Rechtsextreme vor Sandsäcken

- Rechtsextreme: Faule Propagandatricks im Hochwasser

Sie geben vor, mit anzupacken im Hochwasser. Doch angesichts billiger Propagandatricks wird klar: Der Jugendorganisation der NPD geht es weniger ums Hochwasser als vielmehr um Selbstdarstellung.

Der Fluthilfe-Fonds ist unter Dach und Fach: Etwa acht Milliarden Euro sollen die Opfer der Hochwasserkatastrophe von Bund und Ländern bekommen, wurde heute beschlossen. Aber auch die praktische Hilfe geht weiter. Die Solidarität und der Zusammenhalt der Menschen in den Überschwemmungsgebieten sind enorm. Allerdings: Solidarität ist nicht das einzige Motiv, sich an den Rettungsarbeiten zu beteiligen. Jo Goll zeigt, wie aus der Not gefährliches Kapital geschlagen wird.

Hochwasser-Einsatz an der Elbe. Gemeinsam anpacken, zivile und uniformierte Helfer – Hand in Hand. Auffällig in diesen Tagen: Besonders viele junge Menschen engagieren sich, kämpfen mit großer Ausdauer gegen das Hochwasser an.

Unter die Helfer mischen sich: junge Neonazis. Sandsäcke stapeln für die „Festungsstadt Magdeburg“, lautet ihre Devise. Via Facebook und Twitter rufen die Rechtsextremisten zum Hochwassereinsatz. Motto des NPD-Nachwuchses: „Wir reden nicht, wir packen an.“

Andy Knape
Bundesvorsitzender NPD-Jugendorganisation

„Es geht uns darum, einfach den Menschen zu zeigen, dass wir mit dabei sind, dass wir mithelfen, dass wir einfach unsere Region, unsere Städte mit absichern und sichern.“

Selbstloser Einsatz für die Flutopfer? Im Internet zeigt sich ein anderes Bild. Auf ihrer Seite feiern sich die Jung-Nationalen: „Rechte Kerle packen an – JN im Hochwassereinsatz“, heißt es da. Auf Facebook propagieren sie die nationale Solidarität und beklagen in holprigem Deutsch: „Wo bleibt die Spendenfreudigkeit der fremden Länder für ein von Naturkatastrophe gebeuteltes Land?“ Fremdenfeindlichkeit geht anscheinend immer - auch im Hochwasser.

Worum es ihnen wirklich geht, zeigt dieses Foto: Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper mit dem JN-Bundesvorsitzenden Andy Knape. Veröffentlicht im Internet. Dort heißt es:
„Der Oberbürgermeister von Magdeburg, Dr. Lutz Trümper, bedankte sich höchstpersönlich beim JN Bundeschef für die Unterstützung der JN Mannschaft.“

Doch: Von dieser Dankesrede weiß Magdeburgs Oberbürgermeister, der an diesem Tag mit vielen redete, nichts.

KONTRASTE
„Wie ist es zu diesem Bild gekommen?“
Lutz Trümper (SPD)
Oberbürgermeister Magdeburg

„Dann kam der von links auf mich zu, gab mir die Hand, nickte und sagte: ‚Wir sind auch dabei.’, und ging weiter. Das war alles."

KONTRASTE
„Missbrauchen Sie nicht das Leid von anderen Menschen hier für rechte Propaganda?“
Andy Knape
Bundesvorsitzender NPD-Jugendorganisation

„Uns geht es um grundsätzliche Ehrlichkeit, uns geht es darum, dass man aktiv mithilft und das ist unser Beweggrund gewesen.“

Lutz Trümper (SPD)
Oberbürgermeister Magdeburg

„Das müssen die geplant haben, das muss ja irgendjemand aus der Nähe fotografiert haben. Ich bin doch in einer Situation wo ich mit Leuten rede und Tausende um mich rum sind. Und da kommt einer von der Seite und gibt mir die Hand. Ich fühle mich da absolut missbraucht, das ist wirklich ne Unverschämtheit so etwas dann weltweit zu verbreiten, was in keiner Weise der Wahrheit entspricht.“

Neonazis im Hochwasser-Einsatz: Selbstdarstellung statt Selbstlosigkeit. Deshalb gilt auch im größten Stress: Vorsicht beim Händeschütteln!

Beitrag von Jo Goll