Ausgewählte Beiträge des ARD-Politikmagazins Kontraste mit zeitgeschichtlicher Bedeutung
Unter dieser Rubrik haben wir diejenigen Kontraste-Beiträge eingestellt, die zeitgeschichtliche Bedeutung erlangt haben. Sie berichten über Ereignisse oder Probleme, die auch noch Jahre oder Jahrzehnte nach der Erstausstrahlung von hohem öffentlichen Interesse sind. Dazu gehören auch diejenigen Filme, die sich kontinuierlich einem speziellen Thema widmen und so einen besonderen Blick auf den gesellschaftlichen Diskurs ermöglichen.
Mehr als 10.000 italienische Zivilisten fielen im Zweiten Weltkrieg Kriegsverbrechen von Wehrmacht und SS zum Opfer. Sie haben vor Gericht Entschädigung erstritten. Doch die Bundesregierung weigert sich, die Forderungen anzuerkennen.
Das so genannte "Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" war das erste Rassengesetz der Nationalsozialisten. Hunderttausende wurden zwangssterilisiert, vergast, zu Tode gehungert. Die Überlebenden kämpfen bis heute um ihre Anerkennung als NS-Opfer und eine Entschädigung.
Prügel, medikamentöse Ruhigstellung, Schuften bis zum Umfallen – wer in der DDR in einem so genannten Spezialkinderheim landete, erlebte die Hölle auf Erden. Dafür haben die Opfer ein Recht auf Wiedergutmachung, hat das Bundesverfassungsgericht entschieden. Doch die untergeordneten Instanzen mauern – es fließt kein Geld.
Wer als Häftling im DDR-Gefängnis für die Stasi gespitzelt hat, dem wird die Haftentschädigung gestrichen – das erscheint nur gerecht. Doch im Einzelfall prüfen die Behörden oft nicht, was die so genannten „Zellen-Informatoren“ selbst erleiden mussten. Gibt es „gute“ und „schlechte“ Häftlinge? Wo ist die Grenze zu ziehen?
Kaum fassbar: Raubkunst schmückt den Deutschen Bundestag. Mindestens ein Gemälde aus der Sammlung des jüdischstämmigen Bankiers Gutmann befindet sich im Besitz des Parlaments. Gutmann hatte es zur Zeit des Nationalsozialismus zwangsversteigern müssen. Es wird den Erben jetzt zurückgegeben. Doch für diesen Schritt bedurfte es offenbar erheblichen Druckes.
Am 9. Oktober 1989 strömten 70 000 Menschen zur Montagsdemo in Leipzig – der Wendepunkt einer friedlichen Revolution, die Mauerfall und deutsche Einheit ermöglichte. Brisante Amateuraufnahmen zeigen Frust und Verfall in Leipzig im September 1989. Ein Dokument der Zeitgeschichte aus dem KONTRASTE-Archiv.
Weit über 50 Prozent der in den neuen Bundesländern Lebenden sind der Meinung, dass das Leben in der DDR besser als heute war. Vergessen scheinen das Spitzelsystem und der Unterdrückungsapparat. Ein Erklärungsversuch.
Gut fünf Prozent der Mediziner in der DDR haben bereitwillig als Inoffizielle Mitarbeiter für die Stasi gearbeitet. Ihre Aufgabe: Verrat von Patientengeheimnissen. Das bedeutet sie brachen ganz bewusst die ärztliche Schweigepflicht. Doch bis heute wurde kein Arzt zur Rechenschaft gezogen. Katrin Aue hat einen praktizierenden Arzt besucht, der von seiner Vergangenheit nichts wissen will.
Er war Mitglied der NSDAP, trieb die Enteignung von Juden voran und beschäftigte tausende Zwangsarbeiter unter schlimmsten Bedingungen: Der verurteilte Kriegsverbrecher Friedrich Flick. Trotz seines immensen Reichtums verweigerte er nach dem Krieg jegliche Entschädigung und zeigte keine Reue. Dennoch trägt ein Gymnasium in Kreuztal bei Siegen bis heute seinen Namen. Schüler fordern zwar eine Umbenennung. Schulleiter und Politik aber wollen Flick weiter als Namenspatron ehren. Chris Humbs berichtet.
Nach neuerlichen Stasi-Vorwürfen forderten Bundestagsabgeordnete am Mittwoch Linke-Fraktionschef Gregor Gysi in einer selten heftigen und emotionalen Debatte im Bundestag zum Rücktritt auf. Kontraste dokumentiert die bewegendsten Aussagen von Stephan Hilsberg (SPD), Bürgerrechtler in der DDR und ehemaliges Mitglied des Bundestags-Immunitätsausschusses.
„Jude verrecke“, „Heil Hitler“, Hakenkreuze. Diese Nazischmierereien finden sich in einer öffentlich zugänglichen Bunkeranlage auf dem Obersalzberg im Berchtesgadener Land. Eine Pilgerstätte für Neonazis. Doch die bayerische Staatsregierung bleibt untätig. Und nicht nur bei diesem Problem: Auch das staatliche Dokumentationszentrum auf dem Obersalzberg schlägt Alarm – wegen Mangel an Fachpersonal. Alexander Kobylinski und Caroline Walter sind der Sache nachgegangen.
In kaum einem Land der Welt gibt es so viele Medien wie in Deutschland. Eine unendliche Auswahl von Zeitungen und Zeitschriften und - wenn man mag - hunderte Fernsehprogramme. Vom Internet mal ganz zu schweigen. Doch was nützt das Riesen-Angebot, wenn Zeitungen und Fernsehsender über bestimmte Dinge gar nicht berichten dürfen?
Er lebt unbehelligt in dem Brandenburgischen Dorf Wollin. Karl Gropler, 82 Jahre alt, in Abwesenheit von einem italienischen Militärgericht in erster Instanz zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er als Angehöriger der 16. SS-Panzerdivision am Massaker von Sant Anna di Stazzema beteiligt war. Alte, Frauen und Kinder wurden damals ermordet. In Wollin aber stehen viele hinter Karl Gropler. Damals sei doch Krieg gewesen, heißt es. Eine Reportage von René Althammer und Sascha Adamek.
Er trägt das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, auch das Große Verdienstkreuz wurde ihm verliehen, Klaus Konrad saß drei Legislaturperioden im Bundestag und gilt als respektable Persönlichkeit. Doch jetzt ermittelt die italienische Staatsanwaltschaft gegen ihn wegen Mordes. Klaus Konrad soll an grausamen Verbrechen im Zweiten Weltkrieg beteiligt gewesen sein, bei denen mindestens 48 Zivilisten zunächst gefoltert und dann erschossen wurden. René Althammer und Udo Gümpel haben sich auf seine Spur gesetzt.
Zum 50jährigen Jubiläum trifft sich die Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger. Ein Verein von hoch dekorierten Wehrmachtsoldaten. Das Ritterkreuz – ein Orden von Hitler eingeführt, oft persönlich verliehen. Für besondere Tapferkeit gegen den Feind. Kaum mehr als 7000 Wehrmachtsoldaten haben ihn erhalten. Diese Ritterkreuzträger sind heute Idole für junge Rechte und Skinheads. Roland Jahn und Caroline Walter über eine sehr lebendige Szene um die langsam aussterbenden Ritterkreuzträger.
15 Jahre nach dem Zusammenbruch ist die Geschichte der DDR kein Thema mehr, es ist nicht einmal mehr Thema im Geschichtsunterricht an deutschen Schulen. Die Deutsche Demokratische Republik verkommt zur Fußnote im historischen Weltgeschehen. Vielen Schülerinnen und Schülern kommt es heute vor, als sei die DDR eine Erfindung aus dem Märchenbuch. Schuld daran tragen auch die Lehrer, die die deutsch-deutsche Geschichte verklären, verkitschen oder schlicht ignorieren.
In den Archiven der Zentralstelle zur Verfolgung der nationalsozialistischen Gewaltverbrechen in Ludwigsburg lagern Akten über Akten. Seit Jahrzehnten sammelt die Behörde akribisch alle Daten über NS-Verbrecher und Kriegsverbrechen. Viele Details, Vermerke, Fotos und Papiere wurden aus dem Ausland zugeliefert und in Ludwigsburg mit den vorhandenen Daten zusammen geführt. So entstand eine weltweit einzigartige Verbrecherkartei, die ständig aktualisiert wird. Das Unfassbare: Seit Jahren wird nur noch abgelegt, aber nicht mehr verfolgt. Udo Gümpel und René Althammer decken einen Skandal auf.
Die Nostalgiewelle spült sie wieder ganz nach oben. Stars wie Johannes Heesters, Zarah Leander und Heinz Rühmann sind heute wie gestern Lieblinge des Publikums. Über ihre Vergangenheit in der Propaganda-Maschinerie der Nazis haben sie nie gern geredet. Dabei ging ihre Karriere im Dritten Reich erst richtig los. Wie verstrickt waren die UFA-Stars der 30er und 40er Jahre? Und wie hat sich die "Jahrhundertlegende" Johannes Heesters verhalten?
Die DDR wollte den Aufbau mit Macht und Gewalt durchsetzen. Doch statt Wohlstand für alle gibt es: Enteignung, Zwangskollektivierungen, Verhaftungen. Als auch noch die Arbeitsnormen erhöht werden, rufen Bauarbeiter den Streik aus. Am 17. Juni wird daraus ein Volksaufstand, der schließlich blutig niedergeschlagen wird. Fast 100 Menschen sterben. Eine beispiellose Verhaftungswelle läuft. Auch Heinz Grünhagen kommt ins Gefängnis. Bis heute leidet er an den Folgen dieser Ungerechtigkeit. Ein Porträt von Steffen Mayer und Roland Jahn.
Trainer aus der ehemaligen DDR sind bei den Sportfunktionären im Westen bis heute hoch angesehen - und das, obwohl sie zu DDR-Zeiten ihre minderjährigen Schützlinge mit Dopingmitteln krank gemacht haben. Ohne Folgen für die Täter - aber den Opfern will bis heute niemand helfen.
