Walter und Christoph Rosenthal.

Franco A. – der Soldat, der sich als syrischer Flüchtling ausgab und gleichzeitig ein rechtsterroristisches Netzwerk in der Bundeswehr aufbaute. Wie hat er sich in der Truppe verhalten? War er dort unauffällig?

Kontraste hat einen Soldaten ausfindig gemacht, der Franco A. in Gesprächen unter Kameraden erlebt hat. Wir nennen ihn zu seinem Schutz Marcel. Er und Franco A. haben 2016 gemeinsam einen Offizierslehrgang bei der Bundeswehr durchlaufen.

Marcel ist dunkelhäutig, seine Familie lebt in Afrika und Europa. Er zeigt uns ein Foto, auf dem der Rechtsextremist Franco A. mit ihm posiert.

Marcel

"Er hat immer meine Nähe gesucht und wollte viel über meine Familie wissen. Er hat gefragt, warum meine Schwestern überhaupt in Frankreich bleiben wollten statt zurück in die Heimat zu gehen. Er meinte, jeder sollte in seinem Land bleiben. Franco hat auch gefragt, ob meine Schwestern mit Weißen verheiratet sind. Und ob ich das gut finde."

Franco A. habe sich ständig über die Flüchtlingssituation in Deutschland aufgeregt. Es sei sein Hauptthema gewesen.

Marcel

"Er war 100 Prozent dagegen, dass muslimische Flüchtlinge kommen. Er war total wütend, dass die nur nach Deutschland wollen. Er hat immer gesagt: diese Kuh, diese Schlampe Merkel, die lässt alle rein und ihre Regierung ist Scheiße und diese Flüchtlinge, ich schwör's dir, Tausende von denen sind Terroristen, die werden Deutschland abfackeln."

Franco A. habe versucht, ihn und die anderen Kameraden von seinen Ansichten zu überzeugen. Einige hätten ihm auch zugestimmt. Marcel erinnert sich, wie Franco A. sich manchmal hineinsteigerte.

Marcel

"Wir haben im Fernsehen Berichte über rechte Gruppen gesehen und da hat er die immer verteidigt und meinte, dass sind die richtigen Patrioten, die etwas tun, um dieses Land zu schützen. Er sagte, ‚Man muss was tun, wenn die Politik versagt‘. Er hatte immer diese Wut."

Franco A. machte auch Andeutungen, dass er bereits zu rechten Gruppen Kontakt hat.

Marcel

"Er hat erzählt, dass er in Frankreich Menschen getroffen hat, die total gegen die Einwanderung sind, ein Kreis von Leuten, "Patrioten" hat er konkret gesagt, Menschen die ihr Land richtig liebten und die auch bereit seien, für ihr Land zu kämpfen. Franco war der Meinung, in Deutschland sei alles zu locker, dass Leute einfach kommen mit irgendeiner Kultur. Hier gebe es zu wenig Patrioten, meinte er, die richtig die Sache in die Hand nehmen."

Marcel ist schockiert, was jetzt über Franco A.'s Pläne herauskam. Der trat ihm gegenüber betont freundschaftlich auf – deshalb ahnte Marcel nicht, wie gefährlich er ist.

Beitrag von Caroline Walter und Christoph Rosenthal

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