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rbbonline | Archiv

Für Aserbaidschan ist der Eurovision Song Contest eine willkommene Imagekampagne. Glanz und Glamour übertünchen, dass das Land so gar nichts mit Europas Wertmaßstäben zu tun hat.
Nein, wir wollen keine Spielverderber sein. Aber - wir wollen auch nicht vergessen, dass der Eurovision Song Contest in diesem Jahr für den Ausrichter Aserbaidschan eine ganz besondere Bedeutung hat: Machthaber Alijew poliert mit dem medialen Glamour-Spektakel sein Image auf. Wie es aber hinter der Fassade aussieht zeigt Ihnen Georg Restle.
Das ist Baku, die Hauptstadt Aserbaidschans - so wie sie sich am liebsten zeigt, als moderne Metropole am Kaspischen Meer. Hier findet er statt, der Eurovision Song Contest 2012.
Und das ist der Präsident Aserbaidschans, wie er sich am liebsten zeigt:. Ilham Aliev hat den Posten 2003 von seinem Vater quasi geerbt. 80 Prozent laut offiziellem Wahlergebnis. Internationale Wahlbeobachter sprachen von massiven Wahlfälschungen: So sieht sie aus - die Demokratie auf aserbaidschanisch.
Macht strotzend, hochgerüstet. Die Armee ist der ganze Stolz der Republik. Milliarden aus dem Ölgeschäft machen es möglich: Aserbaidschan hat nach Russland die höchsten Militärausgaben der ehemaligen Sowjetrepubliken. Jederzeit bereit für einen neuen Krieg gegen das Nachbarland Armenien um die umstrittene Enklave Berg-Karabach.
Die Opposition? Keine Chance. Bei Demonstrationen im letzten Jahr ließ der Präsident mit aller Härte durchgreifen. Hunderte Demonstranten wurden verhaftet, viele sitzen noch immer hinter Gittern. Dies sind Bilder aus Aserbaidschan, die so gar nicht zur Imagekampagne des Eurovision Song Contest passen.
Freie Presse? Unabhängige Medien? Die Journalistin Irada Gusejnowa ist aus Aserbaischan geflohen, nachdem ihre Berichterstattung massiv behindert wurde.
Irada Gusejnowa, Journalistin
„Der Bruder des ehemaligen Präsidenten hatte uns verklagt, ein Redakteur des Magazins wurde dann verhaftet. Nachdem er wieder frei kam, haben sie ihn umgebracht. Aber seine Mörder wurden bis heute nicht gefunden."
Dies ist das offizielle Werbevideo für den Eurovision Song Contest. So modern will sich das Land auch im Mai präsentieren, wenn Europa nach Baku schaut. Und wer fragt dann schon nach Menschenrechten?
Beitrag von Georg Restle
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
http://www.rbb-online.de/kontraste/archiv/kontraste_vom_09_02/unser_star_fuer_baku.html