Vor wenigen Wochen enthüllte Kontraste: Ein verurteilter Kriegsverbrecher lebt seit Jahrzehnten unbehelligt in Deutschland. Denn die zuständigen Staatsanwälte konnten ihn nicht finden - weil sie nicht einmal ins Telefonbuch schauten. Und Fahndungslisten beachteten sie offenbar auch nicht.
Er ist vermutlich der größte noch lebende Nazi-Kriegsverbrecher: In den Jahren 1944 und 1945 SS-Obersturmbannführer in Genua, 1999 in Italien wegen 246fachen Mordes zu lebenslanger Haft rechtskräftig verurteilt - doch bisher lebte der heute 92-Jährige unbehelligt in Hamburg. Kontraste hat ihn fürs Fernsehen ausfindig gemacht.
Noch immer fehlt der "Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft" einiges an den 5 Milliarden, die sie für die ehemaligen Zwangsarbeiter aufbringen wollte. Kontraste meint: Das ist ein Skandal.
Weil uns die laufende Aktualisierung der Liste nicht möglich ist, haben wir sie am 6.11.2000 aus dem Netz genommen. Bitte haben Sie dafür Verständnis. In unserer nächsten Sendung am 7.12.2000 beabsichtigen wir, das Thema noch einmal aufzugreifen.
Nur zögerlich zahlen deutsche Unternehmen in den Fond, aus dem die Zwangsarbeiter entschädigt werden sollen. Fast zwei Milliarden fehlen. Keine Ausrede scheint inzwischen zu dumm, um das Zögern zu entschuldigen: Viele deutsche Firmen, die z.B. von amerikanischen Firmen gekauft werde, erklären sich selbst zu Opfern.
Seit heute steht es fest: Jussuf Ibrahim, Kinderarzt im Dritten Reich und in der DDR als "Retter der Kinder" gefeiert und als "Verdienter Arzt des Volkes" in Jena wie eine Ikone verehrt und zum Ehrenbürger ernannt, war aktiv als Euthanasie-Arzt tätig und an der Ermordung von Kinderpatienten beteiligt. Kontraste zeigt als Einführung zum folgenden Beitrag eine Lobeshymne des DDR-Fernsehens von 1977.
Viele Jahre konnten zwei Frauen aus der DDR unbemerkt Geheimes und Intimes aus dem Zentrum der Macht in Ostberlin - dem Zentralkomitee der SED - an die CIA nach Washington übermitteln: Ein bisher unbekannter Fall, der an die Äffäre Guilleaume auf der anderen Seite erinnert.
Integrationsdebatte, islamistischer Terror, Demokratiemüdigkeit - angesichts solcher Schlagworte könnte man meinen, Rechtsradikale hätten in Deutschland leichtes Spiel. Doch wie der Widerstand gegen eine Neonazidemo in der westdeutschen Provinz zeigt, blitzen die Rechtsextremen schlicht ab.
Linksextremisten rufen immer öfter zu Gewalt auf. Bei einer Demo gegen das Sparpaket der Bundesregierung wurden am 12. Juni 2010 14 Polizisten durch einen Sprengsatz verletzt. Als Mitveranstalter distanzieren sich die Linke und die Gewerkschaft ver.di nicht von gewaltbereiten Gruppen. Ihnen ist ein breites Bündnis gegen die Regierung wichtiger.
Sie betrieben ein rechtsextremes Internetradio – jetzt müssen sich sieben Verdächtige vor Gericht verantworten. Auf ihrer Homepage fanden sich auch Anleitungen zum Bombenbau. Eine Rädelsführerin stand auf der Gehaltsliste des niedersächsischen Verfassungsschutzes. Doch der will von den Straftaten nichts gewusst haben.
In Berlin ist es beinahe schon Normalität, dass nachts Autos brennen. Mehr als 300 Fahrzeuge waren es in den letzten drei Jahren. Die Polizei steht dem Phänomen hilflos gegenüber und vermutet radikale Linke dahinter. Vor dem mit Bangen erwarteten 1. Mai begab sich Kontraste auf Spurensuche in der harten linken Szene der Hauptstadt.
Nach dem vermeintlich rechtsextremistischen Anschlag auf den Passauer Polizeichef Mannichel reagierte die Bayrische Polizei mit einer Sonderkommission. Davon kann Martin nur träumen: vor einem Jahr wurde er im ostthüringischen Berga von Rechtsextremen so schwer verprügelt, dass er sein Leben lang an den Folgen leiden wird. Erst als KONTRASTE vor einigen Tagen nachfragte, begann die Staatsanwaltschaft endlich tätig zu werden und Anklage zu erheben.
Sie übte in einer ganzen Region Terror aus: Die rechtsextremistische Vereinigung „Sturm 34“. Ihre Überfälle waren organisiert, ihr politisches Ziel war die Schaffung einer „national befreiten Zone“. Doch jetzt gab es Freisprüche von der Justiz: „Sturm 34“ sei keine kriminelle Vereinigung. Caroline Walter und Alexander Kobylinski über eine Justiz, die in die Kritik gerät.
Anfang Juni werden Schauspieler des Musicals «Die Rocky-Horror-Show» in Sachsen-Anhalt besonders brutal überfallen. Eine Gruppe von Neonazis ging auf die Theatergruppe aus Halberstadt los, mehrere Mitglieder wurden schwer verletzt. Der Prozess gegen vier rechte Schläger bringt mehr polizeiliche Ermittlungspannen als –erfolge ans Tageslicht. Und die Justiz setzt die Täter während des Prozesses wieder auf freien Fuß. Für die Opfer ist das alles wie eine Horror-Show.
Immer öfter gelangen Daten aus Ermittlungsakten in die Hände von Rechtsextremen. Sie sammeln private Informationen von Bürgern, die sich gegen Rechtsextremismus engagieren, und bedrohen diese. Die neue Strategie der Neonazis: Sie stellen Anzeige gegen vermeintliche Gegner und erhalten so Zugriff auf Akten. So mancher NPD-Abgeordnete verfügt aber auch über einen direkten Draht zu den Ermittlungsbehörden und wird illegal mit brisanten Interna versorgt. Caroline Walter und Alexander Kobylinski berichten über Sicherheitslücken, denen die zuständigen Ministerien nicht konsequent nachgehen.
Über einen Monat nach der Hetzjagd auf Inder will man im sächsischen Mügeln nichts mehr von dem Skandal hören. Stattdessen macht man inzwischen die Opfer zu Tätern. Es heißt, die Inder wären selbst Schuld an der Schlägerei gewesen. Sie hätten Deutsche verletzt. Doch was passierte wirklich in der Nacht? Wer hat wann wen verletzt? Angesichts vieler Merkwürdigkeiten und Vertuschungsversuche haben sich Caroline Walter und Alexander Kobylinski auf Spurensuche begeben.
Sie lebt mitten in Berlin, und sie hat Angst. Angst vor arabisch-stämmigen Jugendlichen, die sie bedrohen, weil sie Jüdin ist. Mit dem israelisch-libanesischen Krieg haben die verbalen Attacken gegen Juden zugenommen. Die Anfeindungen gingen so weit, dass sich das Mädchen eine Zeit lang nur noch unter Polizeischutz zur Schule traute. Ein Bericht von Gabi Probst.
Nicht nur im Osten gibt es Rechtsextremismus, auch in den Städten Westdeutschlands kennt man das Problem. Im niedersächsischen Verden an der Aller haben die Rechtsextremen jahrelang versucht Fuß zu fassen. Schließlich hat es den Bürgern gereicht: Alle bekämpfen phantasievoll die Rechtsextremen, berichten Gabi Probst und Axel Svehla.
Das schöne Sachsen-Anhalt eine Schutzhütte für rechtsextreme Schläger? Diese Unterstellung weisen verantwortliche Landespolitiker weit von sich. Schnell und konsequent gehe man im Lande gegen rechtsradikale Straftäter vor. Justizminister Becker (CDU) behauptet gar: „Wir greifen erbarmungslos zu!“. Doch davon ist nicht viel zu spüren. Einige gewalttätige Rechtsextreme werden in Sachsen-Anhalt immer noch mit Samthandschuhen angefasst, das haben die KONTRASTE-Reporter Caroline Walter und Alexander Kobylinski erfahren.
Als Freund und Helfer war die Polizei in Magdeburg unterwegs – als es um einen Neonazi-Aufmarsch ging. Die Fahnenträger wurden geschützt und die Berichterstatter ins Abseits gedrängt. Handgreiflichkeiten inklusive. Und als der Anführer stolz verkündete, die Staatsmacht sei auf seiner Seite, da lächelten die Beamten. Dokumentiert von Alexander Kobylinski und Caroline Walter.
Der KONTRASTE-Beitrag über das Widererstarken der rechten Szene in Pirna in der sächsischen Schweiz, in dem auch über die Tatenlosigkeit der Polizei berichtet wurde, hat eine Welle der Empörung ausgelöst. Behörden untersuchen die Fälle. Caroline Walter und Chris Humbs ziehen eine erste Bilanz.
Die NPD-Kandidaten haben ihr Wahlziel erreicht. Was vielen nach der Sachsen-Wahl noch als Protestverhalten erschien ist nunmehr Alltag. In der Sächsischen Schweiz hat die NPD ein stabiles Wählerpotential, ist in der Gesellschaft akzeptiert. KONTRASTE-Autoren haben die Wahl und die Tage danach beobachtet. Eine Reise durch den braunen Winkel der Republik.
Vier Jahre nach ihrem Verbot und zwei Jahre nach einer Prozessserie formieren sich die militanten Mitglieder der "Skinheads Sächsische Schweiz" erneut konspirativ. "Nicht nur zum Biertrinken", sagt der zuständige Staatsanwalt. In letzter Zeit häufen sich wieder Überfälle von Rechtsradikalen. Deren Opfer fühlen sich von der Polizei nicht ernst genommen und im Stich gelassen. Alexander Kobylinski und Caroline Walter über eine Polizei, die im Kampf gegen den Rechtsextremismus offensichtlich kapituliert hat.
