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Die Supermarkt-Kette "Lidl" legt in einigen Filialen Gift gegen Ratten und Mäuse aus. Beschäftigte schilderten gegenüber dem ARD-Magazin "Kontraste", dass in Niedersachsen, Bayern und Berlin Rattengift in Verkaufsräumen eingesetzt würde. "Kontraste" lies in Berliner Lidl-Märkten Proben nehmen. Ein akkredititiertes Prüflabor bestätigte: es handelt sich um Rattengift.
"Unser Kunde ist die wichtigste Person unseres Unternehmens! " verspricht der Lebensmitteldiscounter Lidl. Und in einer Zeitungsanzeige heute ist von "strahlender Sauberkeit" die Rede. Gerne hätten wir das geglaubt. Doch stattdessen machten wir in einigen Lidl-Geschäften einen besorgniserregenden Fund: Gabi Probst mit Einzelheiten.
Was hier aussieht wie ein schlechter Gag auf YouTube, scheint einen realen Hintergrund zu haben. Rattenplage im Discounter Lidl. Doch der Billiganbieter scheint nicht nur mit dem Besen gegen die Schädlinge vorzugehen. Er soll auch mit härteren Bandagen kämpfen - gesundheitsgefährdend für seine Kunden und Mitarbeiter. Das jedenfalls wollen diese Ladenbauer gesehen haben. Sie arbeiten meistens nachts und müssen anonym bleiben. Sie räumen Regale um.
Informant
„Das heißt, wenn es zum Beispiel neue Ladenkonzepte gibt, also das Hundefutter von links nach rechts kommt, dann tun wir das halt ausräumen, umspiegeln heißt das und dann wieder einräumen an der Stelle, wo sie es haben möchten."
Während dieser Arbeiten entdecken sie etwas, worüber sie sich erschrecken.
Informant
„Also aufgefallen ist mir, wenn man die Podeste raus nimmt, dass unter den braunen Teilen, wo meistens Nudeln oder so etwas drauf steht, auf dem Fußboden, dass darunter Rattenköder sind mit rosa und blauem Rattengift.“
KONTRASTE
„Und hat man Ihnen das gesagt vorher, dass da Rattengift gestreut wird?“
Informant
„Nee, gesagt wurde es uns das nicht, bis wir die Regale weggeräumt hatten und als wir es dann gesehen haben, da kam unser Vorarbeiter dann an, hat uns Handschuhe gegeben und gesagt, mit dem Zeug , wenn es möglich ist, nicht in Kontakt kommen, weil das ist richtig schädlich. Wir mussten das ja wegfegen. Das ging ja nicht anders. Und dadurch ist das ja auch aufgewirbelt worden und dadurch hat unser Vorarbeiter sogar selber Nasenbluten gekriegt, da musste er dann auch raus aus dem Laden."
Rattengift im Lebensmitteldiscounter? Nach ihrer Beschreibung sieht das so ähnlich aus. Solche blauen Pellets mit Gift hätten sie in Filialen in Niedersachsen, Bayern, Baden-Württemberg und Berlin gesehen. In Berlin z.B. hier am Omnibusbahnhof in Berlin-Spandau und am Innsbrucker Platz in Berlin-Schöneberg. Wir fragen uns, ob Lidl das darf.
In den zuständigen Gesundheitsämtern in Berlin erfahren wir, dass es eine Schädlingsbekämpfungsverordnung gibt, die jeden Eigentümer verpflichtet jeglichen Befall von Ratten unverzüglich zu melden. Doch so eine Meldung ist in den vergangenen zwei Jahren weder in Berlin-Schönberg noch in Berlin-Spandau eingegangen.
Beate Sabally
Gesundheitsamt Berlin-Tempelhof
„Der Eigentümer hat nach dem Gesetz das zu informieren über den Rattenbefall und nach Kontrolle des Gesundheitsamtes einen staatlich bestellten Schädlingsbekämpfer beauftragen, muss er beauftragen. Selbst darf er das Gift nicht auslegen. Nicht an offenen Lebensmittel, nicht in Auslagen, nur im Lager.“
KONTRASTE
„Also auch nicht im normalen Ladenbetrieb, sondern nur im Lager?“
Beate Sabally
Gesundheitsamt Berlin-Tempelhof
„Nein, nur da wo die Ware verpackt lagert."
Informant
„Wir haben auch oft während der Geschäftszeiten gearbeitet, wo wir dann Regale abgebaut haben. Da mussten wir immer darauf achten, dass das Rattengift so schnell wie möglich verschwindet, damit die Kunden das nicht sehen. Recht schwierig, weil das blaue Granulat fast immer drei bis sechs Zentimeter an der Wand entlang auf dem Fußboden gelegen hat und zwar nicht als Pellets, sondern schon fein zerstäubt. Ich denke mal, dass es von den Mäusen und Ratten durch das Fell oder so hin und her transportiert wurde."
Gift drei bis sechs Zentimeter an der Wand liegend und durch die Ratten fein zerstäubt?
KONTRASTE
„Was könnten die Ratten selbst verursachen? Worin könnte der Kunde gefährdet sein?“
Beate Sabally
Gesundheitsamt Berlin-Tempelhof
„Indem eben die Ratte mit dem Giftstoff an Pfoten und Fell an offene Lebensmittel gelangt und damit die Lebensmittel kontaminiert. Der Mensch sie isst und dadurch sich vergiften könnte."
Rattengift verstreut auf Lebensmittel durch Ratten? Es erschrickt uns der Gedanke umso mehr, als wir diese Kundin und ihr Kind im Lidl einkaufen sehen. Die Mutter packt dem Kind die Ware in den Kinderwaren…und das Kind greift zu…
Wir treffen einem Informanten bei Lidl in Berlin Spandau. Wir wollen genau wissen. Warnhinweisschilder auf Rattengift - wie es das Gesetz vorgibt - sehen wir nicht, auch nicht im Lager, sagen die Informanten. Unser Informant wird fündig - hinter den Chips, obwohl es schwierig ist - überall Sicherheitsleute. Hier wurde wohl kurz zuvor gefegt. Reste sind noch da - feiner blauer Staub am Gummihandschuh.
Informant
„Es waren halt noch Überreste da.“
KONTRASTE
„Wie sah das jetzt aus?“
Informant
„Es war blaues Pulver, verstreut in Pulverform. Das war noch in den Fugen, Überreste, die sie nicht weggekriegt haben. Ansonsten wird eigentlich richtig breit ausgelegt.“
KONTRASTE
„Wie breit?“
Informant
„So breit, ungefähr so die Breite wird es ausgelegt. Ungefähr, ja."
Wenig später der gleiche, schwierige Versuch. Diesmal werden wir mit den Informanten im Lidl in Berlin-Schönberg am Innsbrucker Platz fündig. Eine bläuliche Substanz neben schwarzen Krümeln - er sammelt alles lose vom Boden auf. Wir bringen drei Funde in ein renommiertes Umweltlabor.
Dr. Hartwig Schaper
Geschäftsführer Wolfener Analytik
„Uns wurden drei in Zellstofftücher eingewickelte Mischproben übergeben. Wir haben darin Bestandteile von Papier gefunden, ganz winzig kleine Schnippselchen, auch wolleähnliche Bestandteile, die typischerweise kleine Tiere zum Nestbau benutzen. Wir haben dann bräunliche Teile gefunden, die stark an tierische Exkremente erinnern und wir haben bläulich-grüne Pallets so in der Größe von kleinen Tabletten gefunden."
Nach ein paar Tagen Test dann der Befund: Die Informanten sagen offenbar die Wahrheit. Das Labor bestätigt eindeutig Rattengift.
Dr. Hartwig Schaper
Geschäftsführer Wolfener Analytik
„Die bläulich-grünen Teile haben wir mit einem käuflichen Mäuse- und Rattengift hinsichtlich ihrer allgemeinen Giftigkeit verglichen und haben festgestellt, das sie bei gleicher Menge genau die gleiche Giftigkeit wie ein fertiges Mäuse- und Rattengift haben. Das ist ein gefährliches Zeug, das darf nicht offen rum liegen das führt bei Aufnahme, jedenfalls bei den kleinen Nagetieren zu inneren Verblutungen, zu einer Hemmung der Blutgerinnung und zu einer inneren Verblutung und ist natürlich für Menschen auch gefährlich."
Rattengift im Lebensmitteldiscounter, lose liegend - Kunden und Mitarbeiter sind offenbar gefährdet, insbesondere Kinder.
Natürlich haben wir das Unternehmen Lidl um Stellungnahme gebeten: Die Antwort: Man nehme das Problem sehr ernst, derzeit lägen keine gesundheitlichen Beschwerden von Mitarbeitern vor, man werde sich intensiv mit "den relevanten Betriebsprozessen" auseinandersetzen. Dss ist wohl auch nötig.
Beitrag von Gabi Probst