Es sind die jungen Leute, die die NPD bei den Wahlen in Schleswig-Holstein ins Visier genommen hat. Kostenlos verteilen Aktivisten an den Schulen CDs mit aggressivem Rechtsrock. Darunter auch Stücke des Neonazi-Kultmusikers Michael Regener. Die Kinder greifen zu. Regener ist ein Star in der "Szene" und neuerdings auch NPD-Mitglied. Jo Goll und Norbert Siegmund über die Hintergründe.
Seit die NPD im sächsischen Landtag sitzt, suchen die etablierten Parteien nach einem wirksamen Mittel, die Rechten zu bekämpfen. Ausgrenzen und ignorieren waren die probaten Maßnahmen der 80er und 90er Jahre. Gegen eine professionalisierte Rechte hilft das nicht. Es bleibt nur der beschwerliche Weg, sich gegen die NPD-Abgeordneten mit überzeugenden Argumenten zu werten. Das kann nicht funktionieren, solange CDU-Politiker im Landtag mit den Rechten sympathisieren. René Althammer, Andrea Böll und Anton Mägerle untersuchen für Kontraste: Wie braun ist die CDU in Dresden?
Phantasievoll, pingelig, kreativ. Berlins Polizeidirektor Michael Knape nutzt alle Möglichkeiten, um den Neonazis die Grenzen aufzuzeigen. Keine Nazi-Feier, keine Nazi-Demo in Berlin, bei der nicht ein Großaufgebot der Polizei die Einhaltung von Recht und Gesetz unerbittlich durchsetzt. Jo Goll und Norbert Siegmund porträtieren den Mann, der den Rechten jeden Spaß verdirbt.
Hass-Musik hat wieder Konjunktur. Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit proben rechtsradikale Bands für den großen Auftritt. In Kellern, Hinterhöfe und Garagen auf dem platten Land vertonen Skinheads braune Parolen. Und obwohl sich bei engagierten Bürgern dagegen bereits Widerstand regt, interessiert sich keine Behörde für die Proteste. Eine Momentaufnahme aus Nordhessen und die Frage: Was tun? Roland Jahn über das Comeback der Nazi-Rocker.
Die NPD feiert Wahlerfolge: bei den Kommunalwahlen in Sachsen erzielte sie in einzelnen Regionen bis zu 25 Prozent der Stimmen. Gewählt wurden Kandidaten, die scheinbar aus der Mitte der Gesellschaft kommen: Fahrlehrer, Klempner, Ärzte. Die Zustimmung zur NPD zeigt sich im Alltag: bei der Ablehnung von Menschen, die "fremd" erscheinen, durch rassistische Hetzparolen im Stadtbild und durch die Angst derjenigen, die sich mit dem Vormarsch der NPD nicht abfinden wollen.
Da wundert sich das Friedensbündnis. Plötzlich marschiert die NPD auf den Antikriegs-Demos mit. "Kein Blut für die USA" steht auf den Handzetteln. Die Transparente sind mit "Boykott den Kriegstreibern!" bedruckt. Friedensaktivisten sind empört, sich auf einmal Seite an Seite mit Rechtsradikalen wieder zu finden. Darf das sein? Ist das gelebte Demokratie? Michael Beyer und Roland Jahn über deutsche Demokraten im Härtetest.
Als politische Demonstration gestartet und als sinnlose Gewaltorgie geendet. Der "Revolutionäre 1.Mai" hat seine politischen Wurzeln gekappt. Friedhelm Brebeck macht sich im umkämpften Kreuzberg auf die Suche nach einer politischen Idee.
Linksextreme wie rechtsextremen Demonstranten sind sich nach den Anschlägen in den USA in vielerlei einig - in ihren Friedens-Forderungen, im Auftreten und vor allem in ihrem Antiamerikanismus: Die Extreme überschneiden sich.
Bis vor kurzem galt das brandenburgische Bernau als ein Hort von rechtradikalen Jugendlichen. Durch kluge Anwendung bestehender Gesetze hat sich nun ein Richter gegen die Neonazis durchgesetzt: Nicht als Richter gnadenlos, sondern durch schnelle und sehr gezielte Maßnahmen.
In der Sendung vom 9. März berichtete Kontraste über ausländerfeindliche und rassistische Gesinnung vor allem junger Menschen im brandenburgischen Rathenow. Bürger und Bürgermeister zeigten sich empört. Jetzt diskutierte die Kontraste-Redaktion mit den Rathenowern.
47 Asylbewerber möchten aus Angst vor Übergriffen das Land Brandenburg verlassen. Eine Reportage über den alltäglichen Fremdenhaß in der brandenburgischen Stadt.
In den späten 60er und frühen 70er Jahren war der Rechtsanwalt Horst Mahler eine Führungsfigur in der Außerparlamentarischen Opposition und aktiver Genosse bei der RAF. Nach einer Verurteilung wegen krimineller Bandenbildung und Haft konvertierte er zum Maoisten. Heute agiert Mahler in der ideologischen Nähe der rechtsradikalen NPD: Eine deutsche Karriere.
Der Kriminologe Christian Pfeiffer verärgert die ostdeutschen Bürger. Der Kern der Empörung: Ist die Erziehung in der DDR verantwortlich für Ausländerhaß und rechte Gewalt in den neuen Bundesländern?
Seit Jahren terrorisiert eine rechte Jugendszene im sächsischen Wurzen Andersdenkende. Die Stadt ist eine Hochburg der NPD. Der Bericht gibt Einblicke in die rechtsradikale Szene, ihre neue Strategie und ihre Opfer. Erst jetzt entwickelt die Polizei Gegenstrategien.
Die DVU ist mit 12,9% in den Landtag von Sachsen-Anhalt eingezogen. Vor allem Jung- und Erstwähler gaben den Rechtsextremen ihre Stimme. KONTRASTE wollte wissen, wie sich brandenburger Jungwähler entscheiden würden. Ergebnis: Rechtsradikale liegen auch hier im Trend.
Danny Dahlig, 15 jähriger Schüler aus Angermünde, mußte 4 Tage in den Knast. Eine vorbeugende Maßnahme. Grundlage: Das Brandenburgische Polizeigesetz. Der Beitrag untersucht die fragwürdige Aktion und zeigt die Argumente der Beteiligten.
Quer durch die Parteien ist es Konsens: für die Integration von Kindern nichtdeutscher Herkunft an den Schulen muss mehr getan werden. Doch im konkreten Alltag mangelt es Schulen in sozialen Brennpunkten oft an Geld. Sozialarbeiter erhalten nur monateweise Honoraraufträge. Und wenn Lehrer krank werden, fällt der Förderunterricht aus.
Der ritualisierte Streit um die Sarrazin-Thesen hilft vor Ort nicht wirklich weiter. An Brennpunkten wie Berlin-Kreuzberg weiß man dagegen, was hilft: Wertschätzung der Kinder mit moslemischem Hintergrund und interkulturelle Kompetenz. Doch die Kosten für die notwendige Fachbildung von Lehrern scheuen Politik und Verwaltung.
Fast jede Nacht werden in Berlin Autos angezündet. Die Polizei vermutet Linksautonome hinter den Anschlägen. Was kaum einer weiß: Bei den vermeintlich schwerreichen Besitzern der ausgebrannten Luxuslimousinen handelt es sich oft um Kreuzberger Türken. Und deren Wut wächst.
Eigentlich hat Hasan Khateeb alles richtig gemacht: Deutsch gelernt, Abitur gemacht, Jurastudium begonnen. Doch nun soll der Palästinenser mit seinen sieben Geschwistern nach Jordanien abgeschoben werden. Sein Vater soll bei der Einreise angeblich falsche Angaben gemacht haben - vor 17 Jahren.
Sex vor der Ehe – im Islam noch immer ein Tabu. Passiert es dennoch, wird es für junge Musliminnen oft gefährlich: Wenn die Heirat ansteht, wächst die Angst vor dem Vater oder den Brüdern. In ihrer Verzweiflung lassen Frauen ihre Unschuld durch Ärzte wiederherstellen. Oder sie fliehen und verstecken sich.
Berlin am Sonnabend. Massenprotest gegen den Krieg im Gaza-Streifen. Fast 9000 Menschen sind auf der Straße, die meisten Palästinenser und radikale Islamisten. Elf Demonstranten werden wegen Volksverhetzung festgenommen. Berlin im Jahr 2009. Am selben Tag in Duisburg. Hier reißt die Polizei zwei Israel-Fahnen herunter. Unter dem Beifall der Menge. Erst drei Tage später hält die Polizei es für nötig, sich für diese Aktion zu entschuldigen. Szenen in Deutschland.
Obwohl in Deutschland geächtet, gehört die Verwandtenehe unter Migranten immer noch zur Normalität. In so manchem Stadtteil wird aus Tradition jede fünfte Ehe zwischen Cousin und Cousine abgeschlossen. Problematisch wird das beim Nachwuchs. Zeugen Cousin und Cousine ersten Grades ein Kind, ist das Risiko schwerster Anomalien oder Krankheiten beim Kind doppelt so hoch, wie bei einer gewöhnlichen Ehe. Genetische Aufklärung: Fehlanzeige. Chris Humbs und Anne Brandt über das Wegsehen der Politik.
Quais Kamran stammt aus Afghanistan. Er lebt mit seinen Eltern und Geschwistern seit 16 Jahren im hessischen Friedberg. Nach seinem Schulabschluss will er Polizist werden. Doch ausgerechnet als er sich um die Ausbildung zum Polizeibeamten bewerben will, wird die Ausländerbehörde auf ihn aufmerksam: Jetzt will sie ihn und einen Großteil seiner Familie abschieben. Über das Thema „Abschiebung von Altfällen“ diskutiert seit heute die Innenministerkonferenz. Susanne Opalka und Steffen Mayer berichten über gedankenlose und inhumane Ausländerpolitik.
Während die Bundesregierung in Berlin ihre Planungen für einen Integrationsgipfel vorantreibt, gehen nur ein paar Kilometer entfernt hunderte Menschen gegen den Bau einer Moschee auf die Barrikaden. Der Widerstand ist so massiv, dass die Behörden die Bauarbeiten unter Polizeischutz stellen wollen. Anja Dehne und Kathrin Zauter berichten.
Entsetzen über den jüngsten Ehrenmord. Entsetzen auch über die Legitimierung der Tat durch drei Berliner Schüler. Für die Mehrheit der türkischen und arabischen Jugendlichen ist es unvorstellbar, die eigene Schwester zu töten. Dennoch sind viele überzeugt: Freiheit, Unabhängigkeit und Freizügigkeit steht Frauen nicht zu. Das ist eine Frage der Ehre. Katrin Aue über den verhängnisvollen Import von Traditionen.
Gesund, jung, attraktiv - und vor allem deutsch sollten die Besucher von Fitness-Studios sein. Sonst könnte es Probleme geben. Als sei das nicht Skandal genug, öffnet selbst die deutsche Staatsangehörigkeit nicht jede Tür. Vielerorts genügt es schon, einfach nur "ausländisch" auszusehen, um ausgegrenzt zu werden. Andrea Everwien und Roland Jahn haben die Probe aufs Exempel gemacht.
Nur aus Versehen landet ein junger Mann im falschen Frankfurt. Er hat sich im Zug vertan. Sein Verhängnis: Der Franzose hat dunkle Haut und spricht kein Deutsch. Sein Irrtum hat schmerzhafte Folgen. René Althammer dokumentiert die verhängnisvolle Reise zur falschen Zeit zum falschen Bahnhof.
Kinder, die allein als Flüchtlinge nach Deutschland kommen, haben praktisch keine Chance, Asyl gewährt zu bekommen. Kindgerechte Betreuung gibt es für sie praktisch nicht. Statt dessen müssen sie befürchten, im Abschiebeknast zu landen. Und auch die Kinderrechtskonvention der UNO schützt sie nicht - denn Deutschland hat sie nur unter Vorbehalt akzeptiert.
Joseph Kantelberg-Abdullah: Am 22. November 2000 verhaftet die Dresdner Staatsanwaltschaft drei Jugendliche aus der Kleinstadt Sebnitz wegen dringenden Mordverdachts. KONTRASTE-Recherchen belegen, die Verhaftung, die weltweit für Aufsehen sorgte, ist auf Schlamperei und Unprofessionalität der Staatsanwaltschaft zurückzuführen.
Berlin-Kreuzberg: 40 Prozent der Bewohner sind Ausländer, die meisten kommen aus der Türkei. Zwischen Islam und westlicher Moderne: wie funktioniert die Integration?
Der Aufschrei war groß, als herauskam, dass sich die CDU in Nordrhein-Westfalen von Unternehmen sponsern lässt. Doch KONTRASTE-Recherchen ergaben: Das Polit- Sponsoring ist Alltag. Ministerien und sogar der Bundespräsident lassen Veranstaltungen komplett von Privatfirmen finanzieren – und die erhalten dafür wertvolle Publicity.
In Brandenburg versinkt die Partei Die Linke immer mehr im Chaos. Beinahe täglich gibt es einen neuen Stasi-Fall in der Fraktion. Der Koalitionspartner SPD hält bislang still und wehrt Attacken der Opposition ab. Was steckt dahinter?
Nach dem Debakel bei der Bundestagswahl steht die SPD noch immer unter Schock. Zwar scheinen die wichtigsten Personalfragen inzwischen geklärt – aber wie es weitergehen soll nach dem Verlust von sechs Millionen Wählerstimmen, ist vielen Genossen völlig unklar. Nicht alle wollen einen Linksruck. Wir haben zwei junge SPD-Bundestagsabgeordnete am Tag der ersten Fraktionssitzung begleitet.
Im TV-Duell Merkel gegen Steinmeier waren sie ein großes Thema: die Manager und ihr Versagen in der Finanz- und Wirtschaftskrise. Die Politik will Härte zeigen. So beschloss der Bundestag, dass Manager für von ihnen angerichtete Schäden mit einem Selbstbehalt haften sollen. Doch findige Versicherungen bieten inzwischen dagegen Schutz.
Auch die beiden Landtagswahlen im Saarland und in Thüringen sind die Generalprobe für die Bundestagswahl. Für die SPD sieht es in Umfragen düster aus. Warum erreicht die Sozialdemokratie die Wähler nicht mehr? Flüchtet sich die SPD in Saabrücken und Erfurt in Bündnisse mit der Linken?
Die SPD-Führung will auf Biegen und Brechen die Privatisierung der Deutschen Bahn durchsetzen. Dabei ist die Frage, ob die im Grundgesetz verankerte Sicherstellung eines öffentlichen Nahverkehrsnetzes überhaupt privatisiert werden darf, in der SPD weder diskutiert noch beschlossen worden. Wie und warum die Kritiker dieser Art der Privatisierung ausgetrickst und ruhig gestellt werden, zeigt der Bericht von Ursel Sieber.
Wer als Spitzenpolitiker Karriere macht, kann sich im Anschluss an die aktive Laufbahn eine goldene Nase verdienen. Ex-Politiker sind gefragt als Berater, Lobbyisten und Türöffner in der globalisierten Wirtschaft. Problematisch und moralisch fragwürdig wird das Ganze allerdings, wenn man hinterher dort sein Geld verdient, wo man vorher politischer Wegbereiter war. Steffen Mayer und Susanne Opalka über das Geben und Nehmen in der deutschen Politik.
Spätestens seit dem Rücktritt der PDS-Ikone Gregor Gysi stehen alle Politiker unter Generalverdacht: Selbstsüchtig, raffgierig und unsozial sollen sie sein. Skandalöse Verstrickungen mit der PR-Szene werden ihnen vorgeworfen. Welche Rolle spielt der "Beziehungsmakler" Moritz Hunzinger für die parlamentarische Demokratie? Wie mächtig sind die Strippenzieher und wie abhängig die Politiker? Steffen Mayer, Caroline Walter, Andrea Böll und Susanne Härpfer gehen dem Thema Lobbyismus auf den Grund.
Nach Recherchen von KONTRASTE hat der Berliner CDU-Fraktionsvorsitzende Klaus-Rüdiger Landowsky die Barspende der Aubis-Geschäftsführer 1995 selbst angeregt. Interne Dokumente der Berlin Hyp belegen zudem, es gab erhebliche Zweifel an der Kreditwürdigkeit der Aubis-Gruppe.
Die Spendenaffäre brachte die regierende CDU im Februar an den Rand der Regierungsfähigkeit, Ministerpräsident Koch geriet unter schweren Druck: Spenden unbekannter Herkunft wurden als Vermächtnisse Verstorbener ausgewiesen. Kontraste zeigt das System CDU.
Die spendablen Freunde von damals mochte Helmut Kohl auch heute nicht beim Namen nennen, obwohl er doch eigens eine eigene Pressekonferenz gehalten hat.
Kontraste versuchte es noch einmal. Werner Sonne hat Helmut Kohl die Fragen gestellt, auf die wir und bestimmt auch viele CDU-Mitglieder so lange schon und so gerne eine Antwort hätten.
Nach KONTRASTE-Recherchen war der nordrhein-westfälischen Landesregierung schon 1997 klar, daß der "Flugservice" der WestLB für Regierungsmitglieder steuerrechtlich fragwürdig ist.
Die Affäre Schreiber löste den CDU-Spendenskandal aus. Scheibchenweise enthüllt Schreiber, scheibchenweise gibt die CDU illegalen Umgang mit Parteispenden zu. Kontraste hat Auszüge aus Schreibes geheimen Tagebuch. Was weiß Ex-Schatzmeisterin Baumeister?
Ein Porträt des Bundestagskandidaten für Bündnis 90/Die Grünen aus Berlin-Kreuzberg. Der Beitrag zeigt den holprigen Weg eines überzeugten linken Rechtsanwalts zum Politiker: Ein möglicher Stolperstein für ein rot-grünes Bündnis.
Was tun mit schwer kriminellen Kindern? Immer wieder werden sogar Elfjährige aufgegriffen, die mit Drogen dealen oder gewalttätig sind. Und immer wieder werden sie laufen gelassen. Viele Politiker fordern nun geschlossene Heime.
Die Justiz setzt seit Jahren immer mehr auf die Sicherungsverwahrung für gefährliche Rückfalltäter. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat deren rückwirkende Verlängerung als Verstoß gegen die Menschenrechte eingestuft. Die deutsche Politik muss sich neu aufstellen.
Die Zahl der Häftlinge in Sicherungsverwahrung hat sich in Deutschland seit den 90er Jahren verdreifacht. Spektakuläre Einzelfälle bei Sexualstraftaten treiben die Politik dazu, die Gesetze zu verschärfen. Die Folge: Auch immer mehr ungefährliche Täter bleiben nach Verbüßung ihrer Strafe im Gefängnis – womöglich bis zum Tod.
Angesichts der Vielzahl der Fälle von sexuellem Missbrauch hat sich der katholische Jesuitenorden Aufarbeitung auf die Fahnen geschrieben. Doch wie KONTRASTE-Recherchen zeigen, klaffen Anspruch und Wirklichkeit immer noch auseinander. Opfer erheben schwere Vorwürfe und bezweifeln den Willen zur Aufklärung.
Gerade zur Winterzeit sind Pannen bei den ICE-Zügen der Bahn keine Seltenheit. Der Konzern beruft sich oft auf das widrige Wetter, wenn Züge zu spät fahren oder liegen bleiben. Doch das Problem liegt in Wahrheit oft woanders. Die Bahn spart bei ihren Wartungsarbeiten – bisweilen sogar Kosten der Sicherheit.
Der Krankenstand in deutschen Unternehmen ist seit Jahren rückläufig. Trotzdem greifen manche Chefs zu fragwürdigen Mitteln. "Aktivprämien" erhalten bei ihnen Angestellte, die sich ein Jahr lang nicht krank melden. Die Errungenschaft der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall wird so immer öfter ausgehebelt.
Bei einer großen deutschen Krankenkasse, der BKK Gesundheit, bestand die Gefahr des millionenfachen Datendiebstahls. Die Kasse hatte eine externe Firma mit der Betreuung ihrer Telefon-Hotline beauftragt. Hilfskräfte des Call Centers hatten bis vor kurzem direkten Zugriff auf sensible Daten der Krankenkassenmitglieder.
Der Skandal um sexuellen Missbrauch an deutschen Jesuiten-Schulen hat erste personelle Konsequenzen. Der Rektor des Bonner Aloisius-Kollegs trat mit sofortiger Wirkung zurück. Doch noch immer gibt es in dem Orden und der katholischen Kirche keine konsequente strafrechtliche Aufarbeitung.
Die Diskussion über die Sicherheit an deutschen Flughäfen geht weiter – Stichwort „Nacktscanner“. Doch nun gibt es ein ganz neues Problem: Hacker sind in der Lage, die Ausweise des Personals heimlich per Funk zu kopieren. Mit solchem Datenklau könnten sich Terroristen Zugang zu sicherheitsrelevanten Bereichen verschaffen.
So manche Problemzone in deutschen Großstädten gilt inzwischen als „No-Go-Area“ für Polizisten in Uniform. Hass und Gewalt eskalieren – Gewalttäter werden zu einer Bedrohung für die Zivilgesellschaft.
Vorglühen, wegballern, Komasaufen – Alkoholmissbrauch gehört für immer mehr Jugendliche zum Alltag. In Niedersachsen setzt die Polizei nun auf minderjährige „Lockvögel“, um den verbotenen Verkauf an Jugendliche einzudämmen. Agent Provokateurs im Staatsdienst, meint der Kinderschutzbund und verurteilt diese Fahndungmethode.
Sie führen eine Propagandaschlacht. Die Terrorgruppen Taliban und Al Qaida versuchen, die deutsche Politik zu beeinflussen. Sie wollen den Abzug der deutschen Truppen aus Afghanistan mit Propaganda-Meldungen und Terroranschlägen erzwingen. Doch wie gehen die deutschen Medien mit den Verlautbarungen von Taliban und Al Qaida um? So manche Agentur macht sich mit Meldungen zum unfreiwilligen Helfer der Terroristen.
Ungehindert von Behörden oder der Polizei lassen sich Straftäter Drogen in ein Berliner Gefängnis schmuggeln. Direkte Anwohner der Jugendstrafanstalt in Plötzensee sind machtlos und fühlen sich bedroht. Die Behörden wissen von dem offenen Drogenschmuggel – aber unternehmen nichts. Unsere Reporter haben sich auf die Lauer gelegt – und schockierende Szenen gefilmt.
„Schlimmste Terroristin"! Nein, so will die RAF-Aktivistin Brigitte Mohnhaupt nicht beschimpft werden. Sie beruft sich auf das Recht, sich wieder ungehindert in die Gesellschaft integrieren zu dürfen. Fotos von ihr und andere RAF-Täter dürfen nicht mehr gezeigt werden. Solche Veröffentlichungen sollen angeblich eine Reintegration nach vielen Jahren in Haft stören. Ein Bericht von Benedict Maria Mülder.
Sie sind unscheinbar, freundlich, angepasst - doch im Herzen sind sie Terroristen. Eine neue Generation islamistischer Attentäter bedroht Deutschland. Ihre Unauffälligkeit ist ein Albtraum für die Sicherheitsbehörden. Steffen Mayer und Susanne Opalka zeigen, was diese neue Terroristen-Generation so gefährlich macht.
Sie haben unzählige Male vor Gericht gestanden und doch keinen Tag im Gefängnis gesessen. Jugendliche Intensivtäter müssen die Justiz nicht fürchten. Sie kommen mit Ermahnungen, Appellen, Verwarnungen, ein paar Tagen Strafarbeit davon. Mehr als 50 Ermittlungsverfahren hat beispielsweise der junge Berliner Yussuf ausgelöst. 15 Jahre folgte Straftat auf Straftat. Anja Dehne und Norbert Siegmund dokumentieren seine kriminelle Karriere. Plädoyer für das Ende der Schonzeit.
Er sei doch ein Freund des Datenschutzes, lässt Innenminister Schily verlauten - und schränkt gleich wieder ein: wenn dieser Datenschutz Ermittlungen behindere, müsse er eben weichen. Rechtfertigung für einen Großangriff auf die Bürgerrechte: Die Pläne des forschen Ministers sehen es vor, Menschen reihenweise zu vermessen und Daten über ihren Körper zu speichern. Wer fragt in Zeiten der Terrorangst schon nach, was man mit den Daten alles anstellen kann.
Die Zahl kindlicher Straftäter steigt. Kinder unter 14 Jahren aber bleiben in Deutschland straffrei. Viele wissen das und klauen, rauben und verletzen ungeniert. Soll die Strafmündigkeit von Kindern mit 12 Jahren beginnen? Dafür gibt es gute Gründe.
Die Berliner Polizei ist bereits einen Tag vor den Todesschüssen in zwei Fernschreiben des BKA vor PKK- Aktionen gewarnt worden. Der Berliner Innensenator Eckart Werthebach weist die Vorwürfe gegen die Berliner Polizei zurück.
Die deutschen Gefängnisse sind überfüllt. Entlastung soll eine Justizreform bringen, die unter anderem ein Fahrverbot als Strafe auch für allgemeine Taten möglich macht. Ist das Konzept sinnvoll oder praxisfern?
Das Internet-Portal Wikileaks rühmt sich, geheime Informationen publik zu machen. Der jüngste „Coup“ war die Veröffentlichung tausender US-Akten zum Krieg in Afghanistan. Was Wikileaks als Großtat feiert, gefährdet in Wahrheit das Leben von afghanischen Informanten und stärkt die Taliban. Berichte über deren Terrorakte? Fehlanzeige!
Die Kämpfe in Afghanistan werden immer brutaler, die Zahl der Toten und Verletzten steigt. Erstmals beklagen jetzt Soldaten in KONTRASTE, dass die Bundeswehr sie nur ungenügend auf den Kampfeinsatz vorbereitet hat. Geplante Ausbildungsmaßnahmen in der Heimat werden immer häufiger gestrichen.
Der Untersuchungsausschuss des Bundestages soll Licht in die Affäre um das Bombardement von Kundus mit bis zu 142 Toten bringen. Doch Verteidigungsminister zu Guttenberg rückt Akten nur stückweise heraus. Inzwischen beschweren sich alle Fraktionen im Ausschuss über diese Salamitaktik.
Die Bundeswehrsoldaten in Afghanistan benötigen dringend Kampfhubschrauber, die ihnen im Kampf gegen die Taliban helfen. Diese Hubschrauber namens „Tiger“ wurden vor 25 Jahren in Auftrag gegeben. Doch bislang fliegen nur Testmodelle. Aber: Auch wenn die „Tiger“ demnächst ausgeliefert werden, sind sie sind für den Einsatz nicht tauglich.
Durch die Kasernen der Bundeswehr weht immer noch der Geist der Wehrmacht. Kontraste deckt auf, wie massiv die Bundeswehr auf fragwürdige Quellen und Ausbildungsinhalte der Wehrmacht zurückgreift. Wie verbreitet diese unselige Tradition noch ist, schildert ein Bundeswehrausbilder exklusiv in Kontraste.
Ob lebenswichtige Störsender, Ersatzteile für Patrouillenfahrzeuge oder Sanitätsmaterial – der Bundeswehr in Afghanistan mangelt es oft an ausreichender Ausstattung. Das belegen Kontraste vorliegende vertrauliche Einsatzberichte der Bundeswehr. Das mächtige Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung soll die Truppe eigentlich schnell mit allem Wichtigen ausrüsten. Aber ein kompliziertes System aus Behörden und Genehmigungsverfahren bewirkt das Gegenteil, wie Alexander Kobylinski und Caroline Walter berichten.
Deutsches Militär rein oder raus – die deutsche Bevölkerung in ihrer Mehrheit sagt: raus. Ganz vorn dabei die Friedensbewegung. Doch ein Mitglied der Friedensbewegung schert aus: Der Außenminister Afghanistans Dr. Spanta. Spanta lebte mehr als 20 Jahre in Deutschland und war aktiver Politiker bei den Grünen. Heute sagt er: Lasst Afghanistan nicht wieder allein und fordert ebenso wie die afghanische Frauenministerin mehr deutsche Soldaten als bisher. Steffen Mayer, Caroline Walter und Alexander Kobylinski setzen sich mit den Argumenten der Friedensbewegung auseinander.
Staatsekretär Christian Schmidt (CSU) hat eine Mission: Er möchte durch eine neue Kampagne einen Fliegerheld der Nationalsozialisten wieder hoffähig machen: Oberst Werner Mölders. Mölders trat freiwillig in die Legion Condor ein, die sich an Kriegsverbrechen beteiligte. Trotzdem trug ein Jagdgeschwader der Bundeswehr viele Jahre den Traditionsnamen Mölders. Erst 2005, nach einem KONTRASTE-Bericht, benannte der damalige Verteidigungsminister Struck die Einheit um. Doch viele in der Truppe wollen sich auch heute noch damit nicht zufrieden geben. Ihr prominentester Fürsprecher, Christian Schmidt (CSU), ist einer der Stellvertreter des Bundesverteidigungsministers. Alexander Kobylinski und Caroline Walter berichten.
Als "Fliegerheld" wurde er im Völkischen Beobachter gefeiert, als "leuchtendes Vorbild deutscher Jugend" gepriesen. Nach seinem Tod wurde Oberst Werner Mölders mit einem Staatsakt in Anwesenheit von Adolf Hitler geehrt. Nach dem Krieg wurde Mölders sogar Namensgeber eines Jagdgeschwaders der deutschen Luftwaffe. Aus und vorbei. Jetzt will das Verteidigungsministerium das Jagdgeschwader 74 umbenennen. Grund: Kontraste fand erdrückende Beweise, dass Mölders kein Held, sondern als Mitglied der „Legion Condor“ an grausamen Kriegsverbrechen beteiligt war.
Als "Fliegerheld" wurde er im Völkischen Beobachter gefeiert, als "leuchtendes Vorbild deutscher Jugend" gepriesen. Nach seinem Tod wurde Oberst Werner Mölders mit einem Staatsakt in Anwesenheit von Adolf Hitler geehrt. Mölders ist noch heute ein Held, das Jagdgeschwader 74 "Mölders" hält sein Andenken in Ehren. Zusammen mit Mitgliedern der rechtsradikalen Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger begehen sie jedes Jahr den Todestag von Werner Mölders. Trotz Verbot des Verteidigungsministeriums. Caroline Walter über gefährliche Traditionspflege.
Als "Fliegerheld" wurde er im Völkischen Beobachter gefeiert, als "leuchtendes Vorbild deutscher Jugend" gepriesen. Nach seinem Tod wurde Oberst Werner Mölders mit einem Staatsakt in Anwesenheit von Adolf Hitler geehrt. Der Wehrmacht-Oberst Mölders ist noch heute ein Held, die deutsche Bundeswehr hält sein Andenken in Ehren. Eine Elite-Einheit, ein Jagdgeschwader, ist nach ihm benannt und zwei Kasernen der Bundeswehr. Roland Jahn und Caroline Walter über gefährliche Traditionspflege.
Es klingt so logisch und einleuchtend. In Zeiten globaler Bedrohungsszenarien wollen sich die Industrienationen angemessen schützen. Mit dem größten transatlantischen Rüstungsprogramm aller Zeiten, mit MEADS, sollte erstmalig auch europäische Technologie weltweit zur Raketenabwehr zum Einsatz kommen. Aber das System ist ineffektiv, viel zu teuer und für Deutschland unbrauchbar. Dennoch hält die deutsche Regierung daran fest. Warum? Antworten von Marcus Weller und Chris Humbs.
Jahrzehntelang galten Arabiens Diktatoren dem Westen als Garanten für den ungehinderten Zugang zum Erdöl. Im Gegenzug gab es großzügige Waffenlieferungen - auch aus Deutschland, obwohl Waffenexporte eigentlich verboten sind, wenn die Käufer die Menschenrechte verletzen. Jetzt steht zu befürchten, dass die aufkeimende Oppositionsbewegung mit deutschen Waffen niedergemacht wird.
Bundeskanzlerin Merkel hat heute Ägyptens Präsident Hussein Mubarak zu einem Neuanfang gemahnt. Das ist doch erstaunlich, auf einmal diese kritische Distanz. Dabei hat diese und auch alle vorherigen Regierungen dem ägyptischen Regime in all den Jahren zuvor doch treu zur Seite gestanden.
Offiziell ist Schwarzarbeit verpönt. Die Bundesregierung hat ihr schon oft den Kampf angesagt. Doch in der Praxis tut sie wenig. Dafür hat sie sogar gute Gründe: Schwarzarbeit fördert gerade in Krisenzeiten die Binnennachfrage und sichert den Beschäftigten ein zusätzliches steuerfreies Einkommen.
Aussprechen will es keiner und schon gar nicht vor der Wahl in Nordrhein-Westfalen: Um die klammen Staatskassen zu füllen, käme eine PKW-Maut wie gerufen. Milliardeneinnahmen wären garantiert. Mittlerweile steht die Front der Befürworter - und zwar parteiübergreifend.
Im Zeitungsinterview mit der Bild am Sonntag beklagte sie ihr Schicksal: die einst milliardenschwere Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz: Die Folge: Spott und Häme. Was lief schief? Dass sie von 600 Euro im Monat leben müsse, sei einfach unglaubwürdig, sagen PR-Experten. Das Zeitungsinterview – ein Desaster für das Image.
Nach Mehdorns Abgang sollte alles besser werden: Doch dann kam das S-Bahn Chaos in Berlin. Seit Wochen ist der S-Bahn-Verkehr in Berlin durch Zugausfälle so gut wie lahm gelegt. Die Deutsche Bahn als Eigentümer der S-Bahn hat bisher auf maximalen Profit gesetzt und die Wartung der Züge vernachlässigt.
Bankmanager verdienten Millionen - und verbrannten Milliarden. Den Verursachern der Finanzkrise will jetzt die Justiz auf den Pelz rücken. Aber es ist schwer, die Spitzenmanager mit Hilfe der Strafgesetze hart und schnell zu belangen. Das bewies vor der aktuellen Bankenkrise schon der Berliner Bankenskandal. Seit mittlerweile 8 Jahren ermittelt hier die Justiz. Bis heute konnte sie keinen der Skandalbanker hinter Gitter bringen. Müssen die Strafgesetze geändert werden?
Bis jetzt sind es fast 11 Milliarden Euro, öffentliche Mittel zur Rettung der privaten Industriebank (IKB). Doch genaue Hintergründe des Finanzdeals bleiben geheim. Selbst die Abgeordneten des Deutschen Bundestages erfahren kaum etwas. Der Wirtschaftsminister schiebt die Verantwortung von sich, der Finanzminister will in der Sache nicht reden. Steffen Mayer und Kay Walter über fehlende Transparenz beim größten Finanzskandal der letzten Jahre.
Die Strompreise steigen und steigen – seit dem 1. Mai müssen viele Verbraucher noch mehr bezahlen. Die großen Konzerne beantragen trotz riesiger Gewinne immer neue Preiserhöhungen bei den zuständigen Wirtschaftspolitikern der Länder. Die sollen eigentlich die Konzerne kontrollieren und die geplanten Preiserhöhungen prüfen. Wie kann es sein, dass fast alle Wirtschaftsminister zustimmen? Chris Humbs hat nachgefragt.
Milliardenskandal, Abgang der Strippenzieher, Bruch der Koalition: Die Affäre um die landeseigene Berliner Bank-Gesellschaft hat ordentlich Staub aufgewirbelt. Zeit also für die amtierende rot-grüne Berliner Koalition, jetzt ordentlich aufzuräumen? KONTRASTE fand heraus: das alte Verschleierungsspiel geht weiter. Die Gewinne landen bei den Anlegern, die Verluste trägt der Steuerzahler.
Das rechte Spektrum abseits der rechtsradikalen Parteien oder Neonazi-Szene in Deutschland findet kaum Beachtung. Das wollen sie jetzt ändern. Das Reizwort ist Euro. Die Angst vor dem Euro wird geschürt, um die Bürger ins rechte Lager zu treiben.
Gesundheit als staatliche und gesellschaftliche Aufgabe
Rund 17.000 Patienten kommen nach Expertenschätzungen jährlich durch Pflege- und Versorgungsmängel in deutschen Krankenhäusern zu Tode. Gerade ältere Menschen, die sich nicht wehren können, werden zu Opfern. Nachlässige Pflege, Krankenhauskeime, falsche Medikamentengabe - die Liste der Fehler im Klinikalltag ist lang. Schuld ist der drastische Personalabbau bei Pflegekräften sowie fehlende ärztliche Fürsorge und Verantwortlichkeit.
Immer noch sind viele Arzneimittel, die bei Kindern eingesetzt werden, für diese gar nicht zugelassen. Das größte Problem: Oft gibt es auch keine kindgerechte Darreichungsform. Fehldosierungen können die gefährliche Folge sein. Die Pharmaindustrie bekommt zuwenig Geld von den Krankenkassen, um lohnende Forschung an Kinderarzneien zu betreiben. Die Politik weigert sich, zu handeln.
Ob künstliche Hüften oder Bandscheibenprothesen - die Hersteller versprechen den Patienten ein beschwerdefreies Leben. Doch wegen Schwachstellen bei der Zulassung kann die Industrie im Grunde selbst über Tests an ihren Produkten entscheiden. Die Folge: Es kommt immer wieder zu Rückrufaktionen mit zum Teil dramatischem Ausgang für die Patienten. Eine staatliche Kontrolle findet kaum statt.
Wenn privat Krankenversicherte Pleite gehen und Hartz IV beantragen müssen, kann es sein, dass ihnen nicht einmal das Existenzminimum bleibt. Denn für sie zahlt der Staat nur einen Teil der Krankenversicherung.
Die Zahl der Demenzkranken steigt von Jahr zu Jahr, doch bis heute wird das Krankheitsbild in der Pflegeversicherung kaum berücksichtigt. Patienten und Pflegekräfte stehen gleichermaßen unter Druck. Die Folge: Aggressionen gehören zum Alltag.
Bislang galten privat Krankenversicherte als Patienten erster Klasse. Das gilt jedoch nicht für diejenigen, die im Basistarif stecken. Nicht jeder Arzt will sie behandeln, oder der Patient muss um die richtige Abrechnung ringen. Dabei ist der Tarif alles andere als billig.
Behandlung vom Chefarzt – mit diesem Bonus werben private Krankenversicherungen. Die Privatpatienten bekommen angeblich die bessere Behandlung. Doch oft sind die Chefärzte auf Reisen und delegieren die Arbeit. Die Versicherungen zahlen trotzdem.
Privatpatienten haben es besser, verheißt die Werbung! Sie werden bevorzugt behandelt und bekommen mehr Leistungen. Von wegen! Die privaten Versicherer locken vielmehr junge und gesunde Menschen mit Kampftarifen an, und im Alter droht die Armutsfalle. KONTRASTE berichtet über die Machenschaften der Branche.
Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker – schön und gut. Aber was, wenn die Hersteller die Ärzte nur mangelhaft über Risiken ihrer Medikamente informieren? KONTRASTE deckt skrupellose Methoden der Pharmakonzerne auf und zeigt: Das System der Arzneimittelüberwachung funktioniert nicht.
Bei den Krankenkassen ist das Geld knapp. Während viele Versicherte inzwischen Zusatzbeiträge zahlen, belasten die Krankenhäuser die Kassen mit zu hohen Abrechnungen. Dadurch entstehen den Kassen jährlich Mehrkosten von rund einer Milliarde Euro. Dennoch setzt Gesundheitsminister Rösler auf weniger Kontrollen und mehr Vertrauen.
Schuhe, Taschen und Möbel aus Ländern außerhalb der EU können durch das Antischimmelmittel DMF zu schweren Ausschlägen und Atemnot führen. Seit Mai dieses Jahres ist es in der EU verboten, derart belastete Waren auf den Markt zu bringen. Dennoch landet solche Ware noch immer im deutschen Handel.
Die Anzahl pflegebedürftiger älterer Menschen in Deutschland wächst rapide. Ambulante und stationäre Pflegedienste suchen händeringend qualifiziertes Personal. Doch immer weniger junge Menschen entscheiden sich für diesen Beruf.
14 Stunden im Cockpit im Dienst – nicht nur auf Langstreckenflügen wird den Piloten einiges abverlangt. Immer öfter klagen sie über gefährliche Erschöpfungszustände. Schon vor Jahren berichtete KONTRASTE über die Sicherheitsrisiken, die davon ausgehen. Obwohl jetzt auch wissenschaftliche Gutachter kürzere Dienstzeiten fordern, bleibt die Politik tatenlos.
In Deutschlands Kliniken lauert ein gefährlicher Keim: MRSA. Er ist gegen fast alle Antibiotika resistent und fordert viele Todesopfer pro Jahr. Die Krankenhäuser schweigen. Und die Gesundheitspolitik wartet ab, statt endlich zu handeln.
Der KONTRASTE-Bericht über den tödlichen Krankenhaus-Keim MRSA hat viele Menschen alarmiert. Immer mehr Patienten berichten, was für verheerende Schäden der Erreger bei ihnen angerichtet hat. Krankenschwestern und Ärzte packen aus und erzählen über erschreckende Zustände in den Kliniken.
"Roundup" ist der Weltmarktführer unter den Pflanzenschutzmitteln und gilt als unbedenklich. Doch neue Studien legen den Verdacht nahe, dass bislang unerkannte Gefahren von dem Mittel ausgehen könnten. Die Behörden allerdings reagieren unzureichend.
Wenn Ärzte pfuschen, ist das nicht immer sofort offensichtlich. Viele verschweigen ihre Fehler. Folge: Die Krankenkassen kommen nicht an die Beweise heran und müssen für den Schaden aufkommen – und damit letztlich der Beitragszahler.
In Deutschland gilt der Grundsatz: Forschung über die Anwendung von Arzneimitteln ist allein Sache der Pharmahersteller. Für unabhängige Studien gibt es kein Geld. Deshalb bleiben wichtige Fragen etwa zur Dosierung oder zur Dauer der Einnahme von Medikamenten ungeklärt. Hauptsache, der Umsatz der Pharma-Firmen stimmt. Leidtragende sind auch die Patienten.
Die Krankenkassen müssen für neue Medikamente jeden Preis bezahlen, den der Hersteller verlangt. Dabei sind die Vorteile der neuen teuren Arzneimittel oft sehr bescheiden. Bundesgesundheitsministerin Schmidt will jetzt mit „Kosten-Nutzen-Bewertungen“ die enormen Preissteigerungen bei den Arzneimitteln begrenzen. Doch das halten Mediziner und Krankenkassen für eine Illusion.
Werbung für verschreibungspflichtige Arzneimittel direkt beim Patienten ist in Deutschland verboten. Trotzdem finden Pharmafirmen offenbar Mittel und Wege, das Gesetz zu umgehen. Immer wieder gelingt es den Firmen, ihre Medikamenten-Werbung in Publikumszeitschriften zu lancieren – als Artikel getarnt. Caroline Walter und Alexander Kobylinski decken auf, wie das Geschäft mit der verbotenen Pharmawerbung funktioniert.
Die körperliche Leistungsfähigkeit deutscher Schüler nimmt seit langem ab. Düstere Prognosen sehen gar eine rückläufige Lebenserwartung für die heutige Kindergeneration. Aber niemand fühlt sich verantwortlich. Eltern wissen nicht, wie wichtig Bewegung ist, Lehrer fühlen sich überfordert, die Politik bleibt unbeweglich. Dabei fordern Sportwissenschaftler längst täglichen Sportunterricht. Doch die zuständigen Kultusministerien blockieren Veränderungen. Chris Humbs berichtet.
Wenn Heilpraktiker pfuschen, ist der Patient zumeist machtlos: Wort steht gegen Wort, denn der Heilpraktiker muss nichts dokumentieren. Und so haben auch die Gesundheitsämter kaum eine Möglichkeit, den gefährlichen Heilpraktikern die Zulassung zu entziehen. Ein Gesetz aus dem Jahr 1939 erlaubt fast jedem als Heilpraktiker zu arbeiten, eine Berufsordnung oder ein Standesrecht gibt es nicht. Heilpraktiker, die Patienten gefährden, müssen also kaum etwas befürchten. Caroline Walter berichtet über die Untätigkeit des Staates.
Um Kosten zu sparen, lassen viele Kliniken in Deutschland medizinische Einmalprodukte wiederaufbereiten. Dadurch können beispielsweise chirurgische Instrumente, die vom Hersteller nur für den einmaligen Gebrauch deklariert sind, mehrfach genutzt werden. Doch diese Form des Recycling kann Gefahren für Patienten mit sich bringen – von Infektionsrisiken bis hin zu Komplikationen bei der OP. Gesundheitsbehörden in vielen EU-Ländern haben längst Konsequenzen gezogen – die Aufbereitung von Einmalinstrumenten untersagt. Doch in Deutschland hat das Bundesgesundheitsministerium bis heute nicht gehandelt. Caroline Walter und Alexander Kobylinski haben recherchiert.
Als der Mann in die Notaufnahme des Berliner Urban-Krankenhauses eingeliefert wurde, hatte er nur noch wenige Tage zu leben. Der Dienst habende Arzt ist entsetzt - nicht zum ersten Mal. Wer alt ist und keine Angehörigen hat, der wird schnell vergessen in deutschen Pflegeheimen. Norbert Sigmund und Ursel Sieber decken auf, woran das deutsche Pflegesystem krankt.
Für seine Anhänger ist er „ein Genie“, ein Vorbild und Vordenker. Er macht sie glauben, dass Krebs ohne Chemotherapie und Bestrahlung heilbar ist. Er behauptet, dass die Juden Schuld seien an den vielen Krebstoten in aller Welt. Er darf schon lange nicht mehr als Arzt arbeiten, er sitzt in Frankreich im Gefängnis, weil er dort illegal praktiziert hat. Er wird in Frankreich mit mehreren Todesfällen in Verbindung gebracht. Doch Ryke Geerd Hamer und seine „Germanische Neue Medizin“ werden trotzdem immer populärer. Mit tödlichen Folgen. Alexander Kobylinski und Caroline Walter über eine menschenverachtende und höchst gefährliche „Heilslehre“.
Kostensenkung und Budgetierung im Gesundheitswesen sollen zur Stabilisierung der Kosten der gesetzlichen Krankenkassen beitragen. Um ihren Einkommensverlust auszugleichen, zwingen immer mehr Ärzte ihren Patienten teure Extra-Leistungen auf, die privat bezahlt werden müssen und deren zusätzlicher Nutzen in Frage steht. Über die miesen Tricks der Geschäftemacher im weißen Kittel berichten Ursel Sieber und Andrea Böll.
In Deutschland sterben fünf Mal mehr Kinder an Masern als bisher angenommen. Grund ist die wachsende Impfmüdigkeit vieler Eltern. Manche folgen auch den Empfehlungen von einigen Homöopathen und verweigern ganz bewusst die Impfung und setzen damit nicht nur die eigenen Kinder einer tödlichen Gefahr aus. Weil sich der kleine Micha im Wartezimmer eines Kinderarztes bei einem nicht geimpften Jungen mit Masern ansteckte, muss Micha sterben. Er leidet an SSPE, sein Gehirn löst sich langsam auf. Ärzte warnen vor einer neuen Epidemie. Impfgegner lässt diese Warnung kalt. Über wachsende Impfmüdigkeit und die fatalen Folgen berichten Andrea Böll und Caroline Walter.
Schöne Reisen, wertvolle Geschenke, üppige Provisionen - als Arzt in Deutschland kann das Leben sehr angenehm sein. Vorausgesetzt man macht gemeinsame Sache mit der Pharma-Industrie. Um teure neue Produkte in den Markt zu drücken, bedienen sich die Hersteller immer noch in erster Linie willfähriger Ärzte, die gegen ein kleineres oder größeres "Dankeschön" für hohe Umsätze sorgen. Das Geschäft mit der Gesundheit blüht. Aber zahlen muss nur einer: Der Patient.
Sie sollte eigentlich Leben retten. Doch die Zahl der getöteten und ausgesetzten Neugeborenen ist trotz Einführung der Babyklappe vor vier Jahren in Deutschland gleich geblieben. Stattdessen stieg die Zahl der "Findelkinder" in Deutschland sprunghaft an. Für einige Experten ist die Babyklappe schlicht ein bequemes Angebot für Eltern, die von ihren Sprösslingen genervt sind und sie in der Klappe "entsorgen". Andrea Everwien geht den Vorwürfen nach.
Millionenfach renken Chiropraktiker jährlich "deutsche" Hälse ein. Der schnelle Griff hilft gegen Verspannungen und Rückenprobleme. Jetzt belegen Studien, dass vor allem jüngere Patienten besonders gefährdet sind: beim Einrenken können die hinteren Halsschlagadern verletzt werden. Das Ergebnis: Schlaganfall.
Vera Stein war einmal ein ganz normaler Teenager - bis ihr Vater sie in die Psychiatrie sperren ließ. Auch später, als Erwachsene, wurde sie eingesperrt: gegen ihren Willen und ohne krank zu sein. Die Medikamente ruinierten ihre Gesundheit. Und Psychiater und Richter finden das bis heute völlig in Ordnung.
Sie helfen gegen Wechseljahrserscheinungen - Hormonersatzpräparate. Tausenden Frauen verschrieben, auch gegen Herzinfarkt und Osteoporose. Jetzt zeigen Studien: Hormonersatztherapien erhöhen das Brustkrebsrisiko.
Die Zahl der Kindesaussetzungen und Kindestötungen in Deutschland steigt. Hamburg reagiert: Hilflose Mütter, die keinen Ausweg aus der Situation mit einem Neugeborenen finden, können über eine "Babyklappe" ihren Säugling anonym in Obhut geben. Kritiker meinen, dies sei ein einfacher Weg zur "Entsorgung", Befürworter wollen die Zahl der oft tödlichen Aussetzungen verringern.
Acht Millionen Patienten leiden in Deutschland dauerhaft an Schmerzen. Jedes Jahr begehen deshalb 4000 Menschen Selbstmord. Ihnen könnte durch regelmäßige Morphiumgaben geholfen werden. Aber: die deutsche Drogenpolitik verhindert dies.
Interne Unterlagen der Bundesregierung, die KONTRASTE exklusiv vorliegen, belegen: Allen deutschen Kernkraftwerken droht das AUS. Experten fordern neue Sicherheitsstandards, deren Umsetzung die Energiewirtschaft Milliarden kosten würde.
In Afrika wird seit Jahrzehnten Uran abgebaut - auch für deutsche Atomkraftwerke. Die Bedingungen sind oft katastrophal. Ganze Landstriche werden verstrahlt, Arbeiter sterben qualvoll. Doch der Bedarf an Natururan steigt weiter, auch wegen der geplanten Laufzeitverlängerung in Deutschland.
Die Bundesregierung will die Atomkraftwerke länger am Netz lassen. Experten warnen vor hochgefährlichen Sicherheitsdefiziten der gut 30 Jahre alten Meiler. Der TÜV betont, es werde ausreichend geprüft. Doch KONTRASTE deckt auf: An mindestens einem deutschen Atomkraftwerk wurden die Reaktordruckbehälter seit Jahrzehnten nicht ausreichend kontrolliert.
Bundesumweltminister Röttgen will die Sicherheitsstandards am geplanten atomaren Endlager Gorleben senken. Geplant ist, auf eine Rückholbarkeit des Strahlenmülls zu verzichten. Das Risiko: Es könnte im Salzstock zu chemischen Reaktionen bis hin zu Explosionen kommen.
Die Bundesatomaufsicht sieht ein zu hohes Sicherheitsrisiko für das hessische Kernkraftwerk Biblis. Deshalb will sie das Wiederanfahren des Reaktors vorläufig stoppen. Anlass sind KONTRASTE-Recherchen, die belegen, dass es an dem Reaktor Probleme mit dem Notkühlsystem gibt.
Nach dem Wahlsieg von Schwarz-Gelb hofft die Atomindustrie auf den Ausstieg aus dem Ausstieg. Doch noch immer ist die Endlagerung umstritten. Die CDU hält an Gorleben fest – trotz Empfehlungen von Wissenschaftlern, andere Standorte zumindest zu überprüfen.
Sommer, Sonne, Barbecue: noch immer haben viele Deutsche den Willen zum Grillen – und nehmen dazu gern Schweinefleisch. Was kaum ein Verbraucher ahnt: Jährlich werden 22 Millionen Ferkel ohne jede Betäubung kastriert. Tierschützer fordern die Abschaffung dieser unnötigen Quälerei.
Durch ständige Wassereinbrüche kann eine radioaktive Verseuchung des Grundwassers rund um das Atom-Endlager Asse nicht ausgeschlossen werden. Kontraste deckt auf, wie die Politik die Gefahren für die Umwelt über Jahrzehnte geheim hielt.
In vielen deutschen Lehrerzimmern ist diese Situation Alltag: Der eine Lehrer ist Beamter, der andere Angestellter. Der Beamte verdient bei gleichen Voraussetzungen netto viel mehr als sein Kollege. Das sorgt für Unfrieden in Belegschaften. Doch der Staat hat mit den Beamten ein ganz anderes Problem: Auf seine Kassen rollt eine gewaltige Pensionslawine zu.
Immer mehr Schulen stellen billige Aushilfskräfte ein, weil qualifizierte Lehrer nicht zu bekommen sind. Pädagogische Erfahrung - bei den Ersatzkräften meist Fehlanzeige! Dennoch werden sie sogar als Klassenlehrer eingesetzt. Billiglehrer auf Abruf.
Der Maserati, den sich der Chef der Berliner Treberhilfe als Dienstwagen gönnte, hat eine überfällige Diskussion angestoßen: Was passiert eigentlich mit den Milliarden, die der Staat in die Hilfe für Arme und Bedürftige steckt? KONTRASTE-Recherchen ergaben: Fehlende Kontrollen laden geradezu zur Selbstbedienung ein.
Wer Zivilklage gegen einen Hartz-IV-Empfänger einreicht, kommt vielleicht zu seinem Recht. Aber auch wenn der Richter zugunsten des Klägers entscheidet, folgt das dicke Ende oft nach. Denn wenn der Verurteilte mittellos ist, muss der Kläger nicht nur die Anwalts-, sondern auch die Gerichtskosten tragen.
Die neue Regierungskoalition, Schwarz-Gelb hat beschlossen: Hartz-IV-Empfänger können Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser, in denen sie wohnen, behalten, ohne dass ihnen die Zahlungen gekürzt werden. Doch nun zeigt sich: Das ist unbezahlbar und ungerecht. Denn wer zum Beispiel zahlt einem Hartz-IV-Villenbesitzer Reparaturen an seinem Haus?
Die CSU hat das Betreuungsgeld für daheim bleibende Kinder im Koalitionsvertrag durchgesetzt - gegen den Widerstand von CDU und FDP. Während Bildungsexperten vor den Folgen vor allem für Kinder aus armen Familien warnen, geht es den Christsozialen um etwas anderes: das katholisch-konservative Ideal der heilen Familie.
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Wenn mitten in Deutschland ein Kind an Misshandlung oder Vernachlässigung stirbt, ist die Empörung jedes Mal groß. Geht es aber ans konkrete Handeln, versagt die Politik. Trotz Ankündigung im schwarz-roten Koalitionsvertrag gibt es nach wie vor kein bundeseinheitliches Kinderschutzgesetz.
Die Steuerfreiheit für Sonn- und Feiertagszuschläge ist ein Reizthema – doch im Bundestagswahlkampf bleibt es tabu. Aus der Union heißt es, eine Streichung dieser Subventionen würde in der Bevölkerung nicht akzeptiert. Dabei zeigt eine Studie, dass nicht etwa die oft ins Feld geführten Krankenschwestern Nutznießerinnen dieses Steuergeschenks sind, sondern vor allem Großverdiener.
Lebensmittel-Tafeln und Suppenküchen verzeichnen einen enormen Zulauf in ganz Deutschland. Hilft das Spenden von Essen, um den Weg aus der Armut zu finden? Die Praxis zeigt, viele Menschen richten sich ein im System einer "mildtätigen Rundumversorgung". Vom sozialen Prinzip "Hilfe zur Selbsthilfe" sind viele Tafeln und Suppenküchen weit entfernt.
Eine Schule in Baden-Württemberg darf keine Behinderten mehr aufnehmen. Die Landesregierung hat den Unterricht, in dem Behinderte integriert werden, für die Schulanfänger verboten. Das Schulprojekt war bislang geduldet worden. Müssen die Kinder jetzt in eine Sonderschule? Das würde gegen Völkerrecht verstoßen, denn in der UN-Konvention für die Rechte Behinderter ist ein freier Schulzugang festgelegt.
Die körperliche Leistungsfähigkeit deutscher Schüler nimmt seit langem ab. Düstere Prognosen sehen gar eine rückläufige Lebenserwartung für die heutige Kindergeneration. Aber niemand fühlt sich verantwortlich. Eltern wissen nicht, wie wichtig Bewegung ist, Lehrer fühlen sich überfordert, die Politik bleibt unbeweglich. Dabei fordern Sportwissenschaftler längst täglichen Sportunterricht. Doch die zuständigen Kultusministerien blockieren Veränderungen. Chris Humbs berichtet.
Allein erziehend und arm – rund ein Drittel der etwa 5 Millionen Hartz IV-Empfänger sind Mütter, die mit ihren Kindern auf sich allein gestellt sind. Soweit die Statistik. Doch wie kommen die Betroffenen damit zurecht? Hindert sie die staatliche Fürsorge, selbst aktiv zu werden? KONTRASTE hat zwei Frauen begleitet, die versuchen, ihr Leben zwischen Job Center und Kindererziehung in den Griff zu bekommen. Wie schwierig das sein kann, haben unsere Autoren Ulrich Kraetzer und Axel Svehla erfahren.
Was in Magdeburg als Bürgerinitiative begann, entwickelt sich zu einer gewaltigen Protestwelle. Enttäuscht vom Staat, gehen Zehntausende jeden Montag auf die Straße und machen ihrem Ärger Luft. Wenn der Staat schon nicht mehr zahlen will, dann soll er wenigstens für Arbeitsplätze sorgen. Olaf Jahn, Susanne Opalka und Kristina Tschenett mischten sich unter die Demonstranten.
Darf eine Lehrerin, eine Muslimin, an einer staatlichen Schule mit Kopftuch unterrichten? Die meisten Bundesländer sagen nein. Hier endet die Religionsfreiheit - zum Schutz der Kinder. Das gilt jedoch nur für Muslime. Denn christliche Ordensschwestern dürfen sehr wohl in ihren schwarzen Kleidern mit Haube an staatlichen Schulen unterrichten. In vielen Klassenzimmern hängen Kruzifixe, der Staat zieht die Kirchensteuer ein und hohe Amts- und Würdenträger schwören auf die Bibel. Anja Dehne über die zwei Seiten derselben Medaille.
Deutsch ist für viele Kinder eine Fremdsprache. In manchen Grundschulen übersteigt der Anteil der Kinder mit mangelhaften Deutschkenntnissen 70 Prozent. "Das ist ausländerfeindlich", behauptet Niedersachsens Ministerpräsident Sigmar Gabriel (SPD) und plädiert für Schülertransporte per Bus an andere Schulen. Wie das funktionieren könnte, zeigt Chris Humbs.
Nach über 40 Jahren verläßt Rita Troll ihre katholische Ordensgemeinschaft, trotz jahrzehntelanger Arbeit als Religionslehrerin, droht ihr jetzt der Abstieg in die Sozialhilfe